Euro

Italien und Frankreich können den Euro sprengen

Die größten Gefahren für die Eurozone lauern nicht etwa in Griechenland, Irland oder Portugal, die volkswirtschaftlich nur eine geringe Rolle spielen; vielmehr in den europäischen Riesen Italien und Frankreich. Beide Länder befinden sich derzeit auf einem Schlingerkurs nahe dem ökonomischen und finanziellen Abgrund.

Von Marco Maier

Vor einem Kollaps der kleinen Krisenstaaten muss man nicht sonderlich viel Angst haben. Insgesamt betrachtet wäre ein Teilausfall der finanziellen Verpflichtungen durchaus verkraftbar. Das einzige Problem hierbei: Jeder etwas größere wirtschaftliche oder finanzielle Schock könnte die maroden Länder Frankreich und Italien kollabieren lassen. Griechenland, Portugal und Spanien hingegen können ohnehin kaum mehr noch tiefer fallen.

Um die Dramatik der Lage zu begreifen, muss man nur einen Blick auf die wichtigsten Kennzahlen aus Rom und Paris werfen: Die öffentliche Verschuldung explodiert, viele Unternehmen wandern aus, die Arbeitslosigkeit steigt, und die Politik zeigt sich in Sachen Reformen nach wie vor unwillig. Deren politischen Vertreter versuchen sogar, den Status quo einzufrieren, und setzen lieber auf die Geldschwemme-Karte.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Steuersenkungen sollen den Konsum anregen und somit die Wirtschaft stärken. An und für sich ist dies ja keine schlechte Idee, wenn da nicht der Umstand der Auswirkungen auf den Außenhandel wäre. Ein nicht unerheblicher Teil der Steuergeschenke fließt nämlich via Importe in die Kassen der internationalen Handelspartner, so dass die öffentlichen Haushalte noch stärker belastet werden.

Vorschläge, die Franzosen und die Italiener sollten doch den "deutschen Weg" in Form von Reformen analog jener der "Agenda 2010" Gerhard Schröders gehen, sind jedoch fehl am Platz. Man kann soziale Ungerechtigkeiten nicht bekämpfen, indem man neue schafft. Es zeigt sich immer mehr, dass Europa nicht mit den Mitteln konservativer Theorien zu retten ist. Das was Europa braucht, ist der Mut zu einer umfassenden Veränderung.

An den Universitäten und in der Politik gibt es so viele Volkswirte - wo bleibt die Beschäftigung mit alternativen ökonomischen und finanziellen Modellen? Wie könnte sich Europa entwickeln, wenn man zum Beispiel die Theorien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie umsetzt? Wie sähe unsere Zukunft aus, wenn man ein staatliches Bankensystem etabliert, und den Fokus verstärkt auf die Besteuerung von Vermögen anstatt von Einkommen (siehe mein Buch "Eine soziale Marktwirtschaft schaffen") legt?

Gerade die wankenden Riesen und die nach wie vor existentielle Bedrohung der Realwirtschaft durch das fragile Finanzsystem zeigen auf, dass die konventionellen Ansätze versagen. Fallen jedoch Italien und Frankreich, reißen diese nicht nur die Eurozone, sondern ganz Europa in ein gewaltiges Loch hinein. Und die Zeiger stehen derzeit deutlich auf Kollaps dieser Länder.

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