Chinas Bauboom: Unzählige Geisterstädte in Planung

In der Volksrepublik China mangelt es nicht an Baustellen. Der Bausektor ist aktuell einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche des Reichs der Mitte. Allerdings zeigen sich immer öfter die Schattenseiten dieser Siedlungspolitik: China wird zusehends zum Land der Geisterstädte. Doch es gibt auch mahnende Stimmen.

Von Marco Maier

Die chinesische Regierung befürchtet angesichts der Ergebnisse einer jüngst veröffentlichten Studie die rasante Zunahme von Geisterstädten im ganzen Land. Das "Zentrum für Reform und Entwicklung von Städten und Kleinstädten" legte in dieser Untersuchung dar, dass 90 Prozent der befragten Bezirksstädte momentan ihre Neustädte zur Stadterweiterung planen. Dabei wurde ersichtlich, dass die äußerst großzügig bedachten neuen Stadtviertel bis zu 7,8 Mal mehr Fläche beanspruchen als es die derzeitigen Siedlungen tun. Dies teilte die staatliche Nachrichtenagentur CIIC mit.

Insgesamt hatte das Institut 161 Kreisstädte und 156 Bezirksstädte in 12 Provinzen, bzw. Autonomen Regionen in ihre Untersuchungen miteinbezogen. Für Li Tie, den Direktor des Instituts, liegt die Entwicklung auf der Hand. Immerhin ist die Infrastruktur der bestehenden Städte inzwischen nicht mehr ausreichend. Doch die überdimensionierten in Planung befindlichen neuen Stadtviertel würden neue Probleme schaffen.

Neben vielen Geisterstädten ohne Bewohner entstünden, so Li, zudem viele Satellitenstädte in denen die Menschen lediglich abends zum schlafen wären, während sie zu den Arbeitsstätten pendeln müssten. Angesichts der damit einhergehenden Probleme reift wohl selbst bei den höheren politischen Stellen in China die Erkenntnis, dass man bei der Entwicklung der Städte deutlich stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen eingehen muss. Für Li ist klar, dass China einen Mittelweg zwischen Planung und organischem Wachstum finden muss.

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Sollten die Kommunen nicht auf die Einwände aus Peking hören, könnte die jetzt schon bestehende Immobilienblase noch gewaltigere Ausmaße erreichen. Doch dies zu verhindern, dürfte schwer fallen. Lokale Parteiapparate vertreten ihre eigenen (finanziellen) Interessen die nicht unbedingt mit jenen der Zentralregierung im Einklang stehen. An Fallstricken mangelt es also nicht.

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