Türkei: Erdogan fürchtet den Währungscrash

Der massive Kursverlust der Türkischen Lira und die Flucht in Fremdwährungen sorgt dafür, dass Präsident Erdogan sein Volk dazu aufruft, die Lira nicht umzutauschen. Er fürchtet den totalen Währungscrash.

Von Marco Maier

In der Türkei geht die Angst vor einem Währungscrash um. Viele Menschen versuchen, einen Teil ihrer Ersparnisse möglichst noch in Dollar oder Euro umzutauschen, damit sie nicht dahinschmelzen. Auch bei den größeren Unternehmen, wo es um das wirtschaftliche Überleben geht, ist ein solcher Wechsel inzwischen notwendig. Dennoch ruft Präsident Erdogan die Türken auf, der Lira treu zu bleiben und diese nicht in Fremdwährungen zu tauschen.

Zwar gibt es derzeit noch keine offiziellen Kapitalverkehrsbeschränkungen, doch der türkische Präsident hofft auf die Macht seines Wortes. Wie schon im Dezember 2016, als er (bei einem Stand von 3,30 Lira pro Dollar) dazu aufforderte, der eigenen Währung treu zu bleiben. Gut, wer seiner Aufforderung folgte, hatte auf seine Ersparnisse einen Kaufkraftverlust von rund dreißig Prozent zu verkraften.

Zwar haben die Maßnahmen der türkischen Zentralbank und die Aufforderungen des Präsidenten dafür gesorgt, dass sich der Lira-Kurs zum US-Dollar wieder etwas erholte und nunmehr bei knapp 4,60 Lira je Dollar liegt – doch wie lange wird dies funktionieren? Trotz der gestrigen Erholung hat die Lira immer noch drei Prozent zum Dollar verloren, zum Euro zwei Prozent. Im Monatsabstand sind es immer noch vierzehn bzw. zehn Prozent.

Auch wenn Präsident Erdogan ankündigte, nach den Wahlen weiterhin am Prinzip der Unabhängigkeit der Zentralbank festhalten zu wollen, stellt sich die Frage: Wird er dies auch noch dann tun, wenn er realisiert wie hoch die Zinssätze bereits sind und die Märkte sagen, dass diese noch nicht hoch genug seien und ihre Verkäufe fortführen? Was, wenn der monatliche Kursverlust zu Dollar und Euro weiterhin bei zehn Prozent und mehr liegt? Im Juni könnte bereits die Marke von 5 Lira je Dollar fallen, im August wären dann schon 6 Lira fällig, um dann Ende des Jahres bei 9 Lira pro Dollar zu liegen. Was dann?

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Angesichts der weiterhin hohen und noch stärker steigenden Inflationsrate im Land, sowie der sinkenden (in Dollar berechneten) Wirtschaftsleistung, lösen sich die bisherigen Erfolge von Erdogans AKP-Regierung zunehmend in Luft auf. Seine Beliebtheit basiert ja auch auf all diesen Erfolgen, welche viele der armen Türken zu einem bescheidenen Wohlstand verhalf und dem Land einen Modernisierungsschub verpasste. Doch diese Entwicklung könnte jetzt ein (vorläufiges) Ende finden.

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