Der Finanz-Tsunami nimmt seinen Lauf

Die relative Ruhe an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen und Monaten hat viele Menschen glauben lassen, die Lage habe sich nach den Turbulenzen zu Jahresbeginn entspannt und sei doch nicht so ernst ist wie zunächst angenommen. Sie irren. Die gegenwärtige Lage ist erheblich instabiler als zu irgendeinem Zeitpunkt seit der Jahrtausendwende und birgt erhebliche Gefahren in sich.

Von Ernst Wolff

Acht Jahre sind vergangen, seit das globale Finanzsystem unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand. Statt die Schuldigen – skrupellose Spekulanten in den Führungsetagen der Finanzindustrie – zur Rechenschaft zu ziehen, erklärten die Regierungen in aller Welt die großen Finanzinstitute für „too big to fail“ und retteten sie mit Hilfe von Steuergeldern, also dem Geld arbeitender Menschen. Um die dadurch entstandenen riesigen Löcher in den Staatshaushalten zu stopfen, bürdeten sie die Folgen dieser Politik ebenfalls der arbeitenden Bevölkerung auf. Unter dem Banner der „Austeritätspolitik“ senkten sie deren Lebensstandard und zwangen sie, Einbußen aller Art hinzunehmen.

Die Verursacher der Krise wurden sogar noch belohnt

Die Verursacher der Krise dagegen wurden für ihr Verhalten sogar noch belohnt. Für sie wurden riesige Mengen an Geld geschaffen, das ihnen bis heute zu immer niedrigeren Zinssätzen zur Verfügung gestellt wird. Statt es – wie von der Politik zur Täuschung der Öffentlichkeit behauptet – für neue Investitionen und damit zur Ankurbelung der Realwirtschaft zu benutzen, setzt die Finanzindustrie den Löwenanteil des Geldes auch nach dem Beinahe-Crash wieder zur Spekulation an den Finanzmärkten ein. In der Gewissheit, „too big to fail“ zu sein und im Notfall erneut gerettet zu werden, haben die Banker ihre spekulativen Aktivitäten seit 2008 sogar ausgeweitet und gehen heute größere Risiken ein als zuvor.

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Der Finanzsektor, der das System damals existentiell bedroht hat, wuchert deshalb unkontrolliert weiter. Die Realwirtschaft dagegen stagniert und schrumpft, da ihr durch der den Finanzsektor das Blut in Form von Kapital entzogen wird und auch die Nachfrage auf Grund der austeritätsbedingten geringeren Einkommen zurückgeht. Das wiederum führt dazu, dass die Kluft zwischen denen, die von ihren Vermögen leben, und denen, die von ihrer Arbeit leben müssen, immer größer wird.

Inzwischen hat die Entwicklung jedoch eine neue Stufe erreicht, da die bisherigen Maßnahmen nicht mehr richtig greifen oder neue Risiken mit sich gebracht haben: Jahrelanges Gelddrucken hat zur Entwertung des Geldes und zur Inflation geführt – nicht in der Realwirtschaft, sondern an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten, in die das frische Geld größtenteils geflossen ist. Unterstützt durch das parasitäre Verhalten der großen Marktteilnehmer (zum Beispiel das Rückkaufen eigener Aktien durch das Management von Großkonzernen zum Zweck der Erhöhung der eigenen Boni), haben sich riesige Blasen gebildet, die jederzeit platzen und zu einer Panik an den Märkten führen können.

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Der Weg führt zwangsläufig zu immer größerer Instabilität

Die kontinuierliche und mittlerweile bis in den Negativbereich reichende Senkung der Zinsen (auch „billiges Geld“ genannt) erhöht ebenfalls die Instabilität des Systems: Sie zwingt bisher zur Vorsicht neigende Anleger wie Pensionsfonds, Rentenkassen und Krankenkassen, konservative Anlageformen über Bord zu werfen und durch Spekulation an den Finanzmärkten immer höhere Risiken einzugehen. Außerdem untergräbt sie die Lebensgrundlage kleiner und mittlerer Banken (z.B. deutscher Sparkassen und Raiffeisenbanken), die derzeit händeringend nach Rezepten suchen, um die Verluste in ihrem früheren Kerngeschäft – der Kreditvergabe an den Mittelstand – auszugleichen.

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Beide Entwicklungen zusammen haben dazu geführt, dass selbst früher als normal geltende Korrekturen der Märkte verhindert werden müssen, da diese durch den Bankrott einzelner Marktteilnehmer rasch zu einer Kettenreaktion und so zum Zusammenbruch des Systems führen könnten. Sobald es zu ersten schärferen Abwärtsbewegungen an den Märkten kommt, greifen deshalb die Zentralbanken – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – direkt oder über Mittelsmänner mit frischem Geld ein, manipulieren auf diese Weise die Kurse noch stärker und verzerren so das im Verhältnis zur Realwirtschaft mittlerweile groteske Bild der Märkte bis zur Unkenntlichkeit.

Die größte Gefahr aber lauert wie schon seit Jahren im Bereich der Derivate, deren Umfang von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf zurzeit ca. 550 Billionen Dollar, von Insidern sogar auf 1,5 Trillionen Dollar geschätzt wird. Unter diesen von der Realwirtschaft abgekoppelten reinen Finanzwetten müssen zurzeit insbesondere die Kreditausfallversicherungen und die Zins-Swaps als finanzielle Tellerminen gelten.

