In Portugal wurde jetzt ein Skandal öffentlich gemacht, der zeigt wie skrupellose Arbeitgeber die Krise nutzen, um junge Fachkräfte regelrecht zu versklaven. Es werden immer mehr Fälle bekannt, bei denen Arbeitgeber bei staatlich subventionierten Praktika den Arbeitgeberanteil vom Praktikanten zurückfordern. Doch es gibt noch andere Formen der Ausbeutung, bei denen die Not der jungen Menschen ausgenutzt wird.

Von Rui Filipe Gutschmidt

In einem Lied singt eine portugiesische Band „wie blöd ich doch bin, was für eine blöde Welt, wo man um Sklave zu sein, studieren muss…“. Auf dem Höhepunkt der Proteste gegen die Austeritätspolitik der konservativ-bürgerlichen Vorgängerregierung 2012/2013, wurde dieses Lied zu einer Art Hymne. Damals wollte Premierminister Passos Coelho die hohe Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen, indem er verstärkt über das Arbeitsamt subventionierte Praktika einführte, die aber eher zum Schönen der Arbeitslosenzahlen dienten und den Arbeitgebern billige Arbeitskräfte liefern sollten. Praktikanten sind aber weltweit ein beliebtes Mittel, um günstige Hilfskräfte zu bekommen, die aufgrund ihrer hohen Bildung auch komplizierte Aufgaben übernehmen können.

Als wäre das nicht schlimm genug, werden die sowieso schon niedrigen Zuschüsse (etwas über 600 Euro) auch noch teilweise vom Arbeitgeber einbehalten, zurückgefordert oder gar nicht erst ausgezahlt. Aus Angst davor das bisschen was bleibt, den „positiven Eintrag“ im Lebenslauf oder die versprochene Festanstellung zu verlieren, haben die jungen Hochschulabgänger bislang geschwiegen. Mit einer Mischung aus Versprechen und Drohungen wird den unerfahrenen Arbeitsmarktneulingen klargemacht, dass sie nichts Anderes als Sklaven sind, die sich dementsprechend zu benehmen haben und – wenn sie schön brav sind – dürfen sie vielleicht sogar zu Leibeigenen aufsteigen.

Übertrieben? Gewiss nicht. Eigentlich wird es den Jugendlichen in der Schule schon eingebläut, dass das Leben ein ständiger Wettstreit ist. In der Schule aber – zumindest in den meisten – gibt es Regeln, einen Moralkodex und die „Ellenbogengesellschaft“ hat noch einen Schein von „Chancengleichheit“. Nach der Schule, der Berufsausbildung oder der Hochschule, wenn ein junger Mensch dann endlich sein Leben aufbauen möchte, kommt der Schock! Die Nachrichten, Zeitungen und auch die Erfahrungen der anderen, sind zwar voll mit Berichten über die Brutalität der Welt in der wir Leben, aber es ist alles so weit weg. „Mir kann das nicht passieren“; „Ich bin nicht so blöd, um darauf reinzufallen“; „Mit mir nicht…“! Alles was man denkt, wenn einem das Arbeitsamt einen bezahlten Praktikumsplatz verschafft geht in die Richtung: „Das ist meine große Chance und ich werde hier die Grundlage für eine Karriere schaffen, auf die ich, meine Eltern, Freund/in, Kumpel und so weiter, stolz sein werden.“

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Doch wenn sie mit der Realität konfrontiert werden und merken was die Welt für sie bereit hält, wenn sie ausgenutzt werden um Geld zu waschen, (vom Arbeitsamt) belogen, betrogen und verkauft werden und wenn sie merken, dass sie Sklaven sind, dann hat es sich erst einmal ausgeträumt. Portugals neue Regierung hat vielen die Hoffnung zurückgegeben, als sie sich gegen die Erpressungsversuche der EU stellte. Doch es gibt noch so viel zu tun, um eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Hier ist so ein Punkt um den sich Antonio Costa, beziehungsweise sein Arbeitsminister, dringend kümmern muss. Doch nicht nur in Portugal werden Praktikanten als billige und sogar kostenlose Arbeitskräfte missbraucht. Kaum einer wird übernommen, kaum einer hat irgendwelche Vorteile – außer den Unternehmen natürlich – die meisten dienen ihren Herren als „studierte Sklaven!"

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13 KOMMENTARE

  1. Jetzt tritt genau das ein, was vor 30 Jahren schon vorhersehbar war. Der Slogan Bildung für alle war sicherlich gut gemeint aber nicht zu Ende gedacht, denn die Wirtschaft benötigt im Proporz betrachtet weniger Häuptlinge, dafür aber umsomehr gut ausgebildete Indianer in praktischen Fächern und da ist ein Studium eher hinderlicher als berufsfördernd. Das ganze Denken von damals entsprach dem damals vorhandenen allgemeinen Sozialneid der weniger privilegierten Schichten, angestachelt durch die Sozis und wären die damals schon ehrlich gewesen, dann hätten sie vor Enttäuschungen gewarnt und den Leuten praktische Ausbildungen empfohlen, wo es im Anschluß auch Chancen gab, ordentlich in Lohn und Brot zu kommen. Jetzt sitzen viele auf ihren akademischen Titeln und haben nicht annähernd eine Chance dieses Wissen einzusetzen, weil man sie schlicht und einfach nicht braucht. Gerade bei solchen Leuten ist der Frust dann groß, aber ganz unschuldig sind sie an ihrer eigenen Misere auch nicht, denn hätten sie neben ihrem Ergeiz eines Studiums auch zielgerichtet die anschließenden Chancen ausgelotet dann hätten sie wahrscheinlich auch andere Chancen gehabt, denn der Markt regelt Angebot und Nachfrage von ganz allein und wer dieses eherne Gesetz übersieht, kann schnell in die Arbeitslosigkeit abgleiten, unabhängig von seinem Bildungsstand, der im übrigen keine Garantie für gut bezahlte Dauerbeschäftigung garantiert.

