WM-Testspiel Portugal gegen Irland. Bild: Federação Portuguesa de Futebol

Die portugiesische Nationalmannschaft hat am 11. Juni 2014, im MetLife Stadium, New Jersey, ihr letztes Testspiel absolviert. Doch die wirklich gute Nachricht für die portugiesischen Fans war nicht der 5:1 Kantersieg gegen Irland, sondern die Rückkehr aller Stammspieler und vor allem jene Cristiano Ronaldos. CR7 ist wieder da – und er hat Ballhunger.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Bei ihrem letztem Test vor der WM haben die Männer von Paulo Bento mit 5:1 gegen Irland gewonnen. Schon im Vorfeld des Spiels war klar, dass Trainer Paulo Bento diesmal die Stammspieler integrieren würde, allen voran natürlich Cristiano Ronaldo. Auch wenn die er die ständigen Fragen der Reporter langsam satt hat, die immer nur von Ronaldo hören wollen, so haben sie diesmal eine Antwort erhalten.

Ronaldo wurde gemeinsam mit Raúl Meireles, Rui Patrício und Rúben Amorim aufgestellt um das Match gegen Irland zu beginnen. Das hat viele Fans beruhigt, die nicht wussten, ob Portugal mit der bestmöglichen Mannschaft gegen Deutschland antreten kann, oder ob Spieler wie Ronaldo, Pepe und Raúl Meireles nur teilweise oder gar überhaupt nicht fit sein würden.

Die Portugiesen die in den USA leben, konzentrieren sich größtenteils auf Newark, New Jersey, im Staat New York. Diese Tatsache hat aus diesem Spiel ein Heimspiel für die Lusitanier gemacht. Man hätte mehr Iren erwarten können, die in dieser Gegend eigentlich auch stark vertreten sind, wie jedes Jahr am Saint Patrick’s Day schön zu sehen ist. Doch Tatsache ist, dass das mit 1,5 Milliarden Dollar teuerste Stadion der Welt, fest in portugiesischer Hand war.

Auch das Spielfeld, mit dem extra ausgerolltem Rasen, war fest in portugiesischer Hand. Pardon, Fuß. Denn zum Spiel selbst muss man sagen, dass die Iren von Anfang an, nicht den Hauch einer Chance hatten. Bereits in der zweiten Minute eroberte Rúben Amorim, als rechter Verteidiger eingesetzt, den Ball und schickte Varela an der Linie entlang. Der Rechtsaußen vom F.C. Porto hebt den Kopf, sieht wie seine Kollegen in der Mitte mitlaufen und auf Höhe des 16-Meter-Raums flankt er Ball wie nach Lehrbuch.

Nach Lehrbuch war auch der Kopfball von Hugo Almeida, der damit das 1:0 erzielte. Beim 2:0 hatte Ronaldo seine Finger, bzw seine Hacke im Spiel. Nach einem Zuspiel mit der Hacke in der 20‘ wurde Coentrão auf der linken Seite isoliert. Mit der ihm eigenen hohen Geschwindigkeit, läuft er zwei, drei Schritte und flankt den Ball angeschnitten in den Strafraum. Beim Versuch den Ball wegzuschlagen, schoss ihn der irische Abwehrspieler Richard Keogh ins eigene Tor. Noch vor der Halbzeit, hatte der Stürmer von Besiktas Istambul, Hugo Almeida, die Möglichkeit mit seinem zweiten Treffer, das 3:0 zu erzielen. Wieder mit dem Kopf hat der lange bei Werder Bremen unter Vertrag stehende stämmige Stürmer den Ball im gegnerischem Netz untergebracht und damit sein 19. Tor im 55. Länderspiel gemacht. So gingen die Kontrahenten mit einem 3:0 in die Pause.

Die zweite Hälfte beginnt mit den Portugiesen im Schongang. Als Resultat bekam die eingeschlafene Hintermannschaft, diesmal mit Ricardo Costa neben Luís Neto im Zentrum der Abwehr, die Konsequenzen eines jeden Fehlers zu spüren. James McClean hat in einem schnellen Konter, eigentlich Portugals Spezialität, das Mittelfeld überbrückt, ist in den Strafraum eingedrungen und als alle den Pass in die Mitte erwartet haben, schoss er auf das Tor und reduzierte dadurch auf 1:3.
Cristiano Ronaldo fühlte sich dadurch in seiner Ehre verletzt und forderte seine Kameraden auf, noch einmal Gas zu geben. Er selber hatte aber nicht mehr so viel Einfluss und wurde, zusammen mit Neto, Meireles und Hugo Almeida in der 65‘ ausgewechselt. Für sie kamen Nani, Pepe, André Almeida und Helder Postiga. Das Spiel bekam neuen Schwung und Portugal zeigte vor allem eine gute Kollektivleistung.

