Stellen sie sich nur mal ein Champions League Finale einem halbleeren Stadion vor. Genau das könnte dieses Jahr passieren, wenn nicht schnell gehandelt wird. Zugegeben, das Szenario ist unwahrscheinlich, aber eine gebrochene Radachse und eine gute Dosis unbedachter Populismus machen es möglich. Das Einzige, was sicher zu sein scheint ist, dass es teuer wird, sehr teuer.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Ein Unfall hat die Pläne tausender Fußballfans über den Haufen geworfen. Sieben Sonderzüge wurden reserviert, um die Fans von Atletico und Real Madrid nach Lissabon zu bringen. Ein Waggon von einem privaten Güterzug ist entgleist, ohne dabei ganz aus der Spur zu springen. Als Resultat hat ein Rad auf einer Länge von 6 Kilometern die Gleise beschädigt und somit unpassierbar gemacht. Der Schaden ist enorm und schließt drei Brücken mit ein. Eine davon wurde von Gustav Eiffels Team errichtet und hat historischen Wert. Das bedeutet Reparaturen unter Denkmalschutzbedingungen.

Hätte die jetzige Regierung nicht alles daran gesetzt, die von langer Hand geplante Hochgeschwindigkeitsverbindung nach Madrid auf Eis zu legen, und das schon vor ihrer Wahl, indem die Minderheitsregierung Socrates davon abgehalten wurde diese und andere Projekte auszuführen. Auch wenn Passos Coelho seine populistischen Wahlversprechen von „Wir können uns das nicht leisten“ inzwischen überdenkt und diese sowie andere notwendigen Investitionen in ein modernes Portugal, in einer minimalistischen, von seiner neoliberalen Ideologie beeinflussten, Dritte-Welt-Version nun doch ausführen lässt.

Doch zurück zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben, dem Fußball! Die Fans müssen umdisponieren, da die Bahnstrecke wohl nicht rechtzeitig repariert werden kann. Das heißt 7 vollbesetzte Züge auf Busse und Charterflüge umbuchen. Jemand wird für den Schaden aufkommen müssen. Das Estadio da Luz bietet Platz für 65.000 Zuschauer. Auch wenn die UEFA, um die Fangruppen auseinanderzuhalten, die Anzahl der Tickets reduziert, ist immer noch die Einwohnerzahl einer Kleinstadt auf dem Weg von Madrid nach Lissabon. Viele Portugiesen würden gerne die Spieler ihrer Lieblingsmannschaft live spielen sehen, doch haben die wenigsten das Geld, bzw die Beziehungen um Ronaldo, Pepe, Coentrão und Tiago auf dem Platz zu erleben.

Doch das ist noch nicht der ganze Schaden der angerichtet wurde. Auch die Exportwirtschaft, auf die sich das Land inzwischen fast ausschließlich verlässt, hat großen Schaden genommen. Die Bahnlinie ist eine der Haupthandelswege für den Güterverkehr zwischen Portugal, Spanien und dem Rest Europas. Die Portugiesen haben ein Sprichwort: "Das Billige kommt Teuer"!

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