Die Taliban rücken näher an Kabul heran

Bereits in wenigen Wochen könnten die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul erreichen und sie zu erobern beginnen.

Von Redaktion

Die Taliban-Bewegung hat am Donnerstag weitere Siege errungen. Insbesondere wurde bekannt, dass sie Kandahar und Herat, die zweit- und drittgrößten Städte Afghanistans, eingenommen haben. Nach Angaben der US-Medien rechnet Washington nicht damit, dass die derzeitige afghanische Regierung länger als drei Monate durchhält, schreibt die “Kommersant”.

Der russische Afghanistan-Experte Alexander Knjasew ist der Meinung, dass selbst wenn die Taliban Kabul einnehmen, dies nicht unbedingt das Ende der Pattsituation bedeutet. “Erinnern wir uns an die späten 1990er Jahre, als die Taliban etwa 90 Prozent des Landes eroberten, aber ihre Regierungspyramide begann zu zerfallen. Ein Mullah regierte in Herat, ein anderer in Kandahar und wieder ein anderer in Kabul. Das System war nicht in der Lage, das Land als Ganzes zu regieren”, so der Experte.

“Gleichzeitig gibt es unter den Führern der Bewegung auch vernünftige Leute, die zu Gesprächen bereit sind, weil sie verstehen, dass ihre Monopolherrschaft unmöglich ist. Allerdings ist ihre Position im Moment schwach, weil der militärische Flügel große Fortschritte macht”, fügte er hinzu.

Offenbar haben sich die Taliban zum Ziel gesetzt, Kabul bis zum 27. September einzunehmen, dem 25. Jahrestag der Eroberung (oder Kapitulation, um genau zu sein) der Stadt im Jahr 1996, wie Wladimir Sotnikow, Senior Research Fellow am Institut für Orientalische Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften, erklärte. “Bei ihrem derzeitigen Tempo können die Taliban Kabul tatsächlich innerhalb der nächsten sechs Wochen einnehmen, vor allem weil sich Polizisten und Militärangehörige kampflos ergeben”, so der Experte gegenüber Izvestia.

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Einer der Gründe, warum die afghanischen Truppen vor den Kämpfen fliehen, ist ihre mangelnde Motivation und ihr geringes Vertrauen in die Regierung von Ashraf Ghani, erklärte der Politologe. Sotnikow zufolge ist es unwahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten den Truppenabzug aus Afghanistan verlangsamen, nur um Kabul sicher zu halten.

“Washington könnte die Luftunterstützung für die Regierung Aschraf Ghani verstärken, um sicherzustellen, dass die Taliban Kabul nicht zu früh einnehmen. Was Russland betrifft, so schließe ich völlig aus, dass Russland irgendwie versuchen wird, den Vormarsch der Taliban zu stoppen”, so der Experte abschließend.

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4 Kommentare

  1. Die Taliban stehen doch schon vor der eigenen Haustür und werden sich auch nicht mehr zurückdrängen lassen, denn es ist ihr Haus und nicht das der Fremden aus dem Westen und die Kollaborateure werden nun sehen müssen, wie sie da raus kommen.

    Interesssant waren gestern die deutschen Gesichter der Vertreter für äußere Angelegenheiten und für die Verteidigung, die ja nicht den Eindruck von Siegern machten, sondern jetzt noch retten wollen, was zu retten ist und wer solche Leute an der Spitze hat, braucht für den Spott nicht sorgen und da kann jedem Bürger Angst und Bange werden, wenn er mit solchen Typen gesegnet ist.

    Die verstehen vielleicht etwas davon, die dümmsten hier im Lande zu beeindrucken, wenn es aber um strategische Politik geht versagen sie auf ganzer Linie und müssen nun geschlagen von dannen ziehen wie weiland die Amis in Saigon, wo alles umsonst war und der Ruf war auch dahin und so kann man auch Politik gestalten, das könnte so mancher arrangieren und müßte sich dabei nicht unbedingt zur politischen Elite zählen.

    Dieser überhastete Rückzug ist doch ein Offenbarungseid für Staatsversagen aller Beteiligten und man will sich garnicht vorstellen, was die erst machen, wenn sie Großmächte herausfordern, die den Namen noch verdienen und in dieser Gemengenlage faseln sie noch von der Bekämpfung des Unrechts und werden noch nicht einmal mit einem Drittweltland fertig, welch eine Schmach und leider nicht zum ersten mal.

  2. Das sind sind die Wehen des Untergangs. Große Ereignisse werfen immer lange Schatten.

    Das ist das Ende für Europa und wahrscheinlich das Ende der USA.

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