Die westirakische Provinz al-Anbar.
Die westirakische Provinz al-Anbar.

Irak: Islamisten lassen den Bürgerkrieg neu aufflammen

Der Irak kommt seit dem Sturz Saddam Husseins nicht mehr zur Ruhe. Religiöse und ethnische Konflikte erschüttern das Land an Euphrat und Tigris, während die US-freundliche Zentralregierung zunehmend machtlos erscheint. Inzwischen erstarkt auch die al-Kaida, die zunehmend zum Machtfaktor im zerrütteten Irak avanciert.

Von Marco Maier

Ramadi und Falludscha, zwei wichtige Städte im westirakischen Gouvernement al-Anbar stehen seit vergangenem Mittwoch unter Kontrolle der islamistischen Gotteskrieger, die sich immer heftigere Kämpfe mit den Truppen der irakischen Zentralregierung liefern. Die sunnitische Provinz die auf Deutsch "das Kriegslager" heißt, gilt als Hort des Widerstands gegen die US-amerikanische Besetzung.

Mit Luftangriffen und von den USA gelieferten Hellfire-Raketen nehmen Regierungstruppen die Stellungen der al-Kaida seit Tagen unter Beschuss. Bislang sollen nach unbestätigten Angaben schon mehrere hundert Menschen den Kämpfen zum Opfer gefallen sein, während unzählige Zivilisten nach Jordanien fliehen. Viele Iraker wollen nicht unter einer islamistischen Terrorherrschaft leben die das Ziel der al-Kaida ist, die längst den "Islamischen Staat Irak und Syrien" (ISIS) ausgerufen haben und schon in Syrien für ihre Gräueltaten bekannt ist.

Allerdings erhält die al-Kaida auch enormen Zulauf, da das mehrheitlich schiitische Land zunehmend von religiösen Konflikten gezeichnet ist. Während die irakischen Christen mehrheitlich schon längst ins Ausland (vor allem nach Syrien) geflohen sind, kämpft die sunnitische Minderheit für ihr politisches Mitbestimmungsrecht. Da die schwache Zentralregierung dieses nicht gewährleisten kann, erhoffen sich viele sunnitische Iraker Unterstützung von den radikalen Islamisten. Dadurch heizt sich die Lage jedoch nur weiter auf, so dass die Regierung immer hilfloser wirkt. Immerhin treibt der schiitische irakische Premierminister Nuri al-Maliki mit seiner Willkürherrschaft und den gezielten Angriffen auf sunnitische Politiker tausende Sunniten in die Arme der al-Kaida.

Insgesamt dürften im Zuge der ethnischen und politischen Konflikte seit dem Sturz Saddam Husseins weit über 100.000 Menschen getötet worden sein. Ganz zu schweigen von den unzähligen Toten aufgrund der desaströsen humanitären und sanitären Lage. Damit dürften seit Beginn des zweiten Irakkriegs 2003 beinahe eine Million Iraker - der Großteil davon Zivilisten - ihr Leben in Folge des Krieges verloren haben.

Leave a Reply

Your email address will not be published.


− sechs = 0

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>