IWF-Chefin Christine Lagarde. Bild: Flickr / Valsts kanceleja CC-BY-SA 2.0
IWF-Chefin Christine Lagarde. Bild: Flickr / Valsts kanceleja CC-BY-SA 2.0

Griechenland-Krise: Handelt nur noch der IWF rational?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) weigert sich, am sogenannten "Hilfsprogramm" für Griechenland teilzunehmen. Diese finanzielle Kamikaze-Aktion wurden von den Ökonomen der Organisation heftigst kritisiert. Nun stehen Brüssel, Berlin, Frankfurt und Athen vor einem politischen Scherbenhaufen.

Von Marco Maier

Dass der Plan von Schäuble & Co bezüglich Griechenland nicht aufgehen wird, ist nicht nur jedem Menschen klar, der die Grundrechenarten halbwegs kapiert hat, sondern auch den Ökonomen des Internationalen Währungsfonds. Dieser hatte erst kürzlich in einem von den Experten erarbeiteten Papier (dessen Publikation die EU-Bonzen verhindern wollten) einen völlig anderen Sanierungsplan für das finanziell am Abgrund stehende Land veröffentlicht.

Für die Brüsseler und Frankfurter Eurokraten, sowie Deutschlands "Schwarze Null" aus Schwaben kamen jedoch die Forderungen der IWF-Ökonomen nach einem umfassenden Schuldenschnitt und einer völligen Umschuldung zu tragfähigen Konditionen nicht in Frage. Wozu auch den eigenen Wählern verklickern, dass man in den letzten Jahren aus politischen Gründen den finanziellen Schaden nur vergrößert hat, anstatt den Griechen wirklich eine Chance zu geben?

Die IWF-Versammlung hat laut einem Bericht der "Financial Times" weitere Gelder für Griechenland ausgeschlossen, da zuerst die horrende Schuldenlast drastisch verringert werden müsse und Athen weder "institutionell" noch "politisch" in der Lage sei, notwendige Strukturreformen umzusetzen. Während Letzteres noch ein kleineres Übel darstellt, spielt die Gesamtverschuldung von rund 170 Prozent der Wirtschaftsleistung eine immense Rolle bei der Entscheidung, ob der IWF nun Finanzmittel bereitstellt oder nicht.

Nun stehen nicht nur die EU-Vertreter selbst vor einem politischen Scherbenhaufen, sondern auch Alexis Tsipras samt Gefolge. Denn ohne das Geld aus den IWF-Kassen, kann Athen die am 20. August an die EZB fällige Zahlung von 3,2 Milliarden Euro nicht leisten. Dies bedeutet jedoch, dass die am selben Tag stattfindende nochmalige Abstimmung des Deutschen Bundestags ein böses Ende nehmen wird. Denn vor die deutschen Parlamentsabgeordneten haben eine Zustimmung für das sogenannte "Hilfsprogramm" an eine Teilnahme des IWF geknüpft. Und Tsipras? Dessen Pokerspiel geht nun nicht mehr auf, wodurch die Abweichler innerhalb der Syriza Aufwind bekommen werden und die Hardliner des linken Flügels somit in einer deutlich stärkeren Position sitzen dürften.

Noch eine Wende kann der griechische Premierminister nicht hinlegen. Erst gegen die Forderungen aus Brüssel und Berlin, dann während der Verhandlungen eine mindestens 95-prozentige Übereinstimmung erzielen, danach ein "verbindliches Referendum" ansetzen welches er nur Stunden später völlig ignoriert - und nun? Wieder alles auf Anfang? Das nimmt dem wendigen Linkspopulisten niemand mehr ab.

Tsipras, Varoufakis & Co hatten die Chance, sich auf die Seite des IWF zu schlagen und so entsprechenden Druck auf Brüssel, Frankfurt und Berlin auszuüben. Das war jenes Ass im Ärmel, welches die Athener Riege leider schon verspielt hat. Denn mit dem massiven Rückhalt im griechischen Volk und einem zur Vernunft gekommenen IWF im Rücken hätte die griechische Regierung eine Lösung erarbeiten können, die den EU-Politikern zwar einiges an Reputation bei den Wählern gekostet hätte, da sie ihre Fehler der letzten Jahre hätten eingestehen müssen - doch Griechenland hätte zumindest eine reelle Chance zur wirtschaftlichen und finanziellen Gesundung bekommen. Wenngleich es dennoch einige bittere Pillen zu schlucken gehabt hätte.

Sicher, via ESM & Co sind die geplanten 86 Milliarden Euro auch aufzubringen, die das derzeitige Programm vorsieht. Doch Tsipras hat für sein Land alles auf eine Karte gesetzt und nun offensichtlich verloren. Zwar werden die Karten nun wohl neu gemischt, doch spätestens in 2-3 Jahren werden diese wieder ausgegeben, da dann die nächste Grexit-Debatte auf uns wartet. Bis dahin wird Athen den Schuldenberg jedoch massiv vergrößert haben was bei einem dann ohnehin nötigen Schuldenschnitt weitaus umfangreichere Verluste mit sich bringen wird - sofern Athen nicht gleich den Staatsbankrott anmeldet. Was werden Schäuble & Co dann machen?

4 Kommentare

  1. der IWF randelt …. rational ?

    Bilder sagen manchmal mehr als 1000 Worte
    Widerstreitend und trotzdem „ein Herz und eine Seele“

    https://www.google.de/search?q=varoufakis+lagarde&hl=de&gbv=2&prmd=ivns&source=lnms&tbm=isch&sa=X

  2. Nichts als Sommertheater, und das erst noch sau schlecht. Der IWF handelt unter der Direktive der obersten US-Regierungs-Gang. Lagarde kann so wenig gegen ihre US-Auftraggeber handeln wie Merkel oder Hollande & Consorten. Jetzt fehlt noch die EZB mit ihrem Vabanque-Spieler Draghi, die vorübergehend kein Geld geben. Dass ich nicht lache! Griechenland zahlt gar nichts, ohne dass es nicht vorher das nötige Geld vom IWF, der EZB, dem ESM oder möglicherweise von noch weiteren neuen Fonds-Töpfen Flüssiges erhält. Denn Griechenland ist pleite. Punkt. Und wenn nicht bezahlt wird, sprich Druckgeld, ähm - Schuldgeld in Milliardenhöhe an die griechische Regierung weitergereicht wird, ja was dann?, dann fliegt das globale Finanz-Betrugssystem im Nu auf. Alles andere, was darüber geschwafelt wird, ist nichts als dummes verzweifeltes Ablenkungsmanöver.

  3. So kann es ausarten, wenn Dilettanten einen Euro einführen. Wenn jemand wie Kohl mit dem Kopf durch die Wand will. Wenn auf „Teufel komm raus “ eine Chimäre gebildet wird. Wenn man schlauer als das Volk sein will und eine Volksabstimmung ablehnt. Was soll man von diesen Hilfsschülern halten? „Wau-Wau und Diätenklau“!? Je kleiner das Gehirn umso lauter bellen sie.

  4. Da steht Sie ! Verdient ein Heidengeld und ist nichts wert ! Mir ist bisher schleierhaft, wo sie die alle ausgraben !?

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