Venezien: Der Drang nach Unabhängigkeit wächst

Italiens Norden ist schon lange ziemlich kritisch, was den italienischen Gesamtstaat und die Regierung in Rom betrifft. Nach der Online-Umfrage im Frühjahr, bei der sich ein Großteil der Venetier für die Loslösung von Rom ausgesprochen hat, ist der Rückenwind für die Organisatoren weiter angewachsen. Hohe Steuern und die grassierende Rezession in Italien tun ihr Übriges dazu.

Von Marco Maier

Proteste der Bevölkerung gegen die hohe Steuerlast, das verschwenderische Rom und den "faulen Süden" gehören in Norditalien inzwischen mehr oder weniger schon zur Tagesordnung. Der produktive Norden fühlt sich als Melkkuh der Nation, was angesichts der inneritalienischen Umverteilung (ähnlich dem deutschen Länderfinanzausgleich, bei dem Bayern inzwischen die Hauptlast trägt) durchaus stimmt. Doch die Unternehmen leiden zunehmend unter der steuerlichen Belastung und der Bürokratie, welche die internationale Wettbewerbsfähigkeit immer weiter einschränken.

Das unverbindliche Referendum vom März (wir berichteten) stieß auf großes Interesse. Von den rund drei Vierteln der Gesamtbevölkerung die daran teilnahmen, sprach sich der Großteil für die Unabhängigkeit von Italien aus. Und der Druck der Bevölkerung und der regional verwurzelten Unternehmen auf die Initiatoren und Organisatoren wächst. Italien steckt mitten in einer Rezession, die auch vor dem recht wohlhabenden Norden nicht Halt macht. Damit nimmt die Unzufriedenheit mit dem italienischen Staat immer weiter zu.

Selbst wenn die italienische Verfassung keine Abspaltung von Regionen vorsieht, so pochen die Separatisten auf das Völkerrecht, welches über dem nationalen Recht steht. Den Volkswillen könne man nicht ignorieren, nicht einmal ein Gericht, so die Organisatoren. Dementsprechend kritisch beurteilen sie auch die Haltung des spanischen Verfassungsgerichts, welches das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien aussetzen ließen.

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