Portugal – Parlament beschließt Rechte für Haustiere

Rein rechtlich haben Tiere vieler Orts den selben Rechtsstatus wie ein Buch, ein Smartphone oder ein Kugelschreiber. In Portugal macht sich die Wahl eines Abgeordneten der Tier- und Umweltschutzpartei PAN – Pessoas Animais e Natureza – für den Tierschutz bezahlt. Nach verschiedenen Tierschutzgesetzen wurde jetzt das Statut der Haustiere im portugiesischem Parlament geändert. Sie bekommen jetzt Rechte als fühlende Wesen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die PAN ist eine 2011 gegründete Tier- und Umweltschutzpartei, die seit 2014 in ihren Namen und ihren Zielen auch den „Personenschutz“ mit einschließt, hat seit den Wahlen vom 4. Oktober 2015 einen Abgeordneten im portugiesischem Parlament. Dieser einzelne Vertreter der PAN – Partidos pelas Pessoas, Animais e Natureza –, André Silva, hat in seiner kurzen Zeit schon einige Gesetze eingebracht und meistens wurden diese mit Hilfe der Linksparteien PEV, PCP, BE und PS auch angenommen. So war es auch diesmal, als die Mitte-Rechtspartei PSD dafür stimmte und die ebenfalls Konservativ-bürgerliche CDS sich der Stimme enthielt. Jetzt werden die Einzelheiten in einem Parlamentsausschuss besprochen um dann den Haustieren ein rechtliches Statut zu geben, welches sie als fühlende Lebewesen deutlich von einem Gegenstand, einem Sachwert, abgrenzt. In Deutschland, Österreich oder Frankreich sind Tiere ebenfalls schon seit länger keine Sache mehr, auch wenn vor Gericht ein toter Hund meist nur als finanzieller Verlust gilt. Das soll sich hier ändern.

Die Tiere in Portugal haben in der Praxis schon seit einiger Zeit gewisse Rechte, die aber mit dem Schutz von Sachwerten vergleichbar sind. Die Misshandlung oder gar Tötung eines Haustieres – jetzt bald Mord an einem fühlendem Wesen – sind bereits strafbar, das Gesetz wird auch angewandt. Ein härteres Vorgehen gegen Tierquäler und höhere Strafen hatte André Silva ebenfalls in einem Gesetzesentwurf eingebracht, doch scheiterte dieser Vorstoß an der Opposition der Konservativ-bürgerlichen von PSD und CDS, und an den Kommunisten der PCP, die eher auf pädagogische Maßnahmen setzen wollen und die Mentalität als Ursprung des Problems sehen. So bleibt es vorläufig beim bisherigen Strafrahmen, ein paar andere Vorschläge müssen ein andermal erneut eingebracht werden.

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André Silva sagte im Parlament, dass dieser neue Rechtsstatus auch auf „Nutztiere“ ausgeweitet werden sollte und dass sich die PAN hierfür weiterhin einsetzen werde. Der Fortschritt hin zu einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft, die Umweltschutz, Tierschutz und soziale Gerechtigkeit nach den neuesten Erkenntnissen von Wissenschaft und Technik ausrichtet, ist in Portugal klar zu erkennen. Auch die Jahre unter der Herrschaft der Troika, die noch immer im Hintergrund „lauert“, haben das Volk solidarischer denn je gemacht. In diesem Sinne war die Annahme eines weiteren Tierschutzgesetzes eine Erweiterung der Solidarität auf die emotionale Ebene der Familie im weitesten Sinne. In Portugals Städten, wie auch in vielen anderen Ländern Europas und der Welt, ersetzen die Haustiere oft die Familie, die entweder ihre eigenen Wege geht, immigrieren musste oder aus anderen Gründen nicht mehr anwesend ist. Kein Wunder, dass die PAN so viel Zustimmung bekommt. Sie sind mehr, als nur eine Protestpartei.

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6 Kommentare

  1. Dieses Gesetz benötigt dringend der Islam, damit die Vergewaltigung von Nutzvieh ein Ende findet! Schafe und Ziegen sind dort besonders begehrt, denn sie weisen eine gewisse Gemeinsamkeit auf.

  2. Gefällt mir sehr. Wichtig ist ja auch, daß über den Umgang mit Tieren gesprochen wird. Problematisch kann es werden, wenn Extremisten und Chaoten auftauchen und das Thema kapern.

  3. Solange Hunde im Restaurant generell verboten sind, angeblich aus hygienischen Gründen, halte ich den Vorstoß der PAN fuer reine Kosmetik. Auf der anderen Seite interessiert niemanden die Sauberkeit der Toiletten und Kuechen in der Gastronomie. Es gibt auch immer noch Hausschlachtungen von Schweinen und Schafen, wo es steinzeitlich zugeht. Außerdem werden Hunden vielfach noch an Ketten gehalten und keinen interessiert es. So what? 

    1. Natürlich gibt es solche und solche Hunde. Da wäre mein Hund, der brav an seinem Platz liegt. Und dann Ihr Hund, der, frisch aus dem Fluß gestiegen, dazu kommt. Oder umgekehrt. Nö, muß nicht. Genau wie diese Sorte von Kindern. Samt Eltern.

  4. Prima ! Eine sehr erfreuliche Entwicklung in Portugal .  Notwendig wäre das auch in überhaupt allen südeuropäischen Ländern und leider auch in Dänemark.

    Interessant ist zudem , dass dann Tiere in Portugal  einen höheren Rechtsstatus als  DEUTSCHE  IN  DEUTSCHLAND  haben.  Denn der Deutsche wird ja in seiner Heimat als SACHE aufgeführt , die  keines besonderen Schutzes weiter bedarf und die demnächst auch abgeschafft wird.

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