    • Die Sozis wollten mit ihren Sprüchen auch nur an die Macht, das Volk wurde auch nur gebraucht um die Wahlen zu gewinnen. Wenn Soziales eingeführt wird gibt es immer welche die am längeren Hebel sitzen und versuchen das auszunutzen. Ist erst einmal eine Lücke gefunden machen es fast alle nach. Nur der Abhängigste ist der Gekniffene weil er weder Geld noch andere Möglichkeiten hat sich zu wehren und wird dann auch noch vom Staat ständig überwacht ob er auch nicht ein Cent zu viel vom Staat bekommt.

      Die sogenannten Interessenvertreter Gewerkschaften und  Parteien  vom kleinen Mann/Frau sind ja auch nur gekauft vom Kapital.

      Also der Sozialstaat ist über die Zeit gesehen auch nur ein großer Schwindel.

  2. diese ausbeutung wird bald in einer sozialen spaltung der gesellschaft gipfeln, die uns alle, auch die, die noch einen gutbezahlten job haben, kopf und kragen kosten wird.

    • Und daß ist -gut -so !   Wenn dieses rücksichtslose Ellenbogen Pack nicht zur einer gesellschaftlichen Vernunft kommt , dann so lange draufschlagen bis nichts mehr überig ist . Ich stelld auch fest das in der westlichen Gesellschaft , trotz oder gerade wegen der angeblichen hohen Bildung in allen Bereichen – lügen und betrügen immer stärker zunimmt . Auch die Qualitätsverluste sind erheblich .  Was soll das für eine Gesellschaft werden in Zukunft ?    Diesmal , wenn denn der große Krieg kommt , sollte man nicht wieder versäumen die alten Macht Seilschaften zu entsorgen . Eine sogenannte Entgiftung der Gesellschaft .

  3. Das Ganze erinnert mich irgendwie an meine Jugend als wir geburtenstarken Jahrgänge noch um Ausbildungs- und Arbeitsplätze kämpften. Ich habe nach der Uni auch fast 5 Jahre mehr oder minder "umsonst" gearbeitet, meistens mit kurzen Werkverträgen oder gar auf Stundenbasis. Das meiste davon natürlich sozialversicherungsfrei. Mit  der Konsequenz, dass selbst wenn ich die nächsten 9 Jahre weiterhin Vollzeit arbeiten kann, höchstens eine Hungerrente beziehen werde.

  4. Diese Scheisse von Bevormundung war mir  vor 30 Jahren schon zu viel. Was kann dieser Bossarsch was ich nicht kann. Gut 30 Jahre selbstständig und keiner meiner Arbeiter hat je Probleme gehabt und wir hatten alle unsere Auskommen. Wir waren ein Team und Freunde und haben etwas geschafft. Traurig ist das einige Leute schon gestorben sind das trift einen, mein Mauerer mit 64 Jahren, Krebs, mein bester Freund. Gut wie auch immer ich denke oft an ihn.   Das was heute abläuft ist reine Sklaverei und es wird wohl noch schlimmer werden.

    • die zeiten, die sie beschreiben, sind definitiv vorbei. ich hab immer gesagt, der neoliberalismus ist weder gut für den arbeitnehmer noch den arbeitgeber.

  5. … und wenn es dann mal einer aus Generation Praktikum es schafft Chef zu werden, dann macht es dieser auch nicht besser, im Gegenteil…. wenn Leute noch aus der Vorzeit vernünftig verdienen dann wird es diesen nicht gegönnt und möchte sie am liebsten los sein….

    Wenn ich mir die jungen Leute in der Firma so anschaue… dann sind das sehr strebsame Menschen, oder auch Streber…. kreativlose reine Befehlsempfänger die alles, auch wenn es noch so blödsinnig ist, zu 100% umsetzten. Wovon die meisten Neueinstellungen entweder einen Master oder Bachelor haben… und jeder will Karriere machen….was diese nicht verstehen, alle können nicht Chef werden, es werden sehr viele Sklaven übrigbleiben….

     

  6. Sonderbar, vor ca. 40 Jahren diskutierten wir beim Studium im Staatsbürgerunterricht was wohl nach dem so genannten Kommunismus käme und sogar die Dozentin schloß nicht aus das danach wieder ein Sklavenhalterstaat kommen würde. Jetzt kommt die Sklaverei schon nach der Einführung sozialistischer Prinzipien in Ländern mit Marktwirtschaft. Also ist soziales im Kapitalismus kein Garant gegen Sklaverei sondern scheint es sogar noch zu fördern? Also scheint sich Geschichte doch zu wiederholen nur auf ein anderem technischen Niveau.

  7. Damals Aufbruchstimmung, was haben wir diskutiert und wir Deppen haben wircklich daran geglaubt. Wir waren genauso doof wie heute die zähflüssige Masse, verblödet mit allen Mitteln. Nur der Unterschied ist heute das diese Leute die da oben hocken immer mehr zu einer Gefahr für unsere Bevölkerung werden. Der Unterschied zu damals ist, heute werden wir von denen bedroht die wir gewählt haben, heute wird einen Angst und Schrecken eingejagt und Schwachsinn erzählt, was bitte ist das für eine Regierung.

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