Recep Tayyip Erdogan. © Sputnik/ Sergey Guneyev

Der türkische Präsident hat offenbar ein Händchen dafür, die Lira zu schwächen. Sein jüngster Aufruf an die Zentralbank, die Zinsen zu senken, gehört dazu.

Von Marco Maier

Die türkische Lira schwächelt seit einiger Zeit, was vor allem der importorientierten Wirtschaft schadet und die Inflation weiter in die Höhe schießen lässt, sowie die vielen Schuldner mit ihren Dollar- und Euro-Krediten sukzessive in den Ruin treibt. Innerhalb eines Jahres verlor die türkische Währung gegenüber dem Dollar nun schon 35,8 Prozent an Wert, gegenüber dem Euro sind es bereits 37,8 Prozent.

Sorgte bereits die Wiederwahl von Recep Tayyip Erdogan in das Amt des Staatspräsidenten für einen kleinen Kursrutsch der türkischen Lira, so war die Ernennung seines Schwiegersohns zum Finanzminister des Landes (und der weiteren Personalwahl für die neue Regierung) der nächste Auslöser eines Kursrutsches. Zwischenzeitlich erholte sich die Lira zwar ein wenig, rauschte jedoch nun erneut in den Keller, als er die türkische Zentralbank dazu aufforderte, die Zinsen zu senken – anstatt diese zu erhöhen, um so den Außenwert der Währung wenigstens ein wenig zu stabilisieren. Dies zeigt auch die nachfolgende Grafik:

Lira-USD

Zum ersten Mal überhaupt überschritt die türkische Währung nun die Marke von 4,80 Lira je US-Dollar und jene von 5,60 Lira je Euro. Für europäische und amerikanische Türkei-Urlauber mag das zwar schön sein, doch für die türkische Wirtschaft ist das eine Katastrophe. Und wenn man bedenkt, dass gerade jetzt im Juli und August urlaubsbedingt die meisten Devisen ins Land fließen (was eigentlich die Lira stärken sollte), kann man sich vorstellen, was da auf den Finanzmärkten momentan los ist.