Kiew hat noch nicht einen Dollar seiner Außenstände beglichen – doch jetzt dreht man dort den Spieß einfach um. Der Schuldner fordert Geld vom Gläubiger und wirft mit abenteuerlichen Zahlen umher.
Von Daniela Disterheft
Auf der Krim, die seit einem Referendum wieder russisch ist, befindet sich eine Gasreserve, für welche Kiew seinerseits Russland eine Milliarde Dollar in Rechnung stellt. 2,2 Milliarden Kubikmeter Gas forderte der noch amtierende Übergangspräsident der Ukraine, Arseni Jazenjuk, von Russland zurück. Das ist die Gasmenge, welche man nach der Preisstaffelung Gazproms für eine Milliarde Dollar erhält. Diese Menge Gases sei in den Speichern des ukrainischen Gasunternehmens Chernomorneftegaz gespeichert.
Der Sprecher von Chernomorneftgaz, Waleri Kontenew, wies diese Forderung umgehend zurück. Der ukrainische Gasspeicher verfüge über ein Fassungsvermögen von höchstens 1,2 Milliarden Kubikmetern. Am 15. Mai diesen Jahres befanden sich in diesem Speicher ganze 768 Millionen Kubikmeter Gas. Chernomorneftegaz befand sich bis zum Tage des Referendums am 17.05.2014 in Besitz des Unternehmens Naftogaz.
Per 18.05.2014 ging Naftogaz in Staatsbesitz über. Das Unternehmen gehört also der Republik Krim. Die Fördermenge dieses Unternehmens betrug im Jahre 2013 1,6 Milliarden Kubikmeter.
Ab Juni gilt für Kiew jedoch: Gaslieferungen gibt es angesichts der massiven Außenstände erst nach Vorkasse. Was also geschieht in vier Tagen in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land? Bleibt nur zu hoffen, dass die in den Wahlen abgeschlagene Gasprinzessin Timoschenko keine fertigen dunklen Pläne in petto hat.
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