Sind die USA ein gescheiterter Staat?

Geht es nach den Untersuchungen des "Fund for Peace", dürfen sich die USA zu den Top 10 der "meist fragilen Staaten" zählen. Die Organisation selbst bezeichnet ihren "Fragile State Index" (FSI) selbst gerne auch als "Failed State Index", da dieser die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Erosion misst.

Von Marco Maier

Failed State IndexEigentlich würde man in so einem Index vor allem Staaten wie die Ukraine, Libyen, den Irak oder Afghanistan vermuten, doch auch Frankreich (Rang 7) und die USA (gemeinsam mit Singapur und Thailand auf Rang 8) haben ihre Aufnahme in den Index gefunden. Grund dafür ist die langwierige Aufbereitung von 40 Millionen Datensätzen die über Monate aufbereitet werden und die regulären Entwicklungen für das folgende Jahr berücksichtigen.

Insgesamt betrachtet schreitet die Erosion der USA unaufhaltsam voran. Während die Infrastruktur zerfällt und der Staat sein Geld lieber für Kriege und die Unterstützung von Terroristen ausgibt, leben rund 45 Millionen Menschen von Lebensmittelmarken. Die fragile politische Lage des überholten Zweiparteiensystems erwies sich bei den jüngsten Budgetstreitigkeiten samt Government Shutdown, welche die "größte Wirtschaftsmacht der Welt" (die jedoch massiv auf Pump lebt) auch künftig noch in große politische Zerreißproben führen werden.

Immer mehr zeigt sich, wie die Geldpolitik der Fed und das verantwortungslose Handeln der US-Politik lediglich der amerikanischen Finanzoligarchie dient, während die Mittelschicht zusehends zerbröselt und sich ein unvorstellbares Millionenheer von neuen Mitgliedern der Unterschicht bildet. Dies ist ein gewaltiger sozialer Sprengsatz, der das Land zu einem Herd politischer Unruhen machen wird.

Infolge der massiven Verschuldung der USA, die lediglich durch ein um rund 30 Prozent aufgeblähtes Bruttoinlandsprodukt noch halb so dramatisch erscheint, sind substanzielle Reformen unumgänglich geworden. Das politische Establishment jedoch, welches dank des US-Wahlsystems von den Wahlkampfspenden der Finanzoligarchen lebt, kann und wird sich dieser Aufgabe nicht stellen können.

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Erst vor wenigen Monaten schrieb ich in meinem Buch "USA – Eine Supermacht zerfällt" über die Moral des politischen Establishments der USA, die nicht am Wohl der Bürger interessiert ist:

Welchen Politiker interessieren schon die Sicherheitsvorkehrungen auf Ölplattformen im Meer, oder das saubere Grundwasser, welches durch die Frackingtechnologie für Jahrhunderte verseucht wird, wenn er im Wahlkampf ein paar fette Schecks von diversen Ölkonzernen in die Hand gedrückt bekommen hat? Welcher Politiker interessiert sich schon für die möglichen Gesundheitsgefahren durch genmanipuliertes Essen, wenn Agrarkonzerne wie z.B. Monsanto mit dem Scheckbuch wedeln? Wollen Sie wirklich die Antwort wissen, oder haben Sie sich diese Fragen schon selbst beantwortet? Egal. Ich sage es Ihnen: Kaum ein Politiker in den Vereinigten Staaten schert sich wirklich darum. Das würde ja bedeuten, beim nächsten Wahlkampf womöglich zu wenig Geld einzusammeln, und dann durch einen willfährigeren Kontrahenten ins politische Abseits befördert zu werden.


Aus diesem Grund müssen die amerikanischen Politiker auch großartige Verkaufstalente sein. Nicht nur, um das Volk für dumm zu verkaufen, sondern auch deshalb, weil sie jene Entscheidungen die für die breite Bevölkerung schlecht sind, als »große Chance« verkaufen müssen. Jawohl – unzureichende Sicherheitsvorkehrungen, das verseuchte Grundwasser durch Fracking, und natürlich tonnenweise genmanipuliertes Essen sind Chancen und keine Risiken. Zumindest keine Risiken, die man öffentlich eingestehen würde.

Die USA sind auf dem besten Wege hin zu einem "failed state", auch wenn sich das derzeit viele Menschen noch nicht vorstellen können. Ein gewaltiger militärischer Apparat schützt nicht vor dem Volkszorn, wie auch schon der (von den USA hochgerüstete) persische Schah damals feststellen musste. Die Frage ist nur, wann die US-Amerikaner endlich merken, wie viel Macht sie eigentlich besitzen und sich nicht von den angeblichen "Terrorgefahren" (welche vom Establishment selbst verursacht werden) einschüchtern lassen.

Zu den Untersuchungen des Fund for Peace geht es hier.

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