Zeitung lesen im türkischen Café. Bild: Flickr / bixentro CC BY 2.0

So etwas wie Pressefreiheit existiert in der Türkei nicht wirklich. Unbequeme Journalisten werden entweder gefeuert oder inhaftiert. Es wird nicht einmal versucht, den Anschein zu wahren, wie es in den meisten Ländern Europas der Fall ist.

Von Marco Maier

Journalisten haben in der Türkei einen schweren Stand. Wer bei AKP-freundlichen Medien arbeitet wird bei zu kritischer Berichterstattung gegenüber der Regierung oder dem Präsidenten schnell mal gefeuert und wer bei regierungskritischen Medien arbeitet muss unter Umständen auch mit einer Inhaftierung rechnen.

Selbst Medienunternehmen werden immer wieder von der türkischen Polizei gestürmt und ganz gewiss auch systematisch vom Geheimdienst überwacht. Nicht umsonst landet die Türkei gemäß dem Pressefreiheit-Index der Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" nur auf Rang 149 von 180. Zum Vergleich: die nordeuropäischen Staaten Finnland, Norwegen, Dänemark und Schweden befinden sich in den Top Fünf, Österreich rangiert auf Rang 7, Deutschland auf Platz 12 und die Schweiz schafft es noch auf auf den 20. Platz.

Gegenüber der türkischen Tageszeitung "Hürriyet" sagte der Chef der oppositionellen CHP, Sezgin Tanrikulu, dass im vergangenen Jahr 484 gerichtliche Verfahren gegen Journalisten eingeleitet wurden. Zudem wurden demnach 200 Presse-Mitarbeiter und sieben Medienunternehmen von den Behörden untersucht. Der Oppositionspolitiker warf der türkischen Demokratie deshalb den "Bankrott" vor.

Loading...

Insbesondere seit dem Syrien-Krieg gilt in der Türkei zu diesem Thema ein ähnlicher quasi vorgegebener Weg wie seit je her beim PKK-Konflikt: Wer nicht entsprechend der Regierungslinie berichtet, muss mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Dort wo man in Deutschland oder Österreich eher mit wirtschaftlichem Druck arbeitet um zumindest nach außen den Anschein einer wirklichen Pressefreiheit zu wahren, greift man in der Türkei eben mit juristischen Mitteln ein, um die Berichterstattung zu beeinflussen.

Bitte unterstützen sie uns!

Wenn Sie liebe Leser, uns unterstützen wollen, dann tun sie das am besten mit einer Spende oder mit einem Dauerauftrag mit dem Kennwort "Contra Magazin" auf folgendes Konto: IBAN: DE54 7001 1110 6052 6763 88, BIC: DEKTDE7GXXX oder per Paypal und Kreditkarte. Wir bedanken uns herzlich!

Loading...

7 KOMMENTARE

  1. Dann werden diese türkischen "Journalisten" wohl alsbald als "politisch Verfolgte" hier einfinden – hier dürfen sie alles schreiben, was Merkel für richtig hält!

  2. Tja..und unsere sauberen Politiker mit der EU unterstuetzen das System- Erdogan tatkraeftig.

    Die Tuerkei ist ein Brandbeschleuniger…und sollte schnellstens aus der Nato katapultiert werden.

    Stattdessen macht man gemeinsame Sache..und schmeisst die proklamierten Werte ueber Bord.

    So macht man sich zum Komplizen…und vernichtet den letzten Rest von Demokratie.

    Hier hat in den letzten Jahren eine unglaubliche Kriminalisierung der Politik stattgefunden..die einen Sprachlos machen kann.

    Was das Gesetz nicht verbietet,verbietet der Anstand./Seneca

  3. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß Journalisten tatsächlich Staatsfeinde sind, wie man in Deutschland sieht. Vor allem linke Journalisten sind das gar nicht so selten.

  4. Dass in der Türkei, die Gülen Bewegung und die Dogan Group viele Teile der Medien beherrscht und die Regierung mit einer Parallel Staat untergräbt, sollte hier aber mal erwähnt sein. 

  5. Wo bleibt hier der Aufschrei unserer Gutmenschen? Deren Parteienvertreter wollen doch die Türkei schnellstmöglich in die EU aufnehmen. Aber offenbar hat die westliche Wertegemeinschaft mit Pressezensur, Verfolgung und Folter politisch Andersdenkender und dubiosen Geschäften der Amtsinhaber keine Probleme. Es ist zu befürchten, dass uns Erdogans Regime nur vormacht, was wir schon in Kürze von Brüssel zu erwarten haben. Widerstand wird zur Pflicht!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here