Die zwei Unterseiten der Geopolitik

Auf expliziter Ebene geht es im heutigen geopolitischen Kampf um die Aufrechterhaltung des Primats der Macht durch die USA – wobei die Finanzmacht eine Untermenge dieser politischen Macht ist. Carl Schmitt, dessen Gedanken einen solchen Einfluss auf Leo Strauss und das Denken der USA im Allgemeinen hatten, sprach sich dafür aus, dass diejenigen, die Macht haben, diese „nutzen oder verlieren“ sollten. Das vorrangige Ziel der Politik ist daher die Bewahrung der „sozialen Existenz“.

Aber an der Unterseite ist die technische Abkopplung von China ein impliziter Aspekt einer solchen Strategie (getarnt unter dem Schlagwort der Rückgewinnung „gestohlener“ amerikanischer Arbeitsplätze und geistigen Eigentums): Der Preis, den Amerika wirklich anstrebt, besteht darin, in den kommenden Jahrzehnten alle globalen Standards in der Spitzentechnologie für sich zu ergreifen und sie China zu verweigern.

Solche Standards mögen obskur erscheinen, aber sie sind ein entscheidendes Element der modernen Technologie. Wenn der Kalte Krieg von einem Wettlauf um den Bau der meisten Nuklearwaffen beherrscht wurde, so wird der heutige Wettstreit zwischen den USA und China – wie auch gegenüber der EU – zumindest teilweise durch einen Kampf um die Kontrolle der bürokratischen Regelsetzung ausgetragen werden, die hinter den wichtigsten Industrien dieser Zeit steht. Und diese Standards sind zum Greifen nah.

China hat sich seit langem strategisch positioniert, um diesen „Krieg“ der Technologiestandards zu führen (d.h. China Standards 2035, eine Blaupause für Cyber- und Daten-Governance).

Dasselbe Argument gilt für die Versorgungsketten, die jetzt im Zentrum eines Tauziehens stehen, das erhebliche Auswirkungen auf die Geopolitik hat. Die Entflechtung des Rhizoms von Lieferketten, die in Jahrzehnten der Globalisierung aufgebaut wurden, ist schwierig und beschwerlich: Die multinationalen Unternehmen, die auf dem chinesischen Markt verkaufen, haben vielleicht keine andere Wahl, als zu versuchen, an Ort und Stelle zu bleiben. Wenn jedoch die Abkoppelung als eine Schlüsselrolle der US-Außenpolitik fortbesteht, dann könnten Produkte, die von Computerservern bis hin zu Apple iPhones reichen, am Ende zwei getrennte Lieferketten haben – eine für den chinesischen Markt und eine für den Großteil der übrigen Welt. Das wird teurer und weniger effizient sein, aber dies ist der Weg, den die Politik (zumindest im Moment) vorantreibt.

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Wo stehen wir also in diesem Abkopplungskampf? Bis jetzt ist es eine gemischte Angelegenheit. Die USA haben sich bei bestimmten Spitzentechnologien (die auch ein doppeltes Zivilschutzpotenzial haben) auf die Abkoppelung konzentriert. Aber Washington und Peking haben sich (bisher) von der finanziellen Abkopplung ferngehalten – da die Wall Street einen zweiseitigen Finanzhandel in Höhe von 5 Billionen Dollar nicht verlieren will.

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Eine Analyse von Alastair Crooke

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2 Kommentare

  1. Wenn die Corona Woge abgeebbt ist, wird sich das wirtschaftliche Machtzentrum von den USA nach China verlagert haben.

    Das militärische Machtzentrum bleibt in den USA.

    Das finanzpolitische Machtzentum wird sich letztlich dahin verlagern, wo sich nun die besten Profite genieren lassen. – Bis dahin verbleibt es unter Obhut der City of London.

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