Die Außen- und Verteidigungsminister Frankreichs und Russlands in Moskau. Bild: © Sputnik / Maksim Blinov

In Frankreich zeichnet sich eine Entspannungspolitik gegenüber Russland ab. Wird der Rest Europas diesem Beispiel folgen?

Von Redaktion

Kürzlich erst hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron deutlich gemacht, dass er die Beziehungen zu Moskau verbessern möchte. Für ihn ist Russland aus der europäischen Sicherheitsarchitektur nicht wegzudenken. Ein Argument, dass man mit einem Blick auf die Landkarte Europas durchaus nachvollziehen kann.

Aber auch Vertreter seiner Regierung preschen nun vor. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian hat eine Entspannung der Spannungen mit Russland gefordert, als eine Delegation französischer Spitzenminister am Montag mit Vertretern in Moskau zusammentraf. „Es ist an der Zeit, das Misstrauen abzubauen“, sagte Le Drian auf einer Pressekonferenz.

Er beschrieb den historischen Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine am Samstag, an dem im vergangenen November 24 ukrainische Seeleute in der Kertsch-Straße festgenommen worden waren, als ein „Zeitfenster“, das einen dauerhaften Frieden zwischen Kiew und Moskau eröffnen könnte.

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Laut AFP war es das erste Treffen zwischen russischen und französischen Beamten im sogenannten „2 + 2“-Format, seit die Spannungen während der Krise auf der Krim 2014 zugenommen haben. Verteidigungsministerin Florence Parly begleitete Le Drian zu den Gesprächen mit ihren russischen Amtskollegen.

„Wir sind gekommen, um im Namen des Präsidenten der Republik eine neue Agenda des Vertrauens und der Sicherheit vorzuschlagen“, sagte Le Drian. Parly fügte hinzu, dass „es wichtig ist, miteinander zu reden, um Missverständnisse und Reibereien zu vermeiden.“

„Wir müssen gemeinsam auf die schrittweise Wiederherstellung der strategischen Stabilität in Europa hinarbeiten, um die Grundlage für diese neue Architektur des Vertrauens und der Sicherheit zu schaffen, da der europäische Kontinent niemals stabil und niemals sicher sein wird, wenn die Beziehungen zu Russland nicht eindeutig genug sind“, sagte Le Drian auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow antwortete, der Wiederaufbau der Beziehungen sei „möglich und notwendig“ – nachdem der französische Präsident Emmanuel Macron im vergangenen Monat Präsident Wladimir Putin zu Gesprächen nach Südfrankreich eingeladen hatte.

Le Drian sagte jedoch nicht, dass die EU-Sanktionen im Zusammenhang mit russischen Maßnahmen in der Ukraine aufgehoben werden sollten: „Der Minsker Prozess sollte Fortschritte bei der Stabilisierung der Lage in der Ukraine machen, dann werden die Sanktionen aufgehoben“, sagte er Anfang dieser Woche zu einem französischen Sender.

Er räumte ferner ein, dass der kürzlich gewählte ukrainische Präsident Wolodymyr Zelensky den Wunsch hatte, den Konflikt in der Ostukraine zu beenden, und dass die Spannungen im Osten mit Russland „zum Gefangenenaustausch führten“.

Es bleibt zu hoffen, dass der französische Vorstoß über kurz oder lang zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen der EU und Russland führen werden.

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3 KOMMENTARE

  1. Da handelt es sich weder um Nächstenliebe noch Freundschaft, denn die Franzosen treten mit ihrem BIP auf der Stelle und seit 2008 haben sie diese Zahlen von ca. 2,9 Bill. USD nicht mehr erreicht und nun suchen sie eine Möglichkeit verlorene Umsätze wieder zurückzuholen, bevor sich Rußland in den Weiten Asiens verläuft und da nehmen sie auch keine Rücksicht mehr auf US-Gefühle, denn jeder muß sehen wo er bleibt und der Wettbewerb läßt keine Fahrlässigkeit zu, soll es nicht nach unten gehen.

    • Klingt plausibel, ich ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sowas ohne Absprache mit Amis stattfinden würde. ich glaube nicht das Frankreich im Alleingang so etwas machen würde. Ich spinne die Fäden mal ganz weit…
      Wäre es möglich, dass das Geschwür USA/EU sich einen geopolitischen Plan ausheckt, um die Russen im Falle eines Eklats in der ostasiatischen Region daran hindern will, in den Konflikt (in welcher Art auch immer) einzugreifen? (auf Seite der Chinesen)
      Dann könnte man doch damit drohen, die taufrischen, mit Mühe aufgebauten Beziehungen zu dem russlandoffenen Europa erneut einzufrieren… nur so ein Gedankenkonstrukt, aber was weiß ich schon…

    • Die Franzosen sind unter De Gaulle aus der NATO ausgetreten, da die Befehlsgewalt über die eigenen Kräfte nicht mehr in ihrer hand waren. Die US-Atomraketen nicht unter der Befehlsgewalt der Franzosen waren ……. Die Franzosen bilden Zweckbündnisse auf freier Basis da sie im Unterschied zu Deutschland kein Vasall sind. Als die Bedingungen passten sind sie wieder beigetreten. Die Franzosen können sich verteidigen mit allem was es gibt. Da die Deutschen eigentlich der natürlich Verbündete Russlands nicht das machen darf was notwendig wäre, machen die Franzosen ihr Geschäft und D sieht durch die Finger.
      Deutschland wird durch sein Verhalten in Energiefragen bald alleine dastehen und die Franzosen z.B. bitten Strom zu erhalten so läuft es .

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