In der 73‘ kam der Wolfsburger Vieirinha für Varela und vier Minuten später gewann er einen Kopfball, den Torwart David Forde zunächst abwehrte, aber den Ball dabei Vieirinha wieder überließ. Beim zweitem Versuch landete der Ball im Netz. Beim Spielstand von 4:1 kam noch Miguel Veloso für R. Amorim. Wie J. Löw schon sagte, sind die Mannen von Paulo Bento besonders gefährlich im Konterspiel, was die Iren zu spüren bekamen, als Fabio Coentrão zum 5:1 Endstand traf. Die Portugiesen hätten sogar noch höher gewinnen können. Ronaldo traf den Pfosten und David Forde hat auch einige Bälle gehalten und damit eine höhere Niederlage verhindert.

Was also, kann man von diesem Team erwarten? Bedeutet die Tatsache, den besten Spieler der Welt in der Mannschaft zu haben, dass Portugal Favorit ist? Das wohl nicht. Doch wenn man Portugal unterschätzt, wird man es mit Sicherheit bereuen. Jetzt, wo alle 23 Conquistadores sich auf dem „Schlachtfeld“ bewiesen haben, können wir uns anschauen, ob sie aus dem gleichem Holz geschnitzt sind, wie jene die vor 514 Jahren in Brasilien an Land gingen. Wie damals Pedro Alvares Cabral, so hat auch Paulo Bento seine Männer sorgfältig ausgewählt.

Im Tor hat Bento die Qual der Wahl. Rui Patricio (Sporting Lissabon) hat in der gesamten Qualifikation das Tor inne gehabt. Wenn man Paulo Bento kennt, weiß man, dass er nur selten von seiner Stammelf abweicht. Eduardo steht, nach seiner Saison bei Braga, ohne neuen Vertrag da. Wahrscheinlich ist das mit ein Grund, weshalb er sich gegen Mexico so ins Zeug gelegt hat. Beto, vom Europaliga-Sieger Sevilla, ist ebenfalls in Höchstform. Dadurch hat Paulo Bento ein Problem in Händen, welches die meisten Trainer gerne hätten: eine große Auswahl an Top-Spielern.

Was die Innenabwehr betrifft, ist es ähnlich L. Neto von Zenit St. Petersburg, Bruno Alves von Fenerbaçe und natürlich Pepe (Real Madrid) sind Weltklassespieler. Wenn Pepe wieder zu 100 Prozent fit ist, wie es zu sein scheint, hat „Mister“ Bento auch hier die Qual der Wahl. Ricardo Costa, wie João Pereira von Valencia, ist vielseitig einsetzbar. In der Verteidigung und im defensivem Mittelfeld kann er jede Position einnehmen. Andre Almeida, vom Meister Benfica, wurde auf der linken Seite in der Abwehr und im Mittelfeld ausprobiert und hat bewiesen, dass seine Nominierung eine gute Entscheidung war. Er ist aber noch zu grün hinter den Ohren, um gegen Deutschland in der Startelf zu stehen. Was man vom rechten Verteidiger João Pereira (Valencia) nicht behaupten kann. Dieser ist verlässlich nach hinten, und seine Flanken bedeuten Gefahr für den gegnerischen Strafraum.

Das Mittelfeld ist besonders gut bestückt und hat außerdem noch Nachwuchstalente, nach denen sich die Schwergewichte des Weltfußballs alle Finger lecken. Miguel Veloso (Dynamo Kiev) spielt für gewöhnlich auf der Position 6, kann aber auch als Außenverteidiger eingesetzt werden. Raúl Meireles, Kollege von Bruno Alves bei Fenerbaçe Istanbul und früher beim F.C. Porto, ist nicht nur für sein verrücktes Aussehen bekannt (Tatoos, Irokesenfrisur und Vollbart), sondern vor allem für seine gute Technik mit dem Ball, Passsicherheit und seine Weitschüsse, die oft genug im Tor landen.

