Türkische 10-Lira-Banknoten

Steht die Türkei vor dem Finanzcrash?

Die Türkische Lira befindet sich faktisch im freien Fall, die Inflationsrate explodiert und die Wirtschaft leidet immer stärker unter den steigenden Zinsen. Kollabiert die Türkei? Und wenn ja, wie groß wird der Schaden für die europäischen Banken?

Von Marco Maier

Die türkische Volkswirtschaft steht derzeit vor vielen Problemen, wovon einige hausgemacht sind und andere aus den aktuellen Umständen auf den globalen Finanzmärkten resultieren. Alleine in den letzten drei Monaten verlor die Türkische Lira 20 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar, welcher inzwischen bereits 5,10 Lira kostet. Gegenüber dem Euro hat die Lira immerhin 16 Prozent an Wert verloren, so dass nun 5,90 Lira pro Euro bezahlt werden müssen.

Aber das ist noch lange nicht alles: Die Inflationsrate stieg mittlerweile auf mehr als 15 Prozent und wird mit dem Kursverfall der Lira noch weiter in die Höhe schnellen, da die türkische Wirtschaft stark von Importen abhängig ist, welche sich dadurch massiv verteuern. Auch die steigenden Zinssätze machen der türkischen Wirtschaft zu schaffen, da gerade die Unternehmen des Landes so deutlich höhere Schuldendienste leisten müssen, was die Gewinne deutlich schmälert.

Wenn die türkische Wirtschaft kollabiert, kommen jedoch auch viele europäische Banken ins schleudern, da sie stark im türkischen Kreditwesen involviert sind. Alleine die türkischen Großunternehmen haben laut dem "Handelsblatt" eine Schuldenlast von 223 Milliarden Dollar auf ihren Schultern, die mit dem Währungsverfall natürlich auf Lira-Basis deutlich teurer werden. Straucheln diese Unternehmen, fallen gerade die europäischen - und da insbesondere die spanischen und französischen - Banken um mehrere Milliarden Euro um.

Ein Kollaps der türkischen Wirtschaft und deren Finanzindustrie trifft damit auch die Eurozone, zumal sich die dortigen Banken bislang nur beschränkt von der Finanzkrise 2008 erholt haben und nach wie vor viele toxische Papiere in ihren Bilanzen stehen haben. Unter Umständen müssen dann erneut Banken "gerettet" werden, auch wenn die EU dies mittlerweile verboten hat.

Aber auch für die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan wäre ein solcher Crash eine enorme Zäsur. Infolge der vorgezogenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen hat er sich zwar zeitlich etwas Luft verschafft, doch wer die heißblütigen Türken kennt, der weiß auch, dass die ganze Liebe zu ihrem Führer unter Umständen auch rasch in Hass umschlagen kann, wenn die ganzen Erfolge der letzten Jahre mit einem Schlag zunichte gemacht werden und viele Millionen Türken plötzlich vor dem Nichts stehen.

4 comments

  1. Nicht nur die Türken, es wird uns alle treffen, weil das ganze artig geplant wurde, um uns endlich Kriegsgeil zu machen, gell? 

  2. Arctos Horribilis

    Das "Nichts" in der Türkei war doch vorprogrammiert. Sorry, aber was hat den genau den Wirtschaftsboom in der Türkei ausgelöst? Erdogans magische Hand? Haha. Europa hat massiv Geld in den Bosporusstaat gepumpt, und wie man ja weiß… auf Pump geht erst mal eine ganze Menge. Das Problem kommt erst dann, wenn man anfangen muss, mit den Schulden auch zu leben. Vor allem, wenn man Schulden bei Leuten hat, die einem dann vorschreiben, was man zu tun und zu lassen hat.

    Die Türkei wird ein Griechenland auf Steroide. Aber vielleicht auch nicht schlecht, denn zu Boom-Zeiten habe ich dort unten eine Arroganz erlebt, die war nicht von schlechten Eltern. O-Ton:"Der Bürgerkrieg in Syrien ist nicht das schlechteste. Die schießen es kaputt, wir bauen es wieder auf *Hände reib* " Da kommen die vielleicht mal wieder auf den Boden der Realität zurück.

    Nur höchste Eisenbahn, sich davon abzuschotten.

    • Ich glaube kaum, dass die Türkei eine Verschuldung von 120% des BIPs hat, sowie Griechenland oder andere EU-Staaten… Ein Bakrott wird nicht auftreten, auch wenn es sich viele aus der EU wünschen 😉 (z.B. Du!)

      Was kann den Türkei schon groß passieren? Lira wird wertloser. Das wird die Exporte aus der Türkei anfeuern. Derzeit wird verhältnismäßig wenig exportiert, so wird sich das Land umstrukturieren müssen. Dadurch, dass aber kein Kapital im Land vorhanden wird sich die Produktion lähmen, sprich 10 Jahre Stagnation, keine „schnelle“ Umstrukturierung wie es sich Herr Erdogan wünscht… Und dann? Sowie es angefangen hat vor 15 Jahren wird es wieder weiter gehen…

      • ".so……..wird es weitergehen."  Ungebremste Korruption und Vetternwirtschaft bei den "Eliten" und bei der arbeitenden bevölkerung kommt immer weniger an. Zu Beginn der AKP-Ära im Jahre 2002 besaß das reichste 1% der türkischen Bevölkerung 39 % des gesamten Vermögens in der Türkei, in 2014 waren es schon 55%.                                                        Kann es sein, dass, um die drohende Insolvenz abzuwenden, der "große Pascha" gerade deswegen auch in Berlin aufläuft?                                                                                                    Der Bankrott der Türkei wäre schon längst geschehen, wäre sie nicht als NATO-Mitglied seit Jahrzehnten von Geldern aus dem Westen "über Wasser gehalten" worden.

Leave a Reply

Your email address will not be published.