Wird die türkische Wirtschaft Erdogans Neues Osmanisches Reich abmurksen?

Die Türkei von Recep Tayyip Erdoğan hat in den vergangenen zwei Jahren eine bemerkenswerte Reihe von aktiven geopolitischen Auslandsinterventionen von Syrien über Libyen bis Zypern und zuletzt auf der Seite Aserbaidschans im Territorialkonflikt mit Armenien um den Status von Berg-Karabach durchgeführt. Einige haben dies Erdogans Strategie des „Neuen Osmanischen Reiches“ genannt. Doch eine frei fallende Lira und eine zusammenbrechende Binnenwirtschaft drohen, seinen großen geopolitischen Ambitionen ein ungeplantes Ende zu bereiten. Wie ernst ist die Wirtschaftskrise in der Türkei heute und hat Erdogan einen Plan B?

Freier Fall der Lira

Ende Oktober, als offener Konflikt zwischen Präsident Erdogan, der von der Zentralbank niedrige Zinssätze fordert, um das Wachstum anzukurbeln, und den Finanzmärkten, die höhere Zinssätze verlangen, um „das Risiko auszugleichen“, fiel die türkische Lira an einem Tag um scharf 3 Prozent. Bis heute ist die Lira im Jahr 2020 gegenüber dem US-Dollar um 34 Prozent und in den letzten fünf Jahren um 70 Prozent gefallen. Während einige glauben, dass sie den türkischen Warenexport stimulieren würde, setzt sie das gesamte türkische Bankensystem und die türkische Wirtschaft einem kolossalen Schuldenaufbau aus.

Das Problem ist, dass die türkischen Banken, um Erdogans Wachstumsagenda voranzutreiben, sich dem auf dem Dollar basierenden Niedrigzins-Interbankenmarkt zugewandt haben, um Geld zu leihen, das sie an türkische Verbraucher für den Bau von Häusern oder die Eröffnung von Hotels und anderen kleinen Unternehmen weiterleiten können. Jedes Mal, wenn die Lira gegenüber dem Dollar fällt, braucht sie so viel mehr Lira, um die alten Dollarschulden zurückzuzahlen, seit Januar dieses Jahres sind es 34 Prozent mehr.

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Ausländische Investoren, die die Daten sehen, beeilen sich, türkische Aktien und Anleihen zu liquidieren und auszusteigen, was die Lira weiter nach unten treibt und finanzielle Vermögenswerte trifft, die Kredite in der gesamten Wirtschaft absichern. Darüber hinaus trägt die Inflation, die offiziell bei fast 12 Prozent liegt, zur Krise bei.

In den letzten Jahren hat die türkische Wirtschaft, angespornt durch Erdogan, mit einer Jahresrate expandiert, die über der von China oder Indien vor Corona liegt. Der größte Teil davon entfiel auf den Bausektor, wo neue Häuser, Einkaufszentren und Tourismushotels boomten. Das Problem ist, dass jetzt, wo die Lira-Krise kein Ende nimmt und die EU-Staaten wegen des Coronavirus in Lockdown gehen, der Tourismus in der Türkei am Boden zerstört wird. Im August, der Hauptreisezeit für ausländischen Tourismus, gingen die Touristenankünfte gegenüber August 2019 um gewaltige 70 Prozent zurück. Und mit dem Einbruch der Weltwirtschaft seit der Coronakrise sind alle Exporte zurückgegangen.

Krise der Auslandsverschuldung

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Eine Analyse von F. William Engdahl

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2 Kommentare

  1. Osmanowitsch wird doch nicht etwa die russischen S400 Raketenkomplexe auf E-Bay Kleinanzeigen verscherbeln müssen? Da kann der Ditib in Coronaland die erzwungenen Moschee Immobilien gleich mal fürs einheimische Volk als Sportstätten, zur Tilgung der Schulden frei machen.

  2. Das BIP ist in der Türkei die letzten 5 Jahre bis heute von knapp 1 000 Milliarden auf 650 Milliarden gefallen und nun muß man sich fragen wie lange er das noch durchhalten will.

    Entweder ist er ein Zauberkünstler oder er hofft immer noch auf Belebung und ist bei den Zahlen vergleichbar mit dem Todkranken am Tropf, wo die Ärzte schon lange die Hoffnung aufgegeben haben, aber der Patient immer noch an ein Wunder glaubt.

    Das ist zwar zulässig, aber völlig aus der Reihe und wenn er fällt, dann durch den Niedergang der Wirtschaft, die sich auch so schnell nicht mehr erholen wird, weil die Animositäten vieler eben doch nicht zum Vorteil sind und das kann er auf Dauer nicht durchhalten.

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