João Moutinho hat den F.C. Porto gegen den AS Monaco eingetauscht und wurde als Flop des Jahres in der französischen Ligue 1 bezeichnet. In Gegensatz dazu, hat er in der Nationalmannschaft nicht im geringsten nachgelassen und eine wichtige Rolle in der Qualifikation gespielt. Sein Kurzpassspiel, sowie seine besondere Sichtweise und schnelle Auffassungsgabe machen ihn zum idealen Assistenten von Cristiano Ronaldo. Er ist der klassische Spielmacher, eine 8. In dieser Position könnte auch Rafa (Sporting Braga) spielen, aber auf der Position 10, im Rücken von einem oder zwei Stürmern, fühlt er sich am wohlsten. Er kann jedoch auch im Sturm spielen. Doch mit seinen gerade erst vollendeten 21 Jahren, hat er noch viel Zeit, um sich für eine Position zu entscheiden.

In Sachen Nachwuchstalenten haben die Portugiesen noch William Carvalho (Sporting Lissabon). Im defensivem Mittelfeld fühlt er sich zu Hause und räumt dort auch gnadenlos auf. Er ist aber auch sehr kreativ und seine Qualitäten beinhalten auch den schnellen Spielaufbau, was dabei geholfen hat, Sporting Lissabon auf den zweiten Platz der Meisterschaft zu bringen.

Die Stürmer sind alle extrem kreativ, technisch und taktisch versiert und torgefährlich. Die vier Flügelstürmer können beide Außenpositionen einnehmen und wechseln im Laufe des Spiels häufig die Flanke. Vieirinha (VfL Wolfsburg) wurde aufgrund seiner guten Saison bei den Wölfen in die Seleção berufen, obwohl er zwischen dem 7. Und dem 29. Spieltag verletzt war. In Portugal waren viele der Meinung, dass Paulo Bento Ricardo Quaresma (F.C. Porto) an seiner Stelle hätte mitnehmen sollen. Doch sind die Außenstürmer sowieso purer Luxus.

Auch wenn Varela beim FC Porto nicht so im Rampenlicht steht, so war er immer schon ein fester Bestandteil der Seleção und hat schon viele wichtige Tore gemacht, bzw vorbereitet. Nani (Manchester United) hat eine schwere Zeit in seinem Verein durchgemacht, wo er meistens auf der Bank saß. Umso größer ist sein Ballhunger, was er in den Testspielen unter Beweis stellte.

Was uns zu dem bringt, der den größten Ballhunger von allen hat. FIFA-Weltfußballer des Jahres Cristiano Ronaldo. Über ihn braucht man wirklich nicht viel sagen, außer vielleicht, das er zu 100 Prozent wieder fit ist. Das ist für jeden, der gerne guten Fußball sieht, eine gute Nachricht, mit Ausnahme der Deutschen, Amerikanern und Ghanaern.

Portugal spielt für gewöhnlich nur mit einer Sturmspitze. Daher hat Coach Bento nur drei Stürmer dabei. Stammspieler während der Qualifikation war Helder Postiga von Lazio Rom. Mit 6 Toren in 10 Spielen scheint klar zu sein, dass er der bevorzugte Stürmer ist. Doch auch Hugo Almeida (Besiktas Istambul) hat die Absicht diesen Platz einzunehmen. Mit zwei Toren gegen Irland hat er seine Kandidatur nochmal unterstrichen. Zu guter Letzt bleibt noch Éder von Sporting Braga. Sein Verein hatte die schlechteste Saison der letzten Jahre, doch das war nicht seine Schuld. In den Testspielen hat er zwar gut gespielt, aber er konnte kein Tor machen.

Doch bei allen Stars und Sternchen, Talent und Erfahrung, Technik und Taktik, der wahre Trumpf der Portugiesen ist das Team. Sie bilden eine eingeschworene Gemeinschaft, deren Stimmung nicht besser sein könnte. Und auch die Nähe zu den Fans ist ein Plus, wobei nicht nur Portugiesen ihrer Seleção die Daumen drücken, sondern Fans in der ganzen Welt mit ihnen Mitfiebern. Die Portugiesen wurden in einem Klima der Hysterie und Ronaldomanie empfangen und bei ihren Spielen werden die Brasilianer ihre Brüder anfeuern.

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