Der Dividenden-Wahnsinn geht weiter

Weltweit schütten die an den Börsen notierten Unternehmen immer mehr Geld an Dividenden aus. Auch in diesem Jahr wird ein neuer Rekord erwartet.

Von Marco Maier

Nicht nur die Aktienmärkte selbst erklettern ständig neue Höhen, auch bei den Dividenden-Ausschüttungen kennt das System offenbar kein Limit nach oben. Wie die „Welt“ unter Berufung auf eine Studie der britischen Fondsgesellschaft Janus Henderson berichtet, soll in diesem Jahr erneut ein neuer Rekord aufgestellt werden. Wobei allerdings angemerkt werden muss, dass die „Coronavirus-Krise“ in der Studie offenbar noch nicht eingepreist wurde.

Der Prognose zufolge werden die Firmen dieses Jahr 1,48 Billionen Dollar (rund 1,36 Billionen Euro) ausschütten. Schon 2019 haben Unternehmen weltweit 1,425 Billionen Dollar (rund 1,3 Billionen Euro) Gewinnbeteiligung an ihre Anteilseigner gezahlt. Es war das vierte Rekordjahr in Folge. In der Studie zum Janus Henderson Global Dividend Index sind der besseren Vergleichbarkeit halber alle Zahlen in Dollar angegeben.

Zum Vergleich: in Deutschland selbst wurden laut der Fondsgesellschaft im letzten Jahr 43,8 Milliarden Dollar bzw. etwas mehr als 40 Milliarden Euro an Dividenden ausgeschüttet. Das sind etwa 1.000 Euro pro Haushalt. Allerdings, das muss man einschränkend anmerken, halten Ausländer und ausländische Fonds einen erheblichen Anteil an den deutschen Unternehmen. So befinden sich beispielsweise rund 30 Prozent der Aktien der Dax-Konzerne in US-amerikanischer Hand.

Auch sonst kann das Ganze mit einer Portion Skepsis betrachtet werden. Es sind zumeist die Haushalte der oberen Mittelschicht und der Oberschicht, die über nennenswerte Aktienbestände verfügen, während der Großteil der Deutschen keine Aktien besitzt. Im Jahr 2017 waren es laut dem Deutschen Aktieninstitut rund 5 Millionen Aktienbesitzer in Deutschland – eine Zahl, die sich bis heute wohl nicht nennenswert nach oben verschoben haben dürfte.

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Dividenden, die eine Gewinnausschüttung an die Aktionäre darstellen, sind so auch Teil der Umverteilungsmaschinerie von der breiten Masse hin zu den wohlhabenden Eliten. Während bei kleinen und mittleren Unternehmen das Geld weitestgehend im realen Wirtschaftskreislauf verbleibt, sorgen angesichts der Besitzstruktur bei den Aktien die Dividenden vor allem für eine weitere Aufblähung des Finanzkapitals.

Millionäre und Milliardäre lassen nämlich prozentual einen geringeren Anteil ihres Einkommens zurück in die Realwirtschaft fließen als die Bezieher niedrigerer Einkommen. Denn je höher das Einkommen, umso größer normalerweise auch der Anteil für Ersparnisse.

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