Stoltenberg bleibt auf NATO-Interventionskurs

Für den Generalsekretär der NATO, Jens Stoltenberg, sind unsinnige militärische Interventionen wie in Afghanistan auch in Zukunft nicht vom Tisch.

Von Redaktion

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hält trotz der Rückeroberung Afghanistans durch die Taliban auch in Zukunft ähnliche Militäreinsätze des westlichen Bündnisses für sinnvoll. “Afghanistan wird nicht die letzte Krise sein, in der Nordamerika und Europa gemeinsam, mithilfe der NATO, handeln müssen”, schreibt er in einem Gastbeitrag für die “Welt am Sonntag”.

Und weiter: “Es wird immer jemanden geben, der uns schaden will.” Deshalb seien Militäreinsätze “grundsätzlich das letzte Mittel, manchmal aber doch die einzig vernünftige Antwort”. Der Kampfeinsatz in Afghanistan “war ein langer und schwieriger Einsatz, der mit vielen Opfern und hohen Kosten verbunden war”, schreibt Stoltenberg weiter. Insgesamt hätten über eine Million unserer Männer und Frauen in Uniform aus Nordamerika, Europa und anderen Partnerländern dort in den letzten zwei Jahrzehnten gedient.

“Tausende von ihnen sind gefallen oder wurden verwundet, ebenso wie viele Afghanen, sowohl Sicherheitskräfte als auch Zivilisten. Heute möchte ich ihnen allen Tribut zollen – auch den vielen deutschen Soldaten und Zivilisten, die mit großem Mut und Professionalität ihren Beitrag geleistet haben.”

Stoltenberg weist auf die angeblichen Erfolge des Einsatzes hin: “Die NATO-Mission bestand darin, al-Qaida erheblich zu schwächen und zu verhindern, dass Afghanistan als Ausgangsbasis für Terroristen dient, die uns dann angreifen. Seit dem 11. September hat es keine in Afghanistan organisierten Terrorangriffe mehr in unseren Heimatländern gegeben.”

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Doch der Norweger verklärt damit die Geschichte. Immerhin waren die identifizierten Attentäter – inklusive Osama bin Laden selbst – fast alle aus Saudi-Arabien (einem “Verbündeten” der USA). Afghanistan selbst war nur ein Bauernopfer in diesem großen Strategiespiel. Und wer weiß, wie viel Einfluss die Opiumproduktion und die Füllung der schwarzen Kassen von CIA & Co dabei eine Rolle spielten. Die nun folgende Destabilisierung der Region um Afghanistan selbst wird der NATO vielleicht eine neue Interventionsmöglichkeit bieten.

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Stoltenbergs Haltung spiegelt allerdings auch den Versuch des westlichen Militärbündnisses wieder, sich in diesen Umbruchszeiten weiter einen Sinn zu geben. Ohne Feindbilder und ohne eine Konfrontationspolitik verliert die NATO ihre Existenzberechtigung. War diese schon nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und des Warschauer Paktes eigentlich nicht mehr vorhanden, so war der angebliche “Krieg gegen den Terror” ab dem 11. September 2001 noch ein kleiner Push. Die Zeiten jedoch werden multipolarer, was Stoltenberg und die Kalten Krieger in der NATO allerdings nicht erkennen wollen.

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