Mit dem Begriff "Eurokrise" verbindet man vor allem südeuropäische Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien. Einer Studie des Freiburger Centrum für europäische Politik (CEP) zufolge droht jedoch eine Ausweitung in den Norden. Insgesamt zeichnet sich ein düsteres Bild der Lage ab.

Die Experten des CEP bringen es auf den Punkt: "Trotz aller gegenteiligen Behauptungen der griechischen Regierung: Griechenland bleibt das Sorgenkind der Euro-Zone." Grund dafür ist – wie wir schon berichteten – die drückende Schuldenlast, deren Zinskosten einen Großteil des griechischen Staatshaushalts in Anspruch nehmen. Dass die griechische Wirtschaft in diesem Jahr um 0,6 Prozent wachsen würde, wie es die EU-Kommission gleich einem feuchten Traum prognostiziert, wird vom CEP zurecht bezweifelt.

Doch nicht nur die Wachstumsprognosen für Griechenland sind absolut unrealistisch – dies gilt auch für jene Italiens, dessen Wirtschaft nach wie vor von der Flucht der Unternehmen ins Ausland geprägt wird. Zudem beschleunige sich die "Erosion der Kreditfähigkeit" des Landes seit 2013 enorm. In dessen Nachbarland Frankreich sieht es auch nicht besser aus: Die Neuverschuldung dürfte sich auch in diesem Jahr deutlich ausweiten, während die sozialistische Regierung unfähig ist, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern.

Inzwischen zeigen sich den Analysen nach erste Auswirkungen auf jene Euroländer, die bislang als stabil und krisenresistent galten. Insbesondere Belgien und Finnland stehen hierbei im Fokus der Wirtschaftsforscher. Beide Länder weisen eine sehr hohe Konsumquote auf, die zu einem dramatischen Anstieg der Kapitalimporte führen. Besonders kritisch ist die Lage im einstigen Musterstaat Finnland, dessen Wirtschaft seit 2012 kontinuierlich schrumpft. Nicht zu vergessen: die Niederlande. In Folge der Bilanzrezession kämpft das kleine Königreich ums finanzielle Überleben. Doch die Erfolgsaussichten dafür sind bescheiden.

Über kurz oder lang werden die Ungleichgewichte zu einer knallharten Zerreißprobe für die Eurozone werden. Die Eurogruppenchefs können zwar noch versuchen, die nach wie vor ernste Lage zu beschönigen – doch weder Deutschland noch Österreich werden sich dem Abwärtssog entziehen können, wenn sich die Lage in Italien oder Frankreich zuspitzt.

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