Brain-Drain: 50 Milliarden Euro Verlust für Griechenland

Seit Ausbruch der Krise 2008 sind Hunderttausende Griechen ausgewandert. Der ausgrechnete Schaden für die griechische Volkswirtschaft: Über 50 Milliarden Euro. Eine wirtschaftliche Erholung des Landes ist so kaum mehr möglich.

Von Marco Maier

Wie der "Griechenland-Blog" unter Berufung auf die NGO "Endeavor Greece" berichtet, haben die im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise ausgewanderten Griechen im Ausland einen Mehrwert (inkl. Steuereinnahmen) enormen generiert. Dem griechischen Staat blieben hierfür die Ausbildungskosten (geschätzte 8 Milliarden Euro) hängen.

Zwischen 350.000 und 427.000 Griechen haben seit Januar 2008 Griechenland verlassen und sich im Ausland eine neue Existenz aufgebaut. Größtenteils handelt es sich hierbei um Menschen mit sehr guter Ausbildung. Diese haben den Berechnungen zufolge seitdem jährlich im Schnitt 12,9 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt der Aufnahmeländer (Vorwiegend Deutschland und Großbritannien) beigetragen. Hinzu kommen 9,1 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen. In den letzten siebeneinhalb Jahren kamen so alleine für die Aufnahmeländer mehr als 50 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung zusammen.

Der Brain-Drain wird von der NGO demnach als wichtigster "Exportschlager" bezeichnet. Denn die jährlich 12,9 Milliarden Euro an BIP-Generation durch die Auslandsgriechen stehen Mineralölprodukte im Wert von 7,2 Milliarden Euro und Aluminiumprodukte im Wert von 1,3 Milliarden Euro als wichtigste produzierte Exportgüter gegenüber.

In der Untersuchung wird zudem hervorgehoben, dass mit 49 Prozent Anteil mehr Menschen mit Beschäftigung das Land verlassen als solche, die arbeitslos (43 Prozent) sind. Der Rest verteilt sich auf Rentner und Kinder. Damit sorgt die Austeritätspolitik samt Abwürgung der Wirtschaft dafür, dass eine wirtschaftliche Erholung des Landes immer schwieriger wird, da immer mehr Fachkräfte fehlen.

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Als Hauptgrund für die Auswanderung und die Annahme von Jobs im Ausland wird nämlich angegeben, dass die stetig wachsenden Lohnnebenkosten bei gleichzeitig sinkenden Löhnen die Entscheidung zur Arbeitsaufnahme im Ausland erleichtert. Aber auch mangelnde Perspektiven und das Fehlen eines breiter angelegten Konjunkturprogramms sind Gründe dafür.

Die von den Brüsseler Eurokraten aufgezwungene Austeritätspolitik und fehlende Pläne für eine wirklich erfolgreiche Neustrukturierung Griechenlands machen diesen Staat zu einem neuen Armenhaus in Europa, während zig Milliarden Euro ohne rigorose Auflagen für die Bankenrettungen verpulvert werden.

 

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3 Kommentare

  1. Na wenn das eine NGO sagt…

    http://www.endeavor.org/

    Das ist die Dachorganisation. Kompetent klingende Namen: Bronfmann, Wolfenson, Casares (Kasares?). Und man ist wohl an der NYSE gelistet. Als herausragender Erfolg in Griechenland wird die Gründung einer Art Immobilienverwaltung genannt. Wenn die von Milliarden reden und Deutschland als Profiteur genannt wird, ahne ich, was kommt.

  2. auch demokratie hat ihren preis! und kostenlosen käse gibt es nur in der mausefalle. 50 milliarden? peanuts! also wirklich – so "viel" sollte einem die freiheit der westlichen welt dann doch schon wert sein.

  3. Alles ne Frage des Blickwinkels. Blendet man die Begriffe Griechenland und Deutschland aus so ist alles was bleibt Europa. Und wenn da nur Europa ist wie kann es da einen Verlierer geben?

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