Eine kontroverse Heilpflanze und ihre Herkunft

Bei dem Wort Heilpflanze kommen Vielen vielleicht Kräuter, wie etwa Kamille oder die beliebte Hauspflanze Aloe Vera in den Kopf, aber nicht zwingend Cannabis. Pflanzen der Cannabis Familie haben in den tausenden von Jahren, seitdem sie Bestandteil der menschlichen Welt geworden sind, viele verschiedene Namen gekriegt. Teufelskraut, Hanf, Weed, Marihuana, dies sind alles Begriffe, die im Bezug auf Mitglieder der Cannabis Pflanzenfamilie bekannt geworden sind. Dabei ist Heilpflanze nicht immer die erste Assoziation, die im Kopf der Menschen vorkommt. Allerdings ist das genau der Grund, warum bis heute noch Cannabis immer wieder in der Medizin oder für alternative Heilmethoden verwendet wird. Dabei ist heute vor allem der CBD Markt eine neue Anlaufstelle für Wellness Produkte. CBD wird aus Cannabis Sativa gewonnen, welches eine Pflanze der Cannabis Familie ist, die besonders arm an psychoaktiven Stoffen ist. Die beliebteste Methode für den CBD Konsum ist CBD Öl, welches sich schnell und einfach in den Alltag von tausenden von Menschen integriert hat.

Aber wo genau kommt Cannabis her, seit wann weiß die Menschheit, dass es sich um eine Heilpflanze handelt und warum wissen wir so wenig über eine Pflanze, die schon seit tausenden von Jahren fester Bestandteil verschiedener Gesellschaften ist?

Schon 4000 v.Chr. gibt es Berichte über den ersten Cannabisgebrauch im großen Stil. Zeuge dessen sind archäologische Funde in China, die als Beweis für kultivierten Cannabis Anbau dienen. Der erste, dokumentierte, Cannabisgebrauch in der Medizin fand erst wesentlich später im Jahr 2700 v.Chr. statt und wurde in dem ältesten, medizinischen Texten der Welt, dem Shen Nung’s Pen Ts’ao festgehalten. Dabei wurden Rheumabeschwerden, Malaria und Verstopfung mit Cannabis Pflanzen behandelt. Auch wenn die Ursprünge von Cannabis in China liegen, hat es im Jahr 600 v.Chr. durch den Taoism und dessen Anti-Rauschmittel Gesetze einen harten Schlag und Verbannung erlitten.

In Indien wurde währenddessen Cannabis zu einem festen Bestandteil des Alltags. Dabei beschränkte sich der Cannabisgebrauch nicht nur auf medizinische Anwendungen, sondern wurde auch als Freizeitdroge verwendet. Der Begriff Freizeitdroge ist hierbei etwas weit hergeholt, da der “Freizeit” Gebrauch immer in enger Verbindung mit religiösen Verfahren stand. In Indien wurde Cannabis als eine der fünf heiligen Pflanzen im Atharva Verda festgehalten. Dort wird die Pflanze als Quelle der Glückseligkeit, Freude und Freiheit beschrieben, wodurch es sich hoher Beliebtheit in religiösen Ritualen erfreute. Die Freiheit durch die psychoaktive Wirkung der Cannabis Pflanze wurde von Religiösen als Erweiterung der Sinne und somit eine Brücke zu den Göttern verstanden, wodurch sie diesen näher kommen konnten.

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Die Berichte über medizinische Anwendung von Cannabis in Indien zeugen dennoch davon, dass Cannabis primär als Heilpflanze verstanden wurde. Ob zur Behandlung von Schmerzen, als Antibiotika, gegen Epilepsie oder um den Appetit anzuregen, Cannabis wurde als ein Allheilmittel verstanden.

Auch wenn es immer wieder Verbote der Pflanze gab, hielten diese nie lange an, zumindest nicht vor Einbruch des 20. Jahrhunderts. Cannabis hatte sich in weiten Teilen der Welt verteilt, während sich der afrikanische Kontinent und Eurasien explizit die Vielfältigkeit der Pflanze zu Nutzen machten. Nicht nur als Heilpflanze, sondern auch für die Produktion von Seilen, Kleidung und Papier, wurden die Fasern der Pflanze verarbeitet. Deshalb wurde Cannabis als der “Allrounder” seiner Zeit verstanden.

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Die Entwicklung einer beliebten Allrounder-Pflanze, zu einem Tabuthema war immer wieder ein Thema im Laufe der Jahre, in denen Cannabis beliebt war. Das lag vor allem an dem Gemeinschafts-Faktor, den Cannabis Konsum mit sich brachte. Regierungen und Monarchen sahen immer wieder eine Gefahr darin, dass sich Menschen versammelten und Cannabis konsumierten, da sie Revolutionen fürchteten.

