Griechenland: Schulden bis ins Unendliche

Mario Draghi ist ein mächtiger Mann. Wenn er zu den Griechen sagt: „Ihr könnt wieder Schulden machen, wie ihr wollt, ich zahle im Zweifelsfall schon“, dann kaufen alle Spekulanten griechische Staatsanleihen, und die EU-Steuerzahler tragen das Risiko, nicht Draghi, natürlich. Der ganze windige Vorgang wird dann als Erfolg und Beleg dafür gefeiert, dass es in Athen nun unaufhaltsam aufwärts geht.

Von Florian Stumfall

Vor vier Jahren hat sich Griechenland, wie es so schön gemütlich heißt, unter den EU-Rettungsschirm begeben. Seither sind die Schulden des Landes unaufhörlich gestiegen. Allein im vergangenen Jahr belief sich die Neuverschuldung auf 23 Milliarden Euro. Damit ist die Gesamtverschuldung auf den Rekordwert von 175,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Im Jahr zuvor waren es noch 157,2 Prozent. Nicholas Spiro, Managing Director von Spiro Sovereign Strategy in London, sagt: “Der Anstieg der Staatsverschuldung seit dem Ausbruch der griechischen Haushaltskrise im Jahr 2009 ist enorm. Die Tatsache, dass es – technisch gesprochen – immer noch umstritten ist, ob Griechenland solvent ist, sagt viel über das Krisenmanagement aus.”

Dennoch hat Griechenland jetzt einen Haushalt mit Primärüberschuss vorgelegt. Wer aber trotz des Jubel-Geschreis genauer hinhört, vernimmt, dass in dieser Rechnung die Verpflichtungen aus dem Kapital-Dienst nicht enthalten sind. Sollte also diese Überschuss-Farce mehr sein als ein nutzloses Rechenspiel, so kann sie nur eines bedeuten: Die Griechen denken gar nicht daran, ihre Schulden je zurückzuzahlen.

Im Gegenteil. Der frühere Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, ist davon überzeugt, dass Griechenland sehr bald ein neues Hilfspaket brauchen wird. „Jeder, der halbwegs rechnen kann, weiß, dass Griechenlands Schulden viel zu hoch sind,“, sagte er zum Focus und fuhr fort: „Die Euro-Staaten trauen sich nur nicht, ihren Steuerzahlern gegenüber zuzugeben, dass weitere Hilfsmaßnahmen erforderlich sind. Stattdessen werden sie die Zinsen für Kredite auf Null senken und die Rückzahlung ins Unendliche verlängern.“ Ein Kommentator der Börsenzeitung kommt zu demselben Schluss: „Die Finanztechniker werden komplizierte Zahlenwerke aushecken, Zinsen nochmals senken, Laufzeiten abermals strecken, Notkredite für Banken in Notkredite für den Staat umwidmen und andere finanzielle Kunstfertigkeiten aufbieten, damit Hellas auch 2015 nicht das Geld ausgeht.“

Diese Machenschaften bringen es mit sich, dass man es im Rahmen des kommenden dritten Hilfspakets für Griechenland vermeiden kann, neue direkte Milliardenkredite zu gewähren. Doch der Effekt für Athen ist derselbe und natürlich auch der für die unfreiwilligen Darlehensgeber. Nachdem aber die Schuldenquoten in allen Problemländern gestiegen sind, bietet sich dieser Dreh als neue finanzpolitische Leitlinie an. Am Tag nach den Europa-Wahlen wird so manches ans Licht kommen.

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Ein Kommentar

  1.  

    Gegen die deflatorische Austeritätspolitik der EZB! Abseits der Mainstream Medien mit ihrem verfehlten Monetarismus der Chikagoer Schule der Volkswirtschaft nach Milton Friedman …gescheitert und widerlegt, ebenso wie die exportorientierte neoliberale Angebotspolitik für die Grossindustrie nach Hans-Werner Sinn…von Albrecht Müller in "Die Reformlüge" und Peter Bofinger in "Wir sind besser als wir glauben" detailiert widerlegt! Siehe dazu auch die Kopp News des Kopp Verlages Online mit Udo Ulfkotte und Eva Hermann! Binnenmarkt und Infrastruktur sowie Handwerk und Mittelstand, wo die meisten Leute arbeiten, leiden darunter…siehe auch Dr. Axel Bust Bartels, wissenschaftlicher Beirat von Attac Deutschland! http://www.attac.de/ Die deflatorische Austeritätspolitik der Monetaristen und Neoliberalen ist längst wissenschaftlich widerlegt…deren unsachliche neoliberale und monetaristische VWL Freihandels-Ideologie bringt uns allen den Ruin! Gegen die deflatorische Austeritätspolitik bzw. Sparpolitik a la Brüning http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-04/rog off-reinhart-sparpolitik-kritik Harvard-Ökonomen geben Fehler bei folgenreicher Staatsschulden-Studie zu Auf mehr als 90 Prozent Staatsschuldenquote folgen Stagnation und Krise, hatten Reinhart und Rogoff 2010 in einem Paper konstatiert und wurden damit zu den wissenschaftlichen Bannerträgern der öffentlichen Austerität http://www.heise.de/tp/blogs/8/154129 Austerität bringt Menschen um: Neue Studie vergleicht 30er Jahre und heute 30. April 2013 * 18:06 Uhr http://www.bueso.de/node/6432 Negative Beschäftigungseffekte zur 1 Euro Jobs http://www.heise.de/tp/artikel/36/36016/1 .html Zeit-Fragen > 2013 > Nr. 12 vom 18.3.2013 > Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt «Mit den gewählten Sparmassnahmen mehr Schaden als Nutzen erzielt» http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1396 In Griechenland setzt sich der Hunger fest… In Griechenland setzt sich der Hunger fest – Zeit-Fragen http://www.zeit-fragen.ch/ › Zeit-Fragen › 2012 › Nr.13 vom 26.3.2012 http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=777 http://www.europaeische-union-eu.de/

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