Überflutung, Symbolbild. Bild: Flickr / cod_daniel CC-BY 2.0

Als hätte Serbien nicht schon genug Probleme mit der desaströsen Ökonomie des Landes, der Infrastruktur die mit EU-Hilfen langsam verbessert wurde und der hohen Arbeitslosigkeit die 2013 bei 25 Prozent lag, wurde dieses Land in den letzten Tagen auch noch von massiven Regenfällen heimgesucht, welche an die biblische Sintflut erinnern. Wassermassen unvorstellbaren Ausmaßes, ergossen sich innerhalb kürzester Zeit auf die südwestlichen Regionen Serbiens. Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic rief am Freitag den Notstand aus. 

Von Andre Eric Keller

Die extremen Regenmassen welche sich in den letzten Tagen ergossen hatten, sind für den neu gewählten serbischen Ministerpräsidenten Vucic eine Katastrophe. In den rund 120 Jahren der Wetter-Aufzeichnungen war so ein Niederschlag noch nicht gemessen worden. Auch in den nächsten Tagen wird noch keine Entspannung der Lage erwartet. Die Regierung veranlasste die Evakuierung der Städte Obrenovac und Sabac. Aus ganz Serbien werden Hilfskräfte mit Bussen herbei gerufen. Ebenfalls hat man die EU um Hilfe gebeten. Österreich, Deutschland, Kroatien und Ungarn haben Hilfe zugesagt. Bulgarische und russische Hilfsmannschaften sind bereits eingetroffen. Die Hilfsmannschaften werden zunächst für die Evakuierung und für den Bau der Teiche benötigt, um so eventuell das Ärgste noch abwenden zu können. Verzweifelt versucht man noch zu retten was zu retten ist.

Ein Fiasko für die serbische Wirtschaft

Ohnehin haben sich bis jetzt nur die ganz großen und global agierenden Unternehmen in Serbien positioniert. Speziell die europäischen Unternehmen sind sich noch nicht ganz sicher, ob sie am serbischen Markt teilnehmen. Die Nachteile sind eigentlich ob der mitlerweilen vorhanden Rechtsicherheit geringer geworden. Bis auf die ortsübliche Korruption bietet der Standort Serbien aber andererseits verlockend geringe Lohnnebenkosten, welche doch in Europa das Vielfache betragen. Auch die Nähe zum europäischen Markt und der Anschluss an das transeuropäische Autobahnnetz und den Eisenbahnkorridor ist ein gewichtiger Entscheidungsfaktor.  

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Die serbische Landbevölkerung ist am Schlimmsten dran. Geringe Einkommen welche bei rund 150-300 Euro monatlich liegen, sind außerhalb der großen Städte üblich. Sie versorgen sich meist selbst. Ein paar Hühner, Schweine und auch Kühe sind fast überall zu finden. Irgendwo hinter dem Haus ein Garten oder Äcker wo Gemüse und Obst angebaut wird. Der Überschuss wird getauscht oder auf dem Marktplatz verkauft. Diese Menschen die aber das alles verloren haben, stehen vor dem existenziellen Ruin. Wer Familienmitglieder in Westeuropa hat, kann sich glücklich schätzen, denn die unterstützen zumeist die noch verbliebenen Verwandten in der Heimat. Viele junge Menschen kehren Serbien sowieso den Rücken, die Länder der Europäischen Union sind meist das Ziel. So hat auch Serbien – wie auch die EU, das Problem der Überalterung der Gesellschaft. 

Der Schaden geht in die Milliarden 

Wenn das Hochwasser zurück geht, wird das Ausmaß der Katastrophe erst so richtig deutlich werden. Was die Menschen aber sofort brauchen um ihre Grundbedürfnisse zu stillen, sind warme Kleidung und Schuhe, Decken, Nahrung und Lebensmittel und vor allem Wasser. Das Wasser der allermeisten Brunnen ist jetzt nicht mehr genießbar, weil sich das Trinkwasser im Boden mit dem Abwasser der Senken vermischt. Manch ein unguter Zeitgenosse will bereits jetzt schon aus der Not eine Tugend machen. So bietet man in manchen Geschäften Wasser um den doppelten Preis an. So schnell kann das kristallklare Nass zum höchsten Gut werden. Lasst uns weniger verschwenderisch mit den wertvollen und lebenswichtigen Ressourcen umgehen. Ich hoffe das ist uns allen eine Lehre.   

Die Menschen in Serbien sind jetzt auf Hilfe von außen angewiesen.

Auf Facebook wurde bereits eine Veranstaltung von Mitgliedern der serbischen Diaspora erstellt, welche zu einer Hilfsaktion für die Flutopfer in Serbien aufrufen.

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