Die imperiale Überdehnung kommt an: Amerikaner brauchen das amerikanische Imperium nicht

Die USA könnten zu einer “normalen Nation” avancieren, doch das Establishment will das nicht. Das wird ein schreckliches Erwachen.

Von Philip Giraldi / Strategic Culture Foundation

Dieses Stück wurde geschrieben, während die Wähler am Wahltag in den Vereinigten Staaten zu den Urnen gingen. Während es nützlich war, darüber nachzudenken, wie sich die Dinge ändern könnten, möglicherweise zum Schlechteren, muss man auch erkennen, dass vieles von dem, was in den Vereinigten Staaten und in ihrem weitreichenden Empire geschieht, aufgrund ihrer eigenen internen Dynamik und Regeln funktioniert, etwas, das oft als “Deep State” oder vielleicht genauer als Establishment bezeichnet wird.

Man denke nur an die gelegentlichen, möglicherweise aufrichtigen, aber erfolglosen Versuche des Weißen Hauses in den letzten vier Jahren, die Zahl der US-Truppen, die weltweit in verschiedene bewaffnete Konflikte verwickelt sind, zurückzuziehen oder zu reduzieren. All diese Initiativen wurden auf die eine oder andere Weise vereitelt oder umgelenkt, und es geht nicht einfach nur um die Stümperei eines politisch unsensiblen Donald Trump gegenüber dem Ergebnis, das ein erfahrenerer und verantwortungsbewussterer Demokrat hätte erzielen können. Was den Motor des Imperiums antreibt, ist im Wesentlichen überparteilich, sogar auf seine eigene Art und Weise, unpolitisch, da es als eine Form der führerlosen Schattenregierung existiert, die als Interessengemeinschaft und nicht als Bürokratie funktioniert. Sie ist inklusiv und reflektiert die wahren Machtzentren des Landes, nämlich den nationalen Sicherheitsstaat und die Wall Street.

In einem kürzlich erschienenen Artikel entkräftet Pepe Escobar jede Erwartung, dass aus der Wahl eine freundlichere, sanftere Außenpolitik hervorgehen könnte. Er beschreibt mit einer gewissen Beunruhigung, wie ein Sieg Bidens bedeuten wird, dass das “Blob”-Team für die nationale Sicherheit, das Syrien, den Jemen, die Ukraine und Libyen zerschlagen und gleichzeitig Amerikaner in Übersee unter Präsident Barack Obama ermordet hat, zurückkehren wird. Er zitiert den ehemaligen CIA-Präsidenten Ray McGovern, der den “Blob” überzeugend als MICIMATT (den Komplex aus Militär, Industrie, Kongress, Geheimdienst, Medien, Medienakademie und Think-Tank) beschreibt. Man könnte durchaus die Federal Reserve Bank auf diese Liste setzen. https://www.unz.com/pescobar/a-biden-presidency-means-the-return-of-the-blob/

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Der Motor tuckert also immer weiter, treibt seine eigenen Interessen voran und ist völlig unbeeindruckt von dem, was um ihn herum passiert. Die Ironie liegt darin, dass die Vertrauenskrise, die gleichzeitig die Vereinigten Staaten heimsucht, zum Teil einen sehr realen, weitgehend selbst verschuldeten Niedergang von Amerikas Platz in der Welt widerspiegelt, weil es darauf besteht, seine globale Hegemonie zu erhalten. Sie kommt zu einer Zeit, in der das Imperium in eine Phase zunehmender Bedeutungslosigkeit eintritt, die viele der beteiligten Hauptakteure, unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit, entweder nicht erkennen können oder nicht erkennen wollen. Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten in einem Verhaltensmuster gefangen sind, das sie nicht ändern können. Es ist eine Nation, die ohne guten Grund kriegssüchtig geworden ist, und diese Sucht hat weder Sicherheit noch Wohlstand gebracht.

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Die Zeichen sind überall. Die Kosten des Imperiums steigen weiter an, während echte Vorteile, die sich aus dem Imperium ergeben könnten, nicht greifbar sind. Die Regierung der Vereinigten Staaten gibt weit mehr für einen aufgeblähten Verteidigungshaushalt aus, als sie sich leisten kann, was zu einer untragbaren Staatsverschuldung von derzeit über 27 Billionen Dollar führt, was 128 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts des Landes entspricht. Die Verschuldung wird wahrscheinlich dramatisch ansteigen, wenn es weitere Coronavirus-Konjunkturpakete gibt. Die Nation wird infolgedessen ausgehöhlt.

Amerikas “Verbündete” haben sich unweigerlich zu Recht immer mehr von Washington distanziert und zögern, den Anweisungen und Forderungen Washingtons nachzukommen, während der sich entwickelnde Übergang vom Dollar als Reservewährung der Welt voranschreitet und katastrophale Folgen haben wird. Wenn das US-Finanzministerium nicht mehr in der Lage ist, Geld nach Belieben zu drucken, wird es zu einer nationalen Insolvenz kommen.

