Überschwemmung bei Porto, Nordportugal. Bild: Youtube

Sturm, starker Regen, Gewitter und sogar Tornados verwüsten gerade den Norden Portugals. Schneechaos in den Bergen und Erdrutsche, umgestürzte Bäume und schwerer Seegang haben auch Menschenleben gefordert. Am schlimmsten aber sind die Überschwemmungen, die jetzt auch Porto erreicht haben. Die Schäden sind noch nicht abzuschätzen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

2016 hat sich die Sonne rar gemacht und wenn in der Ski-Instanz der Serra da Estrela der Schnee willkommen war, brachte er Chaos in die Bergregionen Portugals. Das Verkehrschaos ist vorprogrammiert sobald auch nur ein bisschen Schnee fällt, da kaum jemand Winterreifen hat oder gar wissen, was das ist. Schlimmer noch: Die meisten Menschen im Landesinneren haben oft keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit und daher kein Geld zum Reifen wechseln. Man fährt bis der Reifen platzt. Aber auch Schulen blieben geschlossen – wo doch viele Kinder nur dank der Schulkantine eine warme Mahlzeit bekommen und selbst die Eltern der ärmsten Schüler dort etwas zu essen erhalten.

Das aufgepeitschte Meer legt seinerseits die Fischerei lahm und hat schon einige Seelen gefordert. Es gibt immer wieder die Unverbesserlichen, die sich der Gefahr nicht bewusst sind, obwohl sie es müssten, die zu nahe ans Wasser gehen und dann von einer größeren Welle erfasst werden. Aber auch Fischer riskieren ihre Leben, weil sie sonst ihre Familie nicht ernähren können. Erdrutsche begraben Hab und Gut und manchmal auch Menschen unter dem Schlamm. In den Städten stürzen alte, verlassene Häuser ein und begraben oft daneben geparkte Autos unter sich.

Die Stadt und das Umland von Porto, hat es am schlimmsten erwischt. In Matosinhos, im Norden von Porto – wo der Hafen und Flughafen Portos sind – gab es einen Tornado, der Dächer abdeckte und Fensterscheiben zerbrach. Bäume knickten um wie Streichhölzer und Autos wurden wie Spielzeug die Straßen herunter geblasen. Seit über einer Woche regnet es und seit 4 Tagen wird die Region von einem Sturmtief beherrscht. Gestern, am 10. Januar, kamen in weniger als einer Stunde über 20 Liter Wasser pro Quadratmeter runter. Daher traten Portugals Flüsse über die Ufer. Der Douro, an dessen Hängen der berühmte Portwein reift, hat eine traurige Geschichte diesbezüglich.

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In den letzten Jahren wurden die Extremwetterlagen immer häufiger. 2015 war das wärmste und trockenste Jahr, seitdem es Aufzeichnungen gibt. Außerdem war es eines der trockensten Jahre. Extreme Trockenheit wird auch als ein möglicher Grund für Überschwemmungen genannt. Denn nach einem trockenem Sommer, nach Waldbränden und bei Grundwasser absinkender Vegetation (Eukalyptus), sind die Böden verhärtet und nehmen nur wenig Wasser auf. Bei heftigen Regenfällen fließt das Wasser schnell in die Flüsse, die dann Über ihre Ufer treten. Bei anhaltendem Regen wird die Erde, die nicht durch mitteltiefes Wurzelwerk gehalten wird, weggespült. Die Folge sind Erdrutsche, die Straßen und Schienen unbefahrbar machen. Zwei Züge entgleisten gestern, ohne allzu viel Schaden anzurichten.

Die Staudämme halten auch nur so viel zurück, wie ihre Kapazität zulässt. Aber die Versandung der Flüsse und entsprechendes Fehlen des Sandes, der ins Meer und dann an die Strände gespült wird, ist ein weiteres Problem. Als wäre das Ansteigen des Meeresspiegels nicht genug des Übels, reißt das aufgewühlte Meer jeden Winter die Sandstrände weg, statt den Sand der Flüsse anzuspülen. Die wirtschaftsrelevanten Strände müssen daher Jahr für Jahr aufgefüllt werden, mit Sand den man in den Flussbetten ausbaggert. Das kostet viel Geld und nach vier Jahren Austerität konnten viele Maßnahmen nicht durchgeführt werden. So hat man die Wiederaufforstung vernachlässigt und leider wieder den Grundwasserdieb, den Eukalyptus, gepflanzt. Albufeira traf diesmal nicht, weil im Süden gelegen aber diesen Winter schon zwei mal – ist ein Beispiel für Fehlern bei der Drainage des Regenwassers. Doch es gibt andere Beispiele.

