Das Team von Ghana ist zerstritten und die Spieler sind sich nur in einem einig: Sie wollen ihre Prämien noch vor dem Spiel gegen Portugal und haben mit einem Streik gedroht. Bei den Portugiesen versuchte Ronaldo die Mannschaft in Schutz zu nehmen und den Druck heraus zu nehmen indem er sagte, Portugal sei nie Favorit gewesen. Die Medien stürzten sich auf ihn und interpretierten alles mögliche in seine Worte. Die Medien kündigten auch den Rücktritt von Paulo Bento an, was er prompt verneinte und die Gerüchteküche kritisierte.

Rui Filipe Gutschmidt

Heute ist es so weit. In der Hoffnung auf einen Sieg der Deutschen, wenn möglich mit mehr als einem Tor Unterschied, treffen Ghana und Portugal in Brasilia aufeinander. Die Spiele sind um 18 Uhr in Brasilia und die Mannschaften sind schon gestern angereist.

Für das Team aus Ghana war das sogar eine Art Flucht vor den Reportern, die sensationssüchtig das Hotel der Afrikaner belagerten. Die Spieler hatten ihre Prämien für die Qualifikation noch nicht bekommen und in Ghana gab es viele Familien, ja ganze Gemeinden, die auf dieses Geld warteten. Schließlich hatte die FIFA der ghanaischen Föderation die Prämie für die Teilnahme an der WM längst ausgezahlt. Wer die Umstände in Afrika kennt der versteht, dass es den Spielern nicht um Reichtümer geht, sondern ums Prinzip. Die 73.000 Euro werden ihnen bar ausbezahlt, weil viele Spieler kein Bankkonto haben und weil sie den Offiziellen in Accra nicht vertrauen.

Also haben die Spieler damit gedroht, gegen Portugal nicht zu spielen. Doch eine Chartermaschine brachte ihnen das Geld rechtzeitig nach Brasilia. So waren die Spieler bei der gestrigen Pressekonferenz alle wieder guter Dinge. Das Spiel wird stattfinden und es wird wohl ein gutes Spiel. C. Atsu, 2012/13 portugiesischer Meister mit dem FC Porto, sagte: „Wir müssen das Spiel jetzt gewinnen, damit wir nicht für bezahlte Söldner gehalten werden. Es bleib uns nichts anderes übrig.“

Auf der anderen Seite haben wir die Seleção, die mit der Kritik zu Hause zu tun haben. Die Tatsache, dass Ronaldo den Ballon d’or gewonnen hat, die überzeugende Vorstellung im Play-Off gegen Schweden und in den letzten Spielen der Vorbereitung zur WM, hatten die Erwartungen zu Hause aufgebauscht. Die Frage, ob die Verletzungen rechtzeitig geheilt sein würden, schien auch geklärt, als alle Stammspieler, im letztem Testspiel gegen Irland, wieder integriert wurden.

Man scherzt schon, Paulo Bento hätte ein Feldlazarett mit nach Brasilien genommen. „Das fliegende Krankenzimmer“ sozusagen. Wie kann es sein, dass von 23, nur noch 18 zur Verfügung stehen? Bei allen Erklärungsversuchen scheint mir, dass die Portugiesen, durch ihre Spielweise, einfach mehr gefault werden und bei den Meisterschaften die sie hinter sich haben, mit Champions und Europa League Gewinnern, haben die besten Spieler auch die größten physischen Probleme. Wenn man dann noch den Mangel an Weltklassespielern in der zweiten Reihe hinzuzählt, hat man eine teilweise verständliche Erklärung.

Doch die Medien waren damit nicht zufrieden. Erst schossen sie sich auf Ronaldo ein. Er muss doch wissen, dass er verletzt ist. Seine Rede, in der er sagte, sie seien schließlich nie Favoriten gewesen und dass er ein schlechtes Vorbild für das Team wäre.

Als Nächstes kam Pepe an die Reihe, der nach der Pressekonferenz kritisiert wurde, er wäre uneinsichtig. Ich weiß ja nicht, was die Reporter und Kommentatoren gehört haben, aber es war nicht das Selbe wie ich Pepe sagen hörte. Er hat sich für sein unüberlegtes Handeln entschuldigt und gestand ein, der Mannschaft geschadet zu haben. So weit so gut, doch manche wollten von ihm hören, dass er zurecht die Rote Karte gesehen hat – doch diesen Gefallen hat er ihnen nicht gemacht.

Wie ich schon erwähnte, hat ihn die FIFA für ein Spiel gesperrt und damit seine Aktion nicht als Aggression gegen Müller interpretiert. Wenn dem so gewesen wäre, dann hätte Pepe heute nicht spielen dürfen. Wieso sollte er etwas gestehen, was er nicht getan hat? Die Zeit der Inquisition ist schon lange vorbei. Doch als eingebürgerter Brasilianer hat er nicht nur Freunde bei dieser WM.

Zu guter Letzt noch der Höhepunkt einer Attacke, von der ich nicht genau weiß, von wo sie ausgeht. Das Gerücht wurde verbreitet, dass Paulo Bento nach der WM das Handtuch wirft und zurücktritt, egal wie das Spiel gegen Ghana läuft. Er habe sich mit den Direktoren der FPF gestritten und die Mannschaft stünde auch nicht mehr hinter ihm. Mit einem hatten diese Schmierfinken recht. Es ist egal wie das Spiel heute ausgeht. Er hat, vor dem Play-Off gegen Schweden, einen zwei Jahresvertrag unterschrieben und viel wichtiger als das, hat er ein Projekt für diese Zeit. 
Keiner im Lager der Portugiesen glaubt, das Löw und Klinsmann eine Absprache halten und ich auch nicht. Der Schüler will dem Lehrer zeigen, dass er ihn übertroffen hat. Alles ist bereit, für einen spannenden Tag voller Fußball. Das Bier ist kalt gestellt, das Knabberzeug steht auf dem Wohnzimmertisch und der Taschenrechner ist auch bereit.  Es kann los gehen, der Ball rollt…

PS: Bei den „Black Stars“ aus Ghana wurden Sulley Muntari vom AC Milan und der Schalker Kevin-Prince Boateng aus disziplinarischen Gründen von der Mannschaft ausgeschlossen.

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