Ein flüchtiger Blick auf die „Isolationskette“, die Reihe von Militärstützpunkten, die die USA um Russland herum gelegt haben, erweckt den Eindruck, das nördliche Eismeer sei ein demilitarisierter Raum. Doch das täuscht. Der Präsident der russischen Akademie für geopolitische Probleme, Generaloberst Leonid Iwaschow, spricht von vielen Gefahren für Russland, die  in der Arktis lauern. „Dort entstehen ernsthafte Bedrohungen. Die US-Amerikaner haben ein schlagkräftiges Waffensystem für die Arktis gestartet, verstärken ihren Truppeneinheiten und bilden eine Art Arktis-NATO, der unter anderem Großbritannien, Kanada und Norwegen angehören werden.“

Von Florian Stumfall

Sinn von Russlands Militärpräsenz in der Arktis ist es, die USA davon abhalten, russisches Territorium zu missachten und Bodenschätze  zu beanspruchen, die darauf liegen. Das sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses in der russischen Staatsduma, Admiral Wladimir Komojedow. Auf Präsident Putins Geheiß hin wird ein einheitliches System zur Stationierung von Schiffen und U-Booten der neuen Generation in der russischen Arktis geschaffen. Zudem soll dort der Grenzschutz verstärkt werden.

Konfliktzonen sind vorgezeichnet. Der Westen erkennt Russlands Ansprüche auf  verschiedene vorgelagerte Schelf-Gebiete und die Nordostpassage nicht an. „Sie denken, dass die Nordostpassage und mehrere Gebiete, die Russland zu seinem Territorium erklärt hat, zu den internationalen Gewässern gehören. Deswegen kann sich der Kampf um die Arktis, um Bodenschätze in eine gewaltsame Konfrontation verwandeln“, so Komojedow. Der Kreml habe die entstehenden Gefahren erkannt, weshalb die Militärpräsenz in der Arktis ausgebaut werde. Es soll eine neue militärische Struktur – Nordflotte – Vereintes strategisches Kommando – entstehen. Ihr werden die Nordflotte, die Arktis-Brigaden, Truppenteile der Luftstreitkräfte und der Luftverteidigung sowie die Führungsorgane angehören. 

Im vergangenen Herbst schon hat die russische Kriegsmarine nach mehr als zwanzigjähriger  Pause ihre Patrouillen in der Arktis wieder aufgenommen. Wie es damals aus Moskau hieß, ist die Erneuerung der militärischen Präsenz die erste Etappe bei der von Präsident Wladimir Putin angeordneten Entwicklung der Nordostpassage und der anliegenden arktischen Gebiete. Zudem gab Verteidigungsminister Schoigu bekannt, daß Russland noch in diesem Jahr Arktis-Truppen aufstellt. Bereits im Oktober des vergangenen Jahres hat der bislang vernachlässigte Flugplatz Temp auf den Neusibirischen Inseln den Betrieb wieder aufgenommen, sieben weitere nördliche Flugplätze sollen diesem Beispiel folgen. Zudem will Russland auf wichtigen Transportwegen eisgängige Patrouillenschiffe einsetzen und seine arktischen Gebiete mit Frühwarnradaren schützen.

„Es beginnt ein ernsthafter Kampf um unsere Bodenschätze. Wir sind in der Lage, uns selbst und unsere Bodenschätze vor den gekränkten USA zu schützen, die zurzeit gegen Russland via Sanktionen intrigieren“, sagte Komojedow. Es gibt Experten, die ein Viertel der weltweiten bisher nicht bestätigten Öl-Reserven in der Arktis vermuten.

Loading...

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

One thought on “Russland: Schutzschild in der Arktis”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.