So etwa auch im Jahr 1379 in Arabien. Soudun Sheikouni, der Emir von Joneima, in Arabien verbat Konsum und Besitz der Pflanze und versuchte den sozialen Faktor, und somit den Austausch der Menschen, zu unterbinden. Ein weiteres Problem wurde in den entspannenden Effekte der Pflanze gesehen, da diese dazu führten, dass sich Arbeiter von ihrer Arbeit abbringen liesen. Zumindest befürchteten dies die Herrscher. Im Falle des Verbots durch Soudun Sheikouni kam aber auch noch die explizite Ablehnung einer Splittergruppe des Islams dazu. Sufi Muslime sahen in Cannabis eine Möglichkeit mit Allah in Verbindung zu treten. Cannabis wurde deshalb von der streng islamischen Regierungen im Jahr 1379 verboten und die Anhänger der Pflanzen gefoltert und getötet.

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Nicht nur im Islam wurde Cannabis als ein Mittel für religiöse und politische Revolutionen gefürchtet. Im Jahr 1484 sah Papst Innocenz VIII eine Gefahr in der Heilpflanze. Das lag zu großen Teilen an der Assoziation von Heilpflanzen mit Paganismus und Hexerei. Jene, die mit Paganismus oder Hexerei assoziiert wurden, hatten Verfolgung und Tod durch die Kirche zu befürchten. Zum anderen sah der Papst eine Gefahr darin, dass Menschen eher auf Heilpflanzen vertrauten würden, um sie zu heilen, als auf Gott und die Kirche. Deshalb wurde Cannabis von der Kirche und Papst Innocenz VIII als unheiliges Sakrament der satanistischen Kirche erklärt.

Trotz des sozialen Faktors des Cannabis Konsum und Anbau sahen Kolonialherrscher in Cannabis einen wertvollen Rohstoff, der vor allem für Segel, Seile und Papier genutzt werden konnte. Doch die soziale Gefahr eines eigenständig denkenden Volkes, aufgrund von erweiterten Sinnen und sozialem Austausch, blieb für Viele ein Dorn im Auge.

Die Beziehung von Großbritannien zu Cannabis ist hierbei ein gutes Beispiel. Cannabis war in Indien ein fester Bestandteil des Alltags. Dadurch, dass die Pflanze dort von Natur aus wächst, wäre es schwer gewesen Cannabis komplett zu verbieten. Während der Besetzung Indiens versuchte das Königreich stattdessen von der Nutzung der Pflanze zu profitieren und versteuerten den Anbau und Konsum. Durch das natürliche Vorkommen von Cannabis Pflanzen immer noch schwierig, aber nicht unmöglich durchzusetzen.

Auch in den USA entstand ein komplexes Verhältnis zu Cannabis. Wie auch in vielen anderen Teilen der Welt, wurde die Pflanze durch britische Kolonialherren angebaut und gezüchtet. Hier lag der Fokus allerdings auf Rohstoff Produktion für Kleidung, Seile und Papier. Sogar die berühmte Unabhängigkeitserklärung der USA ist auf Hanfpapier festgehalten. In den 1870er Jahren wurde Cannabis in den USA als Medizin eingetragen, 40 Jahre später begannen Cannabis Verbote im gesamten Land. Bis Ende der 1930er Jahre war Cannabis in den gesamten USA verboten und der Rest der Welt folgte diesem Beispiel nur kurz darauf. Opportunisten aus der Industrie sahen hier eine Marktlücke und entwickelten Plastik- und Ölbasierte Stoffe, wie Polyester, um Kleidung herstellen zu können. Auch die Pharmaindustrie erfreute sich am Cannabisverbot, da sie nun mehr Profit durch chemisch entwickelte Drogen generieren konnten.

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Im Lauf des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Forschung stark weiter, weshalb es Ende des 20. Jahrhunderts gelang die Wirkung von Cannabis und dessen Bestandteile zu entschlüsseln. Der Grund, warum Cannabis eine Wirkung auf den Menschen hat liegt im Endocannabinoiden System und den Cannabinoiden, die in Pflanzen vorkommen. Diese sind aufgrund ihrer molekularen Ähnlichkeit zu körpereigenen Cannabinoiden in der Lage im Endocannabinoiden System zu wirken.

Das Phytocannabinoid CBD ist vor allem seit Beginn des 21. Jahrhunderts beliebt in der Medizin und Wellness Branche geworden. Dank intensiver Forschung ist es gelungen Cannabis Sativa Sorten zu züchten, die reich an CBD sind, aber arm an dem psychoaktiven Stoff THC. Dadurch wurden Cannabis und CBD Produkte zugänglich für die breite Bevölkerung. CBD Tropfen sind für viele Menschen die bevorzugte Methode um CBD einzunehmen, da es schnell und effektiv die positiven Eigenschaften der Cannabis Sativa Pflanze in den Körper transportieren kann.

Vielleicht wird es noch ein paar Jahre dauern bis Cannabis seinen Ruf als Heilpflanze zurückerobern kann, allerdings ist die antike Pflanze dank moderner Forschung auf dem besten Weg zu ihrem alten Ruhm.

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