Da eigentlich die materielle Gleichheit aller ein wesentliches Ziel des Kommunismus ist, scheint in China diesbezüglich etwas schiefgelaufen zu sein. Es gibt dort nämlich eine dünne Schicht von sehr reichen Menschen, die sich leisten können was immer sie wollen. Und sollten sie das nicht auf der Erde finden – einen Super-Mega-Kick, meinetwegen – so können sie neuerdings auch in den Weltraum fahren.

Von Florian Stumfall

Die Internet-Adresse Taobao.com und 599.999 Yuan, das sind 75.000 Euro – mehr braucht man nicht für ein Ticket ins All. Es dreht sich dabei allerdings um ein nur kurzes Vergnügen, was zur Folge hat, dass eine Minute Reisezeit auf 15.000 Euro kommt. Aber das stört den chinesischen Krösus nicht, er hat ohnehin mehr Geld als Zeit. Und wer an einem Premium-Reisepaket interessiert ist, kann auch die Variante zu 1,4 Millionen Yuan wählen, rund 175.000 Euro. Bedenkt man, dass es sich dabei um ein „All-inclusive-Angebot“ handelt, das die Hin- und Rückreise von China zum Mojave Civilian Aerospace Test Center in den Vereinigten Staaten beinhaltet, wo der Start erfolgen wird, so kann man ungeniert von einem Sonderangebot sprechen.

Der Freizeitspaß für Chinas Superreiche wird von der niederländischen Firma Space Expedition Corp., die auch unter dem Namen SXC bekannt ist, angeboten. Auf ihrer Warteliste standen schon nach den ersten Minuten, als das Angebot im Netz war, 305 Namen, darunter diejenigen von vier Unternehmern aus Chengdu und zweien aus Shanghai. "Es ist aufregend, dass Chinesen mit nur einem Mausklick eine Reise ins All buchen können. Hoffentlich leitet das ein neues Kapitel für Chinesen ein, die den Weltraum erkunden wollen", sagte Zhang Yong, der Vorstandsvorsitzende von Dexo Travel, einer einheimischen Reiseagentur, die der einzige Verkäufer von SXCs Angeboten in China ist.

Wie der Veranstalter mitteilt, bietet er ein Vergnügen an, das nicht nur in finanzieller Hinsicht exklusiv ist. Denn die Rakete kann nur einen Astronauten befördern und dazu einen einzigen Ausflügler auf dem Copilotensitz. Der Beifahrer sollte kleiner als zwei Meter sein und nicht mehr als 125 Kilo wiegen. Außerdem muss er großjährig sein und einen Fitness-Check ablegen, was sich bei einem Drei-Zentner-Mann ohnehin erübrigt. Außerdem braucht er ein wenig Geduld. Der erste Start erfolgt nicht früher als im Herbst des kommenden Jahres.

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