Türkei: Die Lira schmiert ab – Schuldenproblem weitet sich aus

An und für sich gilt die Türkei als wichtiger Wachstumsmarkt im vorderasiatischen Raum. Allerdings kämpft das Land mit einer hohen Inflationsrate, einer Abwertung der Währung und einer recht hohen Verschuldung. Nun will Präsident Erdogan die Zinsen weiter gesenkt wissen und lässt sogar die Staatsanwaltschaft gegen den Notenbankchef ermitteln.

Von Marco Maier

Mit etwas unorthodoxen Mitteln will Präsident Recep Tayyip Erdogan die türkische Wirtschaft stützen, welche derzeit mit einem Anstieg der Inflation auf vorrausichtlich knapp 8 Prozent in diesem Jahr, einer massiven Abwertung der Lira und gefährlich hohen Schulden kämpft. Seiner Meinung nach würde eine Absenkung des Leitzinses die Inflation bekämpfen und die Türkische Lira stärken.

Türkische Lira - US Dollar 5 JahreEin Blick auf die Realität zeigt jedoch, dass sinkende Zinsen eher zu einer weiteren Schwächung der Währung führen, da dadurch mehr Kapital ab- als zufließt. In den letzten 5 Jahren verlor die Neue Türkische Lira gegenüber dem US-Dollar rund 70 Prozent an Wert. Zudem wirken sich niedrige Zinsen eher inflationsfördernd aus, da die Menschen weniger sparen und mehr ausgeben. Angesichts der ohnehin schon schwelenden Schuldenproblematik in der Türkei wäre dies jedoch ein gefährlicher Schritt.

Einerseits führt der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre vor allem zu einer kreditfinanzierten Stützung des Konsums, was sich in einer steigenden Verschuldung breiter Bevölkerungsschichten manifestiert. Durch die Aufnahme von Fremdwährungskrediten führt die Abwertung der Lira zudem zu Zahlungsschwierigkeiten. Ganz zu schweigen vom gigantischen Handelsbilanzdefizit, welches verdeutlicht, wie sehr sich die Türkei im Ausland verschuldet. Ohne entsprechende Kapitalzuflüsse aus dem Ausland wird es dann jedoch knapp.

Offenbar möchte Erdogan mit Hilfe niedriger Zinsen verhindern, dass die Kreditblase platzt und die Einkommen der Bevölkerung durch die nach wie vor robuste Wirtschaft schneller wachsen als die Zinskosten. Doch der präsidiale Druck auf die Notenbank wirkt hier etwas fehl am Platz. So beschuldigte Erdogan die türkische Zentralbank, für "fremde, antitürkische Mächte" zu arbeiten. Notenbankchef Basci wurde von Erdogan nicht nur persönlich angegriffen, sondern auch noch von der Staatsanwaltschaft angeklagt, weil er "mit seiner Geldpolitik den Menschen in der Türkei schwere finanzielle Schäden zufügen würde", so das Magazin "Trend".

Loading...

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

3 Kommentare

  1. Der Boom in der Türkei erfolgt zuerst mit dem 50 Milliarden DM die man Türken in Deutschland abluchste mit wahnsinnigen Versprechungen wie GEDANKENLESEGERÄTE!
    Natürlich verloren alle ihr Geld.
    Später investierten Araber und der Iran MIlliarden.Mit denen hat es sich die Türkei aber auch verscherzt.

    Verbindungen zwischen türkischen Politikern, IGMG-Funktionären und Holding-Managern

    Der bayerische Verfassungsschutz hat Erkenntnisse von Verbindungen zwischen den Milli-Görüş-Funktionären in Deutschland und den türkischen Islam-Holdings.[10]

    Die heutige Regierungspartei AKP, Milli Görüş und die Holdings sollen seit Jahren eng miteinander verflochten sein.[11] Das „Zentrum für Türkeistudien“ nennt Beispiele dafür, dass Vorstandsmitglieder der Yimpaş Holding führende Posten in den Provinzorganisationen der mittlerweile verbotenen Wohlfahrtspartei (Refah Partisi, RP) in Yozgat innehatten. Takyettin Yarıyan, Vorstandsmitglied der Jet-Pa Holding war Abgeordneter der Partei des Rechten Weges (Doğru Yol Partisi, DYP) aus der Provinz Siirt.[12]

    Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichtet im November 2006, dass der Imam der Mevlana-Moschee in Berlin in seinen Predigten offen dafür geworben habe, Gewinnanteile einer zweifelhaften islamischen Holding zu erwerben[13], selbst Geldgeschäfte getätigt und hohe Zinsgewinne erzielt habe.[14] Nach „Frontal-21“-Recherchen soll der arbeitslos gemeldete Imam fast eine halbe Million Euro auf dem Konto einer türkischen Bank gehabt haben.[13]

    In Ludwigshafen fand der eingesetzte Insolvenzverwalter Karl-Heinrich Lorenz heraus, dass als Betriebsleiter des Yimpaş-Kaufhauses der örtliche Hodscha fungierte.[15]

    Während einige Verantwortliche wie Jet-Pa-Eigentümer Fadil Akgündüz oder Yimpaş-Chef Dursun Ugyar inzwischen vor türkischen Gerichten standen, wurden andere Yimpaş-Manager AKP-Politiker. So ist der frühere Yimpaş-Vorstandsangehörige Ilias Aslan AKP-Abgeordneter für Yozgat (Firmensitz von Yimpaş).[16]

    Parallel zum Verschwinden des Vermögens frommer Auslandstürken entstand in Anatolien, der Heimat vieler Holdings, eine neue wohlhabende „Bourgeoisie“. Dieser neue Geldadel soll die finanzielle und politische Basis der heutigen Regierungspartei AKP bilden.[16]
    Wirtschaftlicher Schaden

    Zwischen 200.000 und 300.000 Deutschtürken sollen um ihre Ersparnisse gebracht worden sein. Allein 120.000 Anteilseigner soll die Yimpaş Holding in Deutschland gehabt haben, die Kombassan Holding als zweitgrößte Gesellschaft immerhin etwa 35.000 Teilhaber. Die Stiftung für Türkeistudien und Integrationsforschung schätzt den entstandenen Schaden auf fünf Milliarden Euro.[17] Andere Quellen halten auch einen Gesamtschaden von bis zu 50 Mrd. Euro für möglich.[18]

  2. da schmiert bei dem Türken gar nichts ab.

    Wenn ihr den Dollar/Euro-Kurs und den Dollar/Lira-Kurs nebeneinander stellt, dann stellt ihr fest, das der Euro sogar um 2% mehr an Wert verloren hat als der Lira.

    Alle Währungen verlieren an Wert, weil der Amy seinen $$$$ auf der ganzen Welt einsammelt.

    Bei dem Türken stehen in Juli Wahlen an, deswegen wird der Lira etwas angegriffen, um die Wahlen zu beeinflussen, aber dann soll sich der Dollar/Lira Kurs normalisieren.

    (ich Tippe, das es bei dem Türken bald einen Attentat geben wird, so ähnlich wie bei dem Russen……………. „Mordfall Nemzow“)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.