„Superbakterien“: Bald helfen auch keine Desinfektionsmittel mehr

Eigentlich wurden auf Alkoholbasis aufbauende Desinfektionsmittel zur Handsterilisation eigens dafür entwickelt, Bakterien abzutöten. Doch diese haben Resistenzen dagegen aufgebaut, was gerade in Krankenhäusern zu einem großen Problem wird.

Von Marco Maier

Gerade in den Krankenhäusern ist die Sterilisation der Hände sehr wichtig. Doch die dort verwendeten auf Alkohol basierenden Seifen, welche die Keime abtöten sollen, funktionieren immer schlechter, da immer mehr Bakterien im Laufe der Jahre Resistenzen aufgebaut haben, wie ein Bericht über eine Studie zeigt.

Die Wissenschaftler haben insgesamt 139 in Krankenhäusern gewonnene Bakterienkulturen aus den Jahren 1997 bis 2015 auf ihre Alkoholtoleranz untersucht und fanden dabei heraus, dass jene aus den Jahren nach 2010 rund zehnmal resistenter gegen Alkohol sind als jene zuvor. Dabei wurden die Oberflächen mit dem üblichen 70 Alkohol enthaltenden Isopropanol gereinigt. Doch die resistenten Bakterien zeigten genetische Änderungen dort, wo die Aufnahme von Kohlenhydraten und der Stoffwechsel gesteuert wird.

Dabei sind diese Desinfektionsmittel bislang der einzige Ausweg gewesen, um medikamentenresistente Keime abzutöten, bevor sie überhaupt die Chance haben, beispielsweise während Operationen in den menschlichen Körper zu gelangen und diesen zu infizieren. Einmal drin, ist es schwer diese zu bekämpfen, da immer mehr von ihnen wegen des unsachgemäßen Gebrauchs der Medizin auch gegen Antibiotika resistent werden.

In den Krankenhäusern wird der Schutz der Menschen vor gefährlichen Infektionen dadurch immer schwieriger. Inzwischen geht bereits der Ratschlag um, auf Desinfektionsmittel mit einem höheren Alkoholgehalt umzusteigen, die Reinigung der Spitäler effektiver durchzuführen und jene Patienten die bereits mit so einem Keim infiziert sind zu isolieren, um die Verbreitung zu verhindern.

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Ein Kommentar

  1. Im Bereich unseres ebenso kostspielig wie fragwürdigen Gesundheitswesens gibt es immer wieder große Defizite in der Informationspolitik. Geht es um Krebs, um das Impfen oder wie hier um sog. multiresistente Keime, so muss selbst der kritische Laie oftmals die unzureichende Information der Öffentlichkeit registrieren.                                                                                                                                                          Sachkundige und aufgeschlossene Mitarbeiter in der Krankenhaushygiene kennen das Problem mit den Keimen seit langem, nicht erst, als unsere Frau Kasner es 2015 zu einem "Gipfel"-Thema erkor. So untersucht die Uni-Klinik in Essen bereits seit knapp 10 Jahren die Patienten bereits bei der Aufnahme in die Klinik.auf diese Keime. Die erstaunlichen Ergebnisse sind leider nicht Gegenstand eines öffentlichen Diskurses, wohl weil sie (alarmierend) unbequem sind. Der überwiegende Teil der Neuaufnahmen brachte bereits multiresistente Keime mit !!!!!!!                                                                                                                                                                                                         Im Bereich der Lebensmittelsicherheit konnte ich bereits Anfang der 90er Jahre von "mutierten " Keimen in der (Schweine- auch Rinder-)Gülle erfahren . Jahrelang waren hohe Dosen Antibiotika ( bis zu 500 Gr pro Tier) als Masthilfe gegeben worden und wie sich das auf das Darmmilieu der Tiere auswirken musste, erscheint jedem klar. Diese Gülle wurde/wird ausgebracht und nur allzu häufig nicht umgehend eingearbeitet, so dass Keime in die Umwelt gelangen. Ich denke, ein starkes Immunsystem hält diese (wenn inhaliert) in Schach, Schwächen desselben wirken sich dementsprechend aus.                                                                                                                                                                          Desinfektionsmittel wie Isopropanol können auch nur vorrübergehende Lösung sein,  auch hier entsteht früher oder später eine Resistenz, zudem ist das Mittel toxisch. Vor der Entwicklung von Antibiotika wurde im Gesundheitswesen häufig Wasserstoffperoxid zur Desinfektion benutzt, mit gutem Erfolg, Resistenzen konnten nie registriert werden. In der "Jelzin-Ära" wurde das Mittel in Russland wieder mit gutem Erfolg eingesetzt, selbst nach jahrelangem Gebrauch waren keine Resistenzen feststellbar.                                                                                                                                                                             So wie das Thema hier bei uns in Merkeltanien angegangen wird, drängt sich einem kritischen Betrachter der Verdacht auf, dass überhaupt kein echtes Interesse besteht, das Problem zu beseitigen. Warum auch, letzlich profitieren noch genügend Beteiligte davon.

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