Mitten in der Fußball-Weltmeisterschaft veröffentlichte der Internationale Währungsfonds (IWF) erneut ein Papier, in dem es um die Teilenteignung von Finanzvermögen geht. Bei allen Bedenken hinsichtlich Sparbücher, Bausparverträge und Lebensversicherungen sollte man jedoch bedenken, dass Millionen Menschen in Deutschland ohnehin keine Geldreserven haben, die dafür herangezogen werden könnten.

Von Marco Maier

Der IWF gilt nicht unbedingt als "Anwalt des kleinen Mannes", da dessen Auflagen für die Kreditvergabe häufig vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten jener Länder trifft, deren Regierungen auf IWF-Gelder angewiesen sind. Griechen und Portugiesen können darüber ein Liedchen singen – die Ukrainer bald ebenso.

Wirft man nun einen Blick auf die Vorschläge des IWF hinsichtlich der Heranziehung privater Vermögensbestände zur Tilgung der Verbindlichkeiten hoffnungslos überschuldeter Staaten, kann man durchaus die Vorgehensweise kritisieren. Allerdings sollte man bedenken, dass ein solcher Schritt für die meisten Menschen ohnehin kaum finanzielle Auswirkungen hätte. Wer über kein nennenswertes Vermögen verfügt, dem kann man auch nicht viel wegnehmen.

Vermögensverteilung Deutschland 2002-2012Wie die Grafik verdeutlicht, besitzen nämlich rund 28 Prozent der Haushalte in Deutschland entweder gar kein Vermögen, oder aber sind gar verschuldet. Nimmt man den Median (je 50 Prozent haben mehr oder weniger als die angeführte Summe) her, wäre gar die Hälfte der Bevölkerung entweder nicht oder kaum von der Vermögensabgabe betroffen. Erst ab etwa dem 75. Perzentil (die reichsten 25 Prozent) träfe sie jene Menschen, die wirklich über ein nennenswertes Vermögen besitzen.

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Dabei muss man zusätzlich noch bedenken, dass von den 7,4 Billionen Euro an Bruttovermögen (2012) insgesamt 5,1 Billionen Euro in Grund- und Immobilienbesitz bestehen, denen Verbindlichkeiten (v.A. Hypothekenkredite) in Höhe von 1,1 Billionen Euro gegenüberstehen. Relevant für die IWF-Vorschläge ist aber das Finanzvermögen (ca. 2,3 Billionen Euro).

Insofern dürfte – unter Berücksichtigung der Immobilienvermögen – ein eventueller Zugriff auf die Privatvermögen vor allem die reichsten 10-20 Prozent der Bevölkerung treffen. Die marginalisierte Mittelschicht selbst müsste wohl nur einen kleinen Beitrag leisten, während rund die Hälfte der Bevölkerung schlicht zu wenig Finanzvermögen (Sparguthaben, Aktien, Anleihen, Versicherungen…) auf der Seite hat.

Da mit der "Blaupause Griechenland" jedoch zuerst die Anleihenbesitzer und Kreditgeber ihren Beitrag leisten sollen, dürfte ein Zugriff auf die Sparguthaben – wie es der IWF schon vorschlug – jedoch eher unwahrscheinlich werden. Von diesem Schuldenschnitt betroffen wären jedoch nur wenige Menschen. Denn: selbst wenn beispielsweise die Besitzer von Staatsanleihen (v.A. Banken und Versicherungen) bei einem Schuldenschnitt zum Handkuss kommen, sind effektiv nur wenige Menschen davon betroffen. Noch weniger, als beim generellen Zugriff auf die Finanzvermögen.

Schlussendlich bleibt als Fazit, dass ohnehin zuerst die Gläubiger der überschuldeten Staaten auf einen Teil des Geldes verzichten werden müssen. Auch wenn dies bedeutet, dass eine Fonds und Versicherungen dadurch Geld verlieren. Sollten sich die Regierungen jedoch dazu entschließen auch eine einmalige Vermögensabgabe ins Auge zu fassen, so würde diese (v.A. wenn ein Freibetrag festgelegt wird) ohnehin vorwiegend jene Menschen treffen, die über ein umfangreiches Finanzvermögen verfügen.

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6 KOMMENTARE

  1. Die Analyse lässt außer acht, dass vor allem Pensionsfonds und Lebensversicherungen Inhaber von Staatsanleihen sind. Werden diese zu Zwangsabgaben genötigt, sind sehr wohl auch die Altersversicherung von lohnabhängig Beschäftigten und Gerningverdienern betroffen. Ihre Belastung ist damit zeitlich nur ein wenig aufgeschoben, wird sie aber durch Mindereinkünfte im Alter voll treffen.

    • Dennoch besitzen weniger als die Hälfte der Deutschen derartige Anlageprodukte, und jene in den unteren Einkommenschichten haben – sofern sie es sich überhaupt leisten können – in derartigen Finanzprodukten nur geringe Summen investiert.

      • Das müssen Sie belegen!

        Meines Wissens nach liegt der Prozentsatz unter Berücksichtigung der Altervorsorge (Riester, Direktversicherungen durch Arbeitgeber, betriebliche AVs) und Lebensversicherungen bereits deutlich über 50%!

        Ich kann den Hinweis von Buergerblick nu unterstützen!

        MfG

        Michael Sögner

    • Genau das ist durch die Hintertür gewollt.
      Wer glaubt, dass die obersten 10 % der Reichen auch nur einen Euro Schuldenschnitt zahlen, der ist total verblödet!

       

  2. Es ist einfach nur krank, denen dich sich im Leben etwas erarbeitet haben, etwas wegzunehmen. Das erinnert mich an Enteigungen im dritten Reich

  3. Bei uns läuft die Enteignung schon. Seit sieben Jahren Erpressung mit ca. 15 aufgezwungenen Verfahren mit Prozeßbetrug und Lügen. Wo ist da der "Rechtsstaat"?

    Jetzt agiert der Gerichtsvollzieher mit nicht rechtskräftigen Urteilen und Beschlüssen.

    Ob rechtskräftig oder nicht interessiert die Leute nicht! Erstaunliches im "Rechtsstaat"!

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