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11 Kommentare

  1. jep…… das der IST Zustand des Finanzmarkts. Lediglich bei der "letzten Option" würd ich widersprechen wollen weil Waffenproduktion für sich genommen zunächst einmal Arbeitsplätze schafft durch Direktinvestition der Staaten in die Wirtschaft. Zwangsläufig zu Krieg muss das nicht führen. Man kann es auch als Krücke nutzen um sich über eine Krise zu hangeln, um Zeit zu gewinnen, Zeit die man braucht um einiges neu zu ordnen bzw. aufzustellen. 🙂

    1. Den Krieg kann man hoffentlich klug umgehen. Unsere Politik schafft meiner Meinung aber immer mehr Hass in der Welt an – die Flüchtlingspolitik dient denen sicher auch dafür.

      Von der Politik kann man Sache Krieg sicher nicht viel Positives erwarten, aber vielleicht diesmal von den Menschen in echter Arbeit. Zwar hatten wir zu Zeiten des Dritten Reiches wegen des vorhergegangenen Putsches (Weimarer Republik entstand) auch keinen wirklichen Staat mehr, aber die Menschen konnten zu der Zeit besser mit Propaganda überflutet werden. – Heute hat die Welt das weltweite Netzwerk namens Internet, um sich umfangreicher zu informieren. Dann ist nur noch zu hoffen, dass die heutigen Politikschauspieler der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH (jetzt Nichtregierungsorganisation) keinen Zwang bei der Einberufung zum Krieg ausüben können, denn sie sind nun einmal kein Staat und ich möchte für mich ungerne auf der Seite der Feinde (unsere angeblichen Befreier) kämpfen müssen.

      1. Die Nummer mit der Einberufung zur Kriegsführung ist leider längst hinfällig. Bald schon braucht man für die Kriege nur mehr noch drei vier Programmierer und eine einzige Person kann am PC den totalen Krieg führen.

        Die Evolution der Intelligenz scheint nicht mit der der Technik mithalten zu können. So wird wohl früher oder später einer der Mächtigen seiner eigenen Gier nach Macht nachgeben bevor er sie abgibt.

    1. Der beste, effizienteste und nachhaltigste Weg einen Krieg zu verhindern ist die eigene persönliche Mäßigung, die Fürsorgepflicht sich selbst gegenüber.

      Der Dirk Müller, seine Meinung und sein daraus erwachsender Einfluss ist wirklich faszinierend. Das Paradoxon der Egomanie einer modernen Gesellschaft. Ich denk das Volk sollte ihn zu seinem Führer machen. Man verdient einander.

       

  2. Ein guter Bericht von Ernst Wolff.  

    Es müsste jedem klar sein, daß es demnächst zum Crash kommen wird und wegschauen und aussitzen keine Lösung ist. 

    Wer sein Ersparten weiter auf der Bank hat ,verdient kein Mitleid. Leider haben wir keinen Einfluss auf unsere Rente. Vielleicht ist physisches Gold und Silber die letzte Möglichkeit  wenigstens etwas von seinem Ersparten am Staat vorbei zu retten und für die Zukunft eine Option zu haben.

    Im Falle eines Krieges wird es letztlich aber egal sein was man noch besitzt. 

    Das beste ist jedoch schon j

     

  3. Daß es zum Krieg kommen wird, zeigen allein schon die Ereignisse die zum amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 – 1865 führten, welcher durch das damalige 'Quantitative Easing' ausgelöst wurde, u.a. als man festestellte, daß das amerikanische Umlaufgeld zum größten Teil gefälscht war und einzelnen amerik. Staaten nicht mehr konnten oder wollten ihre Targetkonten auszugleichen, was heute in dieser 'EU' schon zur gängigen Praxis gehört. So benötigt es keiner großen Phantasie mehr wohin das führen wird, da das alles 'too big to save' geworden ist.

     

  4. Yes, "Alle Kriege sind Banker-Kriege". Aber die Post-Moderne lässt eine Frage, immerhin damit verbunden, aufwerfen: Wem dient eigentlich ein Atomkrieg?

    1. Keinem, deswegen wurden ja Elektro und Magnetische Strahlenwaffen, Schalkanonen etc. entwickelt. Auf die Art sind die lästigen Mäuler weg, Zugang und Verwertung der Bodenschätze uneingeschränkt möglich.

  5. Das Geld und seine "Dauergeburt" von Derivaten ist der Kern des Problems. Die "Geburtshelfer" sind die Kreise und Akteure, die das Bankensystem tragen und von ihm unmittelbar profitieren (=Hochfinanz und Superreiche). Da sie das Bankensystem aber nicht mehr verantworten (=too big to fail), was eigentlich normal wäre, wurde und wird immer weiter die Welt zum Kreiß-Saal des Geldes ausgebaut. Dafür setzen sie ihre menschlichen  "Derivate" ein (=Funktionseliten, darunter vor allem Politiker, mediale und andere Meinungsverbreiter). In diesem Kreiß-Saal erblicken dann, im Sog des neuen Schuldgelds Bail-Ins, Staatsbankrotte, Kriege und Massenelend der Reihe nach und am Ende gleichzeitig das Licht der Welt. Und dann wird uns die "schöne neue Welt" angeboten. Darauf werden wir vorbereitet (konditioniert), ohne dass die Mehrheit das wahrnimmt.

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