Die Seekriegs-Übungen der NATO im Schwarzen Meer beziehen alle möglichen maritimen Waffengattungen ein, sogar dressierte Delphine und Seelöwen. Das hat die russische Zeitung „Iswetija“ mitgeteilt und sich dabei auf den Marine-Sprecher und Chef des Meeressäuger-Programms der US-Marine, Tom Lapuzza, berufen. „Die Übungen unter Einsatz von 20 Delfinen und zehn Seelöwen sollen ein bis zwei Wochen dauern (Kriegsschiffe von Staaten, die nicht zu den Schwarzmeer-Anrainern gehören, dürfen sich nicht länger als 21 Tage im Schwarzen Meer aufhalten)“, so die Zeitung.
Von Florian Stumfall
Konkret geht es bei dem Einsatz der gelehrigen Tiere darum, ein neu entwickeltes Radarsystem zu testen, das, so Lapuzza, „die Irreführung gegnerischer Echoortungsgeräte bestimmt ist. Ferner werden die Seelöwen und Delphine zum Aufspüren von Minen und von Militärtauchern eingesetzt.“ Dies geschieht zum Schutz von Kriegsschiffen und Häfen vor Minen. „Außerdem ist geplant, einen ‚Harnisch‘ für Delfine zu erproben, der in einem Forschungszentrum der Universität Hawaii entwickelt wurde“, ließ die US-Marine wissen.
Es ist zum ersten Mal, dass die NATO Militärübungen mit Wassersäugern macht. In der US-Kriegsmarine sind derzeit mehr als 100 Große Tümmler, kalifornische Seelöwen und Weißwale im Dienst. Die Tiere sollen auf dem Luftweg in die Ukraine gebracht werden.
Auch die Ukraine hat ein Sonderprogramm der früheren Sowjetunion reaktiviert, bei dem Kampfdelphine ausgebildet und bei der Kriegsmarine eingesetzt werden sollen. In Sewastopol lief das Delphin-Programm seit 1973. Dabei ging es allerdings nicht nur darum, Radar-Frequenzen zu stören, sondern um regelrechte Kampfeinsätze, bei denen die Tiere zu Tode kamen. Man befestigte damals Sprengsätze an ihren Köpfen und schickte sie gegen feindliche Kampfschwimmer oder Schiffe. Nach dem Zerfall der Sowjetunion übernahm die Ukraine dieses Programm.
„Derzeit werden im staatlichen Ozeanarium der Ukraine in Sewastopol zehn Delfine – große Tümmler – für die Ausführung von Spezialaufgaben der ukrainischen Kriegsflotte vorbereitet. In den Gewässern um Sewastopol führen ukrainische Militärs regelmäßig mit den Tieren Training zur Suche nach Gegenständen am Meeresgrund durch“, so ein Offizieller. Das geht allerdings nicht ganz problemlos. Kürzlich hat die ukrainische Kriegsflotte drei Kampfdelphine verloren: Die Tiere sollen bei einer Seeübung desertiert sein. Ein Veteran der Sowjetmarine mutmaßt, dass die Delphine - von Frühlingsgefühlen ergriffen - einem Weibchen ins offene Meer gefolgt sind.
Contra Magazin Unabhängig, unbestechlich, unzensiert! 
