Die City Lodge in Kapstadt. Bild: Flickr / janet planet 111 CC-BY 2.0

Im Stadtrat von Kapstadt soll der Haushalt 2014/15 verabschiedet werden. Hierbei geht es um 28 Milliarden Rand – rund 200 Millionen Euro. Es ist vorgesehen, dass im neuen Fiskaljahr alle Verbraucher für Strom, Wasser oder Straßenreinigung zahlen. Das wäre neu, denn bislang kommen fast nur die Weißen dafür auf. Und so führt der Plan allein, ohne dass darüber überhaupt hätte abgestimmt werden können, zu chaotischen Zuständen im Plenarsaal des Rathauses.

Von Florian Stumfall

In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten sich bei den revolutionären Bewegungen des südlichen Afrika einige unverzichtbare Elemente eingebürgert. Darunter gab es neben der legendären Maschinenpistole AK-47 den „toyi-toyi-Tanz“, der körperlicher Ausdruck des sozialen Protests und des Rufs nach Umsturz war. Diesen Tanz führten Mitglieder der ANC-Fraktion im Rathaus auf, als es um jenes neue Budget ging. Sie warfen die Dokumente, um die es ging, auf den Boden, trampelten darauf herum und einer von ihnen, Kuthula Mamba, nahm gar seine AK-47 zur Hand, um seinem Protest den nötigen Ausdruck zu verleihen.

Hinter der aktuellen Empörung stecken natürlich auch strukturelle Beweggründe. Zum einen ist das Westkap die einzige Provinz in Südafrika, in der der ANC, die Staatspartei, bislang keine Mehrheit hat. Die Bürgermeisterin von Kapstadt, Helen Zille, ist eine Deutsche. Dies ist für den ANC seit jeher ein Ärgernis. Das Kap sei noch nicht befreit, ist die offizielle Devise und seit vielen Jahren sucht man dem damit Abhilfe zu verschaffen, dass man aus der Transkei tausende Xhosa, ans Kap karrt, die dann dort in ihrem Elend allein gelassen werden. Sie haben da zu sein, sonst nichts. Man nennt das die „ethnische Eroberung“ des Kaplandes in einem Staat, der als nicht-rassistisch angetreten ist.

Ein zweiter Punkt ist die in zwei Wochen anstehende Wahl der Regierung in Pretoria. Der ANC, nach außen hin eine schwarze, konkurrenzlose Staatspartei wie viele andere in Afrika, hat aber innere Probleme. Beim Wandel Südafrikas im Jahr 1994 haben die großen ausländischen Investoren, um ihren wirtschaftlichen Einfluss und Standard zu bewahren, so gut wie die ganze ANC-Spitze mit Abermillionen korrumpiert und damit erreicht, dass nicht nur die Nacht der langen Messer ausblieb, sondern auch, dass sie dem ANC die geplante sozialistische Revolution abkaufen konnten.

Loading...

Doch das hat den linken Flügel des ANC, die Kommunistische Partei und die Gewerkschaft COSATU neben all jenen, die leer ausgegangen waren, stark verdrossen. Jetzt, da nach 20 Jahren die vielen Menschen die ihre Hoffnung in den ANC gesetzt hatten, sehen, dass die großen Versprechungen nicht erfüllt wurden und es den meisten schlechter geht als zuvor, muss der ANC um seine Mehrheit fürchten. Das heißt: um die Möglichkeit, die Wahl wieder so hinzudrehen, wie man’s braucht.

Vor allem die Weißen-feindliche Partei „Economic Freedom Fighters“ (EFF) des Julius Malema hat großen Zulauf. Er war einst der Mann mit dem Slogan „Ein Siedler, eine Kugel“ und gleichzeitig der Chef der Jugend-Organisation des ANC. Er weiß, wie er seinen alten Genossen wehtun kann.

Liebe Leser, wenn sie kein Abo abschließen möchten, können sie uns auch mit einer Spende auf folgendes Empfängerkonto: Andreas Keltscha, IBAN: DE96100110012620778424, BIC: NTSBDEB1XXX oder per Paypal und Kreditkarte, unterstützen. Danke für ihre Hilfe!

Loading...

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here