China ersetzt Russland als Hauptabnehmer zentralasiatischer Energielieferungen

Gazprom wird in Zukunft usbekische Erdgas-Einkäufe reduzieren, erklärte Vsevolod Cherepanov, Analyst des internationalen Gas-Forums in St. Petersburg, gegenüber russischen Medien. Während Moskau also verstärkt auf sibirische Lagerstätten setzen will, positioniert sich der chinesische Energiemarkt alternativ als neuer Großkunde in Zentralasien.

Von Ali Özkök

Der russische Beamte machte deutlich, dass Anstrengungen, die zwischenstaatlichen Vereinbarungen allmählich aufzukündigen, bereits im vollen Gange seien. Nichtsdestotrotz sollen kurzfristig noch keine signifikanten Reduzierungen durchgesetzt werden. In der russischen Energie-Importbilanz für 2014 seien, so fügte Cherepanov hinzu, zentralasiatische Energieträger demnach noch fest inbegriffen.

Usbekistan exportiert seit 2003 Erdgas nach Russland, das in Sibirien aufbereitet und über Pipelines weiter nach Europa transportiert wird. Bisher ist Russland der Hauptabnehmer usbekischer Energie-Exporte.

Taschkent generiert jährlich 63 bis 65 Milliarden Kubikmeter Gas, davon sind rund 50 Milliarden für den heimischen Verbrauch bestimmt. Dem Vertragsdokument entsprechend strömten vor einem Jahr 7,5 Milliarden Kubikmeter Gas aus Usbekistan gen Russische Föderation, während die Exportmenge 2012 noch bei 8,7 Milliarden Kubikmeter gelegen hatte. Im Dezember des gleichen Jahres unterzeichnete das weltweit größte Erdgasförderunternehmen, Gazprom, mit der usbekischen Regierung ein milliardenschweres Förderabkommen, das laut russischen Medien Erdgas-Lieferungen bis ins Jahr 2015 regeln soll.

China ersetzt Russland als Hauptabnehmer usbekischen Gases

Bisher blieb der zentralasiatische Staat vor allem auf das russische Pipeline-Netz angewiesen. Weil aber die Regierung in Taschkent in den letzten Jahren verstärkte Anstrengungen unternahm, mithilfe russischer und chinesischer Investitionen nicht nur neue Lagerstätten zu erschließen, sondern auch konkret neue Handelspartner ausfindig zu machen, ist in den Markt Bewegung gekommen. Der neue große Player in Taschkent ist Peking, das seinen eigenen Energie-Warenkorb durch eine zentralasiatische Energie-Ergänzung zu diversifizieren sucht. Seit Dezember 2009 wurde daher die transasiatische Gaspipeline, die turkmenisches Erdgas über usbekisches sowie kasachisches Territorium nach China transportiert, fertig gebaut.

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Auch Usbekistan dürfte, indem es ab 2015 seine Erdgas-Exporte gen Osten gezielt umleitet, in Gestalt von China einen lukrativen Handelspartner gewinnen und auf diese Weise den Ausfall durch das endende Russland-Geschäft zu kompensieren wissen. Analysten erwarten, dass das Reich der Mitte bis spätestens 2021 zum Hauptabnehmer usbekischen Erdgases werden könnte. Gaslieferungen nach China werden auf zehn Milliarden Kubikmeter im Jahr 2015 ansteigen, nachdem sie 2013 noch sechs Milliarden umfasst hatten.

Auch wenn Moskau aus dem direkten Import von Erdgas mit Usbekistan aussteigt, bleibt Gazprom in zahlreichen usbekischen Energie-Projekten investiert. So werden die Gazprom-Tochter Zarubezhneftegaz in Kooperation mit der Gas Project Development Central Asia AG, an der das russische Unternehmen ebenfalls einen Anteil von 50 Prozent hält, gemeinsam die im Ustjurt- Plateau vorhandenen acht Milliarden Kubikmeter Erdgas fördern.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Eurasia News.

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