Die anhaltende Schwäche des Euro lässt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zu einer Warnung gegenüber der Europäischen Zentralbank hinreißen: "Abwertungen lösen keine strukturellen Probleme." Damit spricht es sich klar gegen den Währungskrieg aus, der den Krisenländern mehr Exportchancen einräumen soll.

Von Marco Maier

EUR-USDDass die Wechselkurse nur selten die tatsächliche wirtschaftliche Situation repräsentieren, ist eine Binsenweisheit. Immerhin sind es die Unsummen an Finanzkapital, die über das Auf und Ab an den Devisenmärkten sorgen, nicht die Geldströme infolge der regulären grenzüberschreitenden Wirtschaftstätigkeit. Ein Beispiel dafür ist die massive Abwertung des Russischen Rubels, der durch Finanzmarktspekulationen stark unter Druck geriet.

In einem vorab veröffentlichten Gastbeitrag für die "Bild" erklärte nun IW-Direktor Michael Hüther: "Wir sind einem Währungskrieg durch bewusst herbeigeführte Abwertungen sehr nahe. Was jetzt beim Euro passiert, haben wir zuvor beim japanischen Yen erlebt. Besser geht es der japanischen Volkswirtschaft deshalb aber nicht." Abwertungen lösten keine strukturellen Probleme, warnte Hüther: "Ein Abwertungswettlauf schädigt alle."

Der IW-Chef bezeichnete es als "beachtlich", dass der Euro als eine Weltwährung seit Mai gegenüber dem US-Dollar 10 Prozent an Wert eingebüßt habe. Dennoch erwartet er, dass die Abwertung weiterhin anhält. Durch die Politik der EZB, künftig auch Banken hochriskante Papier abzukaufen, würden Investoren angeregt, "das billige Geld aus Europa abzuziehen und zu höheren Zinsen in den USA anzulegen. Diese Kapitalströme verstärken die Abwertung des Euro", erklärte der IW-Chef.

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Dennoch sollte man berücksichtigen, dass der Euro-Dollar-Kurs noch vor 10-12 Jahren deutlich niedriger war als heute. Allein von 2002 bis 2008 verteuerte sich der Euro zum Dollar um mehr als 60 Prozent, während es danach im Zickzack-Kurs wieder langsam nach unten ging. Mittelfristig wäre mit dieser Entwicklung auch wieder eine Euro-Dollar-Parität denkbar.

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