Estland wird zum Schauplatz von Anti-Russland-Militärübungen

Die baltischen Staaten spielen beim NATO-Aufbau und den US-Bemühungen gegen Russland in Nordosteuropa eine gewichtige Rolle. Allen voran Estland.

Von Paul Antonopoulos / Global Research

800 Fallschirmjäger der 82. Luftlandedivision der US-Armee starteten am vergangenen Freitagmorgen von Fort Bragg in North Carolina aus zu einer Swift-Response-Übung. In den frühen Morgenstunden des Samstags wurden sie in einer “Joint Forcible Entry”-Operation in Estland abgesetzt. Die Luftlandeübung dient dazu, die schnellen Reaktionsfähigkeiten der USA zur Verteidigung Estlands im Falle eines hypothetischen Krieges mit Russland zu testen. Sie ist auch Teil größerer NATO-Übungen, an denen 30.000 Soldaten teilnehmen, die mit Kampfgruppen unter der Führung Großbritanniens in Estland, Kanadas in Lettland, Deutschlands in Litauen und der USA in Polen üben.

In der Tat hat die NATO Zehntausende von Truppen direkt an Russlands Grenze mobilisiert. Moskau hat wiederholt seine Besorgnis über eine Aufrüstung der NATO in Europa zum Ausdruck gebracht, und der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow erklärte, dass Russland niemanden bedroht, aber Aktionen, die seine Interessen gefährden könnten, nicht ignorieren wird.

In der estnischen Fernsehsendung Välisilm äußerte sich Oberst Paul Clayton von den Königlichen Britischen Streitkräften im Zusammenhang mit den Militärübungen der NATO unverblümt über die Art von Druck, den die NATO gegen Russland auszuüben versucht. Er gab zu, dass die Allianz der Ukraine bei der Ausbildung ihrer Truppen hilft, und lobte die estnische Regierung für ihre Bereitschaft, mehr als 2 Prozent ihres BIP für die Verteidigung aufzuwenden. Er empfahl auch eine häufigere Zusammenarbeit mit Lettland und Litauen. Dies sei umso wichtiger, als in Riga die “Northern Division” der NATO aufgebaut werde, die aus militärischen Einheiten der baltischen Staaten unter dem Kommando Dänemarks bestehe.

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Das NATO-Kontingent, das in den baltischen Staaten stationiert ist, steht unter dem Vorwand der “Bekämpfung der russischen Aggression”. Moskau betont unter dem Vorwand der Sorge um die Sicherheit der baltischen Staaten, dass die NATO in Wirklichkeit ihre Militärstützpunkte provokativ näher an die Grenzen Russlands gebracht hat. Der Kreml hat auch wiederholt erklärt, dass er keine Angriffspläne hat, aber die NATO baut ihr Potenzial weiter aus und Russland ist gezwungen, eine asymmetrische Antwort auf ihre militärischen Pläne zu geben.

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Aus diesem Grund wurden Ende April per Präsidialdekret die USA, Großbritannien, die Ukraine, Litauen, Polen, Lettland, Tschechien, Estland, Australien und Georgien auf eine Liste von Ländern gesetzt, die “unfreundlich” zu Russland sind. Obwohl Deutschland und Frankreich Russland häufig kritisieren, erkennt Moskau an, dass sie bis zu einem gewissen Grad unabhängig in ihren Entscheidungen sind und nicht so sehr den Interessen Washingtons verpflichtet sind, wie es die aufgelisteten Länder sind.

Im Grunde genommen identifiziert Moskau mit einer solchen Liste Länder, die eine Politik betreiben, die vollständig mit Washington übereinstimmt. Es überrascht nicht, dass alle Länder der Europäischen Union, die es auf die Liste geschafft haben, ehemalige Mitglieder des Warschauer Paktes sind, was auf zwei Beobachtungen hinweist.

Erstens verkündet Russland, dass es die Europäische Union nicht als einen einzigen Monolithen betrachtet und anerkennt, dass sie eine zersplitterte Organisation mit vielen Spaltungen ist. Eine solche Spaltung besteht zwischen der Mehrheit der EU, die größtenteils kein Interesse daran hat, eine aggressive Anti-Russland-Politik zu verfolgen, und Polen, Tschechien und den baltischen Staaten, die als ehemalige Mitglieder des Warschauer Pakts den ausdrücklichen Wunsch haben, sich aktiv an Washingtons Eindämmungsbemühungen gegen Russland zu beteiligen.

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Zweitens demonstriert Russland einmal mehr seine Flexibilität, indem es feststellt, dass Paris und Berlin zwar Probleme mit Moskau haben, aber nicht auf Geheiß Washingtons, sondern aus eigenem Interesse. Auf diese Weise glaubt Moskau, dass es mit Westeuropa verhandeln kann, was es mit Washington und seinen Vasallenstaaten in Osteuropa nicht geschafft hat.

Durch die Erstellung einer Liste unfreundlicher Staaten (die nahezu perfekt mit den Staaten übereinstimmt, die an groß angelegten NATO-Militärübungen an Russlands Grenzen beteiligt sind), hat Moskau Washingtons Ultimatum des “wir” oder “sie” durchbrochen.

Indem es Frankreich und Deutschland nicht in die Liste aufnimmt, erkennt Russland an, dass die beiden führenden Länder der Europäischen Union eine Handlungsfähigkeit haben, die das Schicksal Europas unabhängig von Washington gestalten und beeinflussen kann.

Obwohl die USA, Großbritannien und ihre Vasallen versuchen, Russland durch ihre enormen Militärübungen einzuschüchtern, spiegelt die Machtdemonstration nicht die Realität wider, die sich in einem hypothetischen Krieg entfalten würde, da es innerhalb der Europäischen Union und der NATO große Spaltungen gibt. Die überwältigende Mehrheit der Mitgliedsstaaten ist nicht bereit, trotz der Begeisterung von Polen und den baltischen Staaten in den Krieg mit Russland zu ziehen, so dass die gemeinsamen NATO-Übungen als nicht eine genaue Reflexion eines realen Kriegsszenarios darstellt.

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