Türkei: Erdogans Ministerwahl lässt Lira taumeln

Präsident Erdogan hat seinen Schwiegersohn und früheren Energieminister zum Finanzminister ernannt. Das ließ die türkische Lira massiv an Wert verlieren.

Von Marco Maier

Die stark importabhängige türkische Volkswirtschaft kämpft derzeit mit einem starken Kapitalabfluss, einer sehr hohen Inflationsrate und dem anhaltenden Verfall der Landeswährung Lira gegenüber den wichtigen Außenhandelswährungen Dollar und Euro. Der eben erst wiedergewählte Präsident Recep Tayyip Erdogan sorgt jedoch mit seinen politischen Maßnahmen nicht gerade dafür, eine Stabilisierung zu fördern. Ganz im Gegenteil wird es immer schlimmer.

Als er beispielsweise seinen Schwiegersohn und vormaligen Energieminister (mit angeblichen Verbindungen zum "Islamischen Staat", von dem er Öl gekauft haben soll) zum Finanzminister ernannte, obwohl dieser unter dringendem Verdacht steht, mit dem inhaftierten türkisch-iranischen Goldhändler Reza Zarrab geschäftliche Verbindungen zu haben, welcher die US-Sanktionen gegen das Nachbarland umging, stürzte die Lira erneut ab. Mit ein Grund ist auch die Absetzung von Mehmet Simsek, der zuvor als stellvertretender Premierminister als letzter kühler Kopf in der Regierung galt, wenn es um die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Landes ging.

Innerhalb von nur wenigen Minuten stürzte die Lira von 4,60 auf 4,75 pro Dollar ab, konnte sich zwischenzeitlich jedoch wieder bei 4,70 Lira je Dollar einpendeln. Geht der bisherige Trend der letzten Monate jedoch weiter, könnten wir bereits in einem Jahr einen Preis von 6 bis 8 Lira je Dollar erwarten. Im Vergleich zu Euro (aktueller Kurs etwa bei 5,50) sind bis in einem Jahr etwa 7 bis 9 Lira möglich. Das wäre eine Halbierung des Außenwerts innerhalb von nur zwei Jahren.

Angesichts der Personalwahl für die Schlüsselministerien und dem anhaltenden Druck auf die türkische Notenbank durch Erdogan und der nunmehrigen Implementierung der Präsidialrepublik darf man davon ausgehen, dass die staatlichen Interventionen deutlich zunehmen und sich die Lage in der Türkei massiv verschlimmert. Für den türkischen Präsidenten wird es somit zur politischen Überlebensfrage, ob er es schafft eine Stabilisierung einzuleiten oder aber die Schuld für die ökonomische und finanzielle Destabilisierung äußeren Kräften zuzuschieben.

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