Das CDU-Kanzler-Dilemma

Keiner der möglichen Kanzlerkandidaten der CDU bekommt genügend Zuspruch. Und das, obwohl die Partei in Umfragen stark ist. Die Union hat ein Personalproblem.

Von Michael Steiner

In Deutschland gibt es einen „Witz“: Niemand kenn jemanden, der offen zugibt, CDU bzw. Merkel zu wählen, trotzdem ist sie stärkste Partei. Wenn man nun bedenkt, dass die Union in Umfragen bei Werten um die 40 Prozent gehandelt wird, fragt man sich schon, wie das möglich ist, wenn doch angeblich niemand entsprechend wählt bzw. wählen will.

Aber gut, einer der Sowjetführer (Lenin oder Stalin) sagte ja angeblich einmal sinngemäß, dass es uninteressant sei wie die Leute wählen, wichtiger sei es, wie die Stimmen ausgezählt werden. Nun gut, von sowjetischen Verhältnissen mag Deutschland noch ein Stück entfernt sein, doch die jüngsten Umfragen zeigen noch ein anderes Bild: ein Mangel an beliebtem Führungspersonal.

So zeigt eine Kantar/Emnid-Umfrage für die Funke-Medien, dass sich nur 19 Prozent der Befragten Armin Laschet als Kanzlerkandidaten vorstellen könnten. 61 Prozent halten ihn für ungeeignet. Jens Spahn, der den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten unterstützt, schneidet mit 27 Prozent Zustimmung und 57 Prozent Ablehnung sogar besser ab.

Friedrich Merz kommt zwar auf 30 Prozent Zustimmung und 56 Prozent Ablehnung, aber auch das ist kein Spitzenwert. Am schlechtesten unter allen aktuellen Vorsitzkandidaten schneidet Norbert Röttgen ab. Mit 13 Prozent Zustimmung und 60 Prozent Ablehnung muss er sich keine großen Hoffnungen machen.

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Bezeichnend ist das Abschneiden von CSU-Chef Markus Söder. 45 Prozent der Befragten halten ihn für einen geeigneten Kanzlerkandidaten der Union und nur 36 Prozent für ungeeignet. Offenbar genießt der Bayer auch bei Nicht-CDU-Wählern bzw. -Sympathisanten Zustimmung. Es ist davon auszugehen, dass dies vor allem AfD-Anhänger sind, die sich vom bayerischen Ministerpräsidenten eine konservativere Ausrichtung der Union erwarten.

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Interpretiert man die Umfragen entsprechend, könnte man sagen: viele Menschen wählen die CDU aus Tradition bzw. Gewohnheit oder aus für sie mangelnden Alternativen, aber wirklich glücklich mit dem Spitzenpersonal ist man auch nicht. Das sagt eigentlich schon sehr viel über den Zustand der Partei aus.

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