Das Klima verändert sich, ob man wie ich an einem massiven Einfluss des Menschen glaubt oder nicht. Wenn wir dem nicht entgegenwirken, werden wir noch mehr und noch schlimmere Extremwetterlagen erleben. Dann kann es passieren, dass noch mehr Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Noch mehr „Klimaflüchtlinge“, die durchaus auch wir selbst sein könnten. Darüber sollte man mal nachdenken. Vielleicht sieht die Welt dann ganz anders aus, wenn man für sich selbst die Lage analysiert, statt anderen, die ihre ganz eigenen Interessen haben, alles nachzuplappern. Die Gefahren kommen meist von ganz anderer Stelle als erwartet und manchmal sind die, die eben noch um Hilfe geben werden auch die, die selbst Hilfe nötig haben.

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11 KOMMENTARE

  1. Wir können nicht entgegenwirken.

    Ich bin mir sicher vor 5000 Jahren hat es das schon mal gegeben. Die Welt verändert sich. Das Klima wird sicher wieder ruhiger aber ob wir da noch leben.

    Es könnte auch sein das jemand uns Menschen satt hat. Wir sind die 5. Menschenrasse und leider die letzten. 

  2. Auf der anderen Seite wird hier aber der Regen dringend gebraucht. Wohne im Süden Portugals. Gott sei Dank, sind hier keine solche dramatischen Auswirkungen zu verzeichnen, wie im Norden. Der erste effiziente Regen, seit einem Jahr. Die Stausseen sind aber noch nicht voll und der Grundwasserspiegel noch nicht merklich gestiegen. D.h. es muss noch mehr regnen, sonst haben die Bauern wieder keinen Ertrag und die Brunnen werden in den ersten Sommertagen trocken. Früher, lt.port.Bauern, regnete es im Winter ca. 3-4 Monate, mehr oder weniger stark. Diese Zeiten sind wohl vorbei. Schaun wir mal.

    • Richtig. Lt. Wetterbericht ist der Regen auf dem Weg (Coimbra steht schon unter Wasser). Es soll aber nicht zu Überschwemmungen kommen. Es gab in Portugal immer viel Regen im Winter und auch mal Überschwemmungen. Einerseits wurden Deiche und Staudämme gebaut, andererseits sind die Böden versiegelt. Strassen, Häuser, und weniger Agrarflächen. Ich wünsche ihnen jedenfalls, dass sie und ihre Familie und Freunde von Schäden verschont bleiben.

  3. Wir leben seit 21 Jahren in Mittelportugal und ich kann mich erinnern, dass es hier immer im Winter sehr stark geregnet hat. Wir hatten schon ein Jahr, in dem wir von Oktober bis Mai Regen hatten und alles überschwemmt war. Es gab jede Menge Wintergewitter.

    Naja, die nächsten 10 Tage sollen ja – zumindest bei uns in der Region Aveiro/Vagos – wieder ganz gut werden

    • Dann sind wir ja fast Nachbarn. St Maria da Feira liegt nicht in der Nähe der Ria und daher bleibt die Stadt eher verschont. Ich bin aber gerne zum angeln an die Ria gefahren. 

  4. „2016 hat sich die Sonne rar gemacht…“ Ööööhm…schon wieder ein Jahr vorbei ? so schnell ? Dabei dachte ich es hat gerade begonnen, lol

  5. Heglische Dialektik:

    Man kreiert ein Problem um sogleich den Massen seine Loesung anzubieten.

    Also,man konstruiert ein Wetterwahnsinn namens "Global Warming"

    durch HAARP und Chemtrails und offeriert denn Voelkern der Erde zur

    Loesung dieses Problems die Einweltre-gierung unter UN und IWF.

    Dabei wird den Menschen die Einweltregierung durch humanistische Ideale

    (siehe Agenda 2030 der UN) schmackhaft gemacht.

    Das perfide dabei ist, das die Voelker weiterhin Geld bei den privaten Banken

    leihen muessen uns ueber das Steuer-Zinsenbezahlkonstrukt und

    die dabei entstehenden Schulden an die wenigen, machgierigen Eliten

    weiterhin mephistophilisch versklaven.

    Henri Kissinger:"…wer das Geld kontrolliert ,der regiert die Welt."

    Wer das nicht verstanden hat,der hat noch nichts verstanden.

    Wer hier eine Verschwoerungstheorie wittert ,der darf sich mal 

    fragen ,warum der chinesische Yuan seit Ende 2015 unter anderen

    mit dem US-Dollar ganz artig im Weltreservewaehrungskoerpchen der 

    Sonderziehungsrechte des IWF's sitzt?

     

     

    • 1816 hat die Asche des Krakatua die Nordhalbkugel Monatelang verdunkelt. Zyklen gibt es, haben aber nichts mit diesen 11 Tagen Monsoon in Europa zu tun. El-Niño schon eher. Dennoch ist nicht der Regen, sondern die versiegelten Böden an den Überschwemmungen schuld. Wer den Artikel AUFMERKSAM liesst, merkt, dass ich es nicht auf Klimaerwärmung schiebe, die meiner Meinung nach vom Menschen beeinflusst wird, die aber kaum einer mehr leugnen kann.

      Noch Fragen

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