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Was die Interaktion der Vereinigten Staaten mit der Welt betrifft, so gilt ein Land, das noch vor nicht allzu langer Zeit weithin respektiert wurde, heute als die Hauptursache internationaler Instabilität, die überall außer in Israel, einer weiteren Schurkenstaatsnation, unbeliebt ist. Und auch der interne Schaden, der innerhalb der Vereinigten Staaten den Grundwerten und Erwartungen an die Grundwerte und -erwartungen zugefügt wird, ist offensichtlich. Dazu gehören zunehmend dysfunktionale Schulen, die sich eher auf politische Korrektheit als auf Bildung konzentrieren, eine bröckelnde Infrastruktur, ein kaputtes Gesundheitssystem und eine sterbende Industrie- und Produktionsbasis. Einzigartig unter allen entwickelten Ländern ist die sinkende Lebenserwartung der Amerikaner aus der Arbeiterklasse.

An der Wurzel des Ganzen liegt das, was der Yale-Professor Paul Kennedy einmal als “imperiale Überdehnung” bezeichnet hat, d.h. Machtprojektion zur Unterstützung globaler Verpflichtungen, die für das nationale Wohlergehen nicht wesentlich sind, und sich dabei selbst in den Ruin zu treiben. Die Realität ist, dass ein Imperium mit erheblichen Verlusten arbeitet, es sei denn, ein “imperialer” Erwerb erfolgt aus rein ausbeuterischen Gründen, wie es Belgien im Kongo getan hat. Napoleon “überdehnte” sich beim Einmarsch in Russland, und sowohl Russland als auch Österreich-Ungarn brachen infolge des Ersten Weltkriegs zusammen, weil der Stress des äußeren Konflikts ihre Verpflichtungen weit über ihre Ressourcen hinausgehen ließ. Großbritanniens Reich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls entbehrlich, als die Kosten für die Aufrechterhaltung von Außenposten “östlich von Suez” viel größer wurden als der Nutzen.

Es gibt also viele gute Gründe für die Vereinigten Staaten, sich zurückzuziehen und wieder zu einer “normalen” Nation zu werden, wenn das überhaupt möglich ist, aber die Tatsache, dass kein Kandidat außer Tulsi Gabbard und Bernie Sanders auch nur andeutete, dass Amerikas globaler Interventionismus überdacht oder sogar rückgängig gemacht werden könnte, ist bezeichnend. Beide wurden vom Establishment der Demokratischen Partei eliminiert. Im Fall von Gabbard war keine Geringere als Hillary Clinton der Henker. Wer auch immer der neue Präsident sein mag, er wird die schreckliche Einbildung erben, er sei der “Führer der freien Welt”. Es ist höchste Zeit für eine ernsthafte Diskussion über den richtigen Platz Amerikas in der Welt, aber dazu ist es erforderlich, das Establishment des Landes vollständig zu stürzen und den “Exzeptionalismus” in Frage zu stellen, den die USA als “Kraft für das Gute” dominieren müssen. Leider gibt es nirgendwo am Horizont einen Politiker, der in der Lage und willens ist, bei einem solchen Unterfangen die Führung zu übernehmen.

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3 Kommentare

  1. Dennoch halte ich T. für die bessere W.hl. – Die Gegenseite könnte mindestens für Europa t.dlich sein – wenn nicht für die gesamte Erdbevölkerung.

    Warum muss ich hier wohl nicht mehr erötern – das dürfte in den altern.tiven Medien seit Jahren hinlänglich bekannt sein.

  2. Die können sich verschulden so hoch sie wollen, denn das ist ja nur die Vorleistung für einen weiteren Globalistenraub weltweit und so alte Traditionen des Westens seit hunderten von Jahren sind noch lange nicht ausgestorben, es wird nachwievor geplündert und zwar innen und außen, nur sind die Methoden nicht so offensichtlich wie in früheren Zeiten, wo man einmarschierte und das Land besetzte und seine Bevölkerung entmündigte für eigene Zwecke.

    Diese neue Art des Kolonialismus ist deswegen so perfide, weil es in neuem Gewande daher kommt und der Gegenseite Hilfe suggerieren soll, wobei man völlig anderes vor hat, nämlich die Resourcen auszubeuten und den Geldgebern zuzuführen und die Rinde des Brotes erhält das Wahlvolk zur allgemeinen Beruhigung und einige Länder haben dies erkannt und wollen sich nicht mehr an dieser ungleichen Ausbeute beteiligen oder selbst daran partizipieren, was dann wieder zu anderen Problemen führt, aber keineswegs die Weltlage beruhigt und so wird es weitergehen, bis nichts mehr zu holen ist und die Demographie gibt ihnen zum Schluß noch den Rest, was in spätestens 100 Jahren der Fall sein wird und nichts mehr zu retten ist.

    Im übrigen ist Afrika das beste Beispiel für unlautere Absichten, denn die haben es bis heute nicht geschafft, den Menschen dieses Kontinents wirklich zu helfen, im Gegenteil, Mali ist so ein typischen Beispiel, wo man kriegerisch eingreift um sich Uran zu sichern und dann der Gegenseite unlautere Absichten unterstellt, wenn diese sich wehrt und das ist nur ein Beispiel von vielen und deshalb muß man kein Linker sein, das erkennt man mit dem eigenen Verstand, wenn man sich etwas nähers damit befaßt.

    1. Achim, ich glaube nicht, dass das Gelddrucken beliebig lange fortgesetzt werden kann, aber da kenn ich mich zu wenig aus. Aber wie die Ausbeutung schon seit Langem funktioniert, darüber wurde ein Buch geschrieben: “Bekenntnisse eines Economic Hit Man”.

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