Covid-19: Panikmache mit Indien

Die Mainstreammedien verbreiten Schreckensbilder aus Indien, wo Covid-19 angeblich so böse wütet. Doch dabei gibt es viel Panikmache.

Von Marco Maier

Mit dem aktuellen Stand (laut “Worldometers“) hat Indien knapp über 208.000 Covid-bezogene Todesfälle zu beklagen. Die Situation sei so schlimm, dass man nun hingehe, die Verstorbenen auf offenem Feld zu kremieren. Nun, lokal mögen die Bestattungsunternehmen etwas überfordert sein, doch man bauscht das Ganze offensichtlich massiv auf.

Werfen wir einmal einen Blick auf die Fakten:

Indien hat eine Gesamtbevölkerung von rund 1,4 Milliarden Menschen, wovon bislang knapp 19 Millionen offiziell positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Angesichts der grassierenden Armut im Land und den fehlenden Testkapazitäten, sowie dem Umstand, dass die RT-PCR-Tests nur bedingt aussagekräftig sind, was das Infektionsgeschehen anbelangt, sind solche Zahlen natürlich recht ungenau.

Wahrscheinlicher ist es, dass bereits mindestens 100 Millionen, eher jedoch bereits 150 bis 200 Millionen Menschen in Indien in Kontakt mit dem neuen Coronavirus kamen, jedoch mangels starker Symptome und Geld auf Arzt- bzw. Krankenhausbesuche verzichteten.

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Dann haben wir eine jährliche Sterblichkeit von derzeit knapp über 7,3 pro 1000 Menschen in Indien. Das heißt: statistisch betrachtet müsste man in diesem Jahr (siehe Daten hier) von rund 10,3 Millionen Todesfällen ausgehen. Das sind rund 28.000 pro Tag. Zum Vergleich: die momentanen “spikes” bei den sogenannten “Covid-Toten” liegen bei zwischen 3.000 und 4.000 Fällen. Das sind etwas mehr als zehn Prozent aller Todesfälle. Wobei auch hier der Umstand genannt werden muss, dass vor allem Menschen mit mehreren Komorbiditäten versterben.

Und auch hier noch einmal ein Vergleich bei den offiziellen Zahlen – so unsinnig ein direkter Vergleich mangels gleicher Standards auch sein mag:

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Indien verzeichnet mit dem aktuellen Stand 150 “Covid-Tote” pro eine Million Einwohner. In Deutschland sind es knapp 1000 pro Million, in den USA knapp 1.800, in Brasilien rund 1.900 und in Ungarn sogar mehr als 2.800. Das oftmals wegen seiner Anti-Lockdown-Politik gescholtene Schweden liegt global betrachtet mit knapp 1.400 pro Million auch nur auf dem 31. Platz. Und Indien? Rang 118.

Doch im Kampf um Clicks und Zuschauerzahlen ist den Mainstreammedien jede Horrormeldung recht, auch wenn man damit mehr zur Panikmache beiträgt. Und die sogenannten “Faktenchecker”? Die werden wahrscheinlich auch eher diesen Artikel als “irreführend” markieren, als die völlig verzerrte und manipulierende Berichterstattung der Mainstreamer über Indien.

Setzen Sie das einmal in Relation: Seit Beginn der Testungen wurden in Indien 208.000 Fälle gezählt, wo Verstorbene positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. In nunmehr mehr als einem Jahr. Und jede Woche sterben ohnehin durchschnittlich so viele Menschen in dem südasiatischen Land, als die sogenannte Pandemie in der ganzen Zeit seit über einem Jahr einforderte. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten sterben jeden Tag im Schnitt 8.000 Menschen.

Natürlich versuchen die Mainstreammedien die Qualität der Daten aus Indien infrage zu stellen. Doch bei den Tests pro einer Million Einwohner liegt Indien gleichauf mit Brasilien (beide rund 204.000), welches sowohl bei den Positiv-Testungen als auch bei den mit Covid-19 in Verbindung gebrachten Todesfällen deutlich über den indischen Werten liegt.

Und noch ein paar interessante Zahlen via Worldometers: Von den knapp 3,2 Millionen “aktiver Fälle” (also positiv getestet aber nicht zwangsläufig infiziert oder krank) gelten rund 9.000 als ernste oder kritische Fälle. In Brasilien sind es rund 8.300 von 1,1 Millionen, in den USA knapp 10.000 von etwa 6,8 Millionen. Da müsste man schon eher die Zahlen aus Kolumbien (6.000 ernste/kritische Fälle von knapp 120.000 “aktiven Fällen”) kritisieren, da diese nicht in die Relation passen.

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Immerhin ist es sehr unwahrscheinlich, dass in Kolumbien eine deutlich “schlimmere” Mutation zirkuliert als in den anderen Ländern und deshalb ein deutlich größerer Anteil der positiv Getesteten auch auf die Intensivstationen müssen, oder? Auch Brasilien hat im Verhältnis zu Indien eine dreimal höhere Rate bei den Covid-Intensivpatienten. Insofern dürfte die Datenlage dort nicht so viel schlechter sein als in den beiden anderen genannten Ländern.

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