Die US-Börsen feiern immer noch Kursfeuerwerke, die Wirtschaft ist angeblich weiterhin robust, doch viele börsennotierte US-Unternehmen befinden sich in der Verlustzone. Besonders die Tech-Branche arbeitet offenbar schwer defizitär.

Von Marco Maier

Eigentlich ist es ein Wahnsinn: Einerseits feiern die Börsen immer noch Kursfeuerwerke und laut offiziellen Zahlen (die inoffiziellen Kennziffern werden totgeschwiegen) geht es auch der Wirtschaft gut. Doch wenn man einen Blick hinter die Kulissen wirft, fragt man sich schon ein wenig, was denn an der US-amerikanischen Wirtschaft so gut läuft.

Die folgende Grafik, welche von Professor Baruch Lev zusammen mit dessen Kollegen Feng Gu von der Stern School of Businnes, NYU, auf Basis der Jahresberichte der börsennotierten Unternehmen erstellt wurde, macht deutlich, dass die US-amerikanische Wirtschaft seit etwa Mitte der 1980er-Jahre vor die Hunde geht. Dabei erstellten die Professoren zwei Charts: Einmal mit allen Unternehmen zusammen, einmal mit Technologiefirmen (Computer, Software, Pharma, Biotech usw.) gesondert.

USA Unternehmen Verluste

Das Ergebnis ist schockierend: Noch in den 1960er-Jahren lag die Quote der börsennotierten Unternehmen die Verluste schrieben bei unter zehn Prozent. Nach einer Krise um 1970 pendelte sich diese Quote bei 15 bis 20 Prozent ein, um dann in den 1980er-Jahren sukzessive von 18 auf 38 (Techfirmen: von 20 auf über 45) Prozent anzusteigen. In den 1990ern gab es dann einen weiteren Anstieg bis es dann mit der geplatzten "Dot-Com-Blase" 2001/2002 zu einem Rekord kam. Am Höhepunkt schrieben 73 Prozent der Tech-Firmen und 49 Prozent aller Unternehmen rote Zahlen.

Doch seitdem ist es nicht wirklich besser geworden. Bei den Tech-Firmen waren bis heute stets mehr als die Hälfte (2016: 69 Prozent) der Unternehmen defizitär, bei allen börsennotierten Unternehmen zusammen stets 37 bis 49 (2016: 46) Prozent. Da fragt man sich schon, wie die ganzen Zugewinne an den Börsen zustandekommen.