US-Marine im Schwarzen Meer – kein Heimspiel

Am 14. April näherte sich ein russischer Kampfjet vom Typ SU-24 dem US-Zerstörer „Donald Cook“ im Tiefflug, 150 Meter über der Wasseroberfläche, bis auf etwas weniger als einen Kilometer. Dann drehte er ab. Dieses Manöver wiederholte er über insgesamt eineinhalb Stunden. Der Jet war offenbar unbewaffnet, reagierte aber nicht auf Warnungen des Zerstörers. Dieser drehte nach dem Vorfall ab und lief den rumänischen Hafen von Konstanza an. 

Von Florian Stumfall

Viele westliche Medien waren es nicht, die diese Episode gemeldet haben. Was sich aber im Anschluss ereignete, blieb so gut wie unter Geheimhaltung. Da war zunächst das Früherkennungssystem der „Donald Cook“, das genau in dieser Lage ausfiel. Technisches Versagen also. Doch das war es nicht allein. Der Grund, warum der Zerstörer umgehend Konstanza anlief, fiel in die Kategorie „menschliches Versagen“. Die Mannschaft war nämlich nach dem grausamen Spiel der SU-24 nervlich derart strapaziert, dass sie in Teilen nicht mehr einsatzfähig war. Im Hafen demissionierten umgehend 27 Matrosen und gingen von Bord. Das Pentagon musste bestätigen, dass die Scheinangriffe eine demoralisierende Wirkung auf die Besatzung ausgeübt hätten. Ein Sprecher nannte den Vorfall „erschreckend und inakzeptabel, da es die Mannschaft völlig demoralisiert und eine negative Auswirkung auf das psychologische Klima“ verursacht habe.

Dem rumänischen Präsidenten Traian Basescu war der Vorfall wichtig genug, um persönlich bekanntzugeben, dass die „Donald Cook“ vom Schwarzen Meer abgezogen und durch ein anderes Kriegsschiff ersetzt würde. Dieser problemlose Wechsel wirft ein sonderbares Licht auf die Art, wie die USA das Abkommen von Montreux aus dem Jahr 1936 handhaben. Damals wurde der Türkei die Hoheit über Dardanellen und Bosporus zurückgegeben und die Zufahrt zum Schwarzen Meer vor allem auch für Kriegsschiffe geregelt. Das Abkommen gilt noch heute, ungeachtet abweichender Bestimmungen in der allgemeinen Seefahrt.

Danach dürfen Länder, die nicht Anrainer des Schwarzen Meeres sind, nur unter klar festgelegten Bedingungen Kriegsschiffe dorthin entsenden. Dazu gehört das Verbot der Passage von Flugzeugträgern und der Gesamttonnage einer Marine-Einheit von zusammen 45.000 Tonnen. Die USA, die den Vertrag nicht unterzeichnet haben, halten sich auch nicht daran. Im März etwa schickten sie ein Flottille von vier Schiffen durch den Bosporus, nämlich der „George H. W. Bush“, der „Truxtun“, der „Roosevelt“ und der „Philippine Sea“. Die Bush als Flugzeugträger mit 97.000 Tonnen verstößt allein gegen zwei der Vorschriften. Vielleicht wollten die Russen mit ihrem Jet nur daran erinnern, dass sie ein scharfes Auge auf ihren maritimen Süden haben.

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Ein Kommentar

  1. Die USS "Donald Cook" ist ein Raketenschild-Schiff, ausgerüstet mit SM-3 Abfangraketen (500km Reichweite), gesteuert vom AEGIS-Radar. Das Schiff ist Teil des sog. EPAA-Plans (European Phased Adaptive Approach), einer europäischen Version des US-Raketenschildes.

    Die Angriffsübung auf die "Cook" war kein Versehen, der Vertrag von Montreux besagt, dass "Kriegsschiffe von Staaten, die nicht zu den Anrainern des Schwarzen Meeres gehören, sich nicht länger als 21 Tage im Schwarzen Meer aufhalten" dürfen. Erlaubt ist nach dieser Frist sogar die Versenkung der Kriegsschiffe ohne Kriegserklärung!

    Russland hat den USA damit die Schwachstellen einer globalen Flotte mit überlangen Nachschubwegen und finanziellen Problemen aufgezeigt.

    Wobei der Raketenschild der Zukunft (2020) schon heute von moderneren Angriffs- und Nuklearraketen sinnlos gemacht wird. Es ist das alte Spiel zwischen Kanone und Stadtmauer. Der Angreifer ist IMMER im Vorteil.

    Im Ernstfall können Su-24 und die moderneren Su-34 mittels Antischiff-Seezielraketen AS-17 oder AS-20 aus 110-150 km Entfernung versenken. Die SAM-Raketen der "Cook", RIM-66M oder SM-2MR Block IIIA haben eine max. Reichweite von ca. 167 km. Dafür haben die Suchoi Kampfbomber Nachbrenner 🙂

    Tja, dumm gelaufen, US Navy… man fährt nicht in ein Wespennest ohne Stiche zu erleiden.

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