Günther Jauch | Schicksalstage in Europa - auf wen hört Putin noch. Bild: Youtube

Selbstverständlich war, wie in Deutschland nahezu ausnahmslos üblich, der Adressat der verminderten Hörfähigkeit in Putin zu finden.  Ein, bei unbefangener Prüfung der Fakten zumindest theoretisch ebenso möglicher Titel, "Schicksalstage in Europa – Auf wen hört Obama noch?" ist in deutschen Sendeanstalten wohl in das Reich der konstruktiven aber vergeblichen Phantasie zu verweisen.

Von Wilfried Michalski

Aber es war schon mal ein Ansatz. Und für für deutsche Verhältnisse ein überraschend klarer. Hatte Jauch zum Einstieg noch gefragt, ob die Reise nach Moskau im Signum von "Bitte-Bitte" stattfand und bei Kornblum nachhakte, ob die "Europäische Initiative" ein Zeichen der "Stärke oder der Schwäche Europas“ sei, so kam doch die eigentliche Dimension hinter der europäischen Initiative mit den ersten Ausführungen von Kujat klar auf den Tisch: Die Dimension, dass aus einem "Krieg in der Ukraine" ein "Krieg um die Ukraine" wird. Und "das wäre eine Katastrophe für Europa und darüber hinaus". Das scheint auch Schulz verstanden zu haben, wenn er sich gegen die Rede von "Stärke und Schwäche" wendet und betont "Wir reden über Krieg"!

An der Stelle wäre eine Pause des tiefen Nachdenkens wünschenswert gewesen. Vielleicht hätte sich aus dem Innehalten und Erfassen dessen, was uns mit einem großen Krieg ins viel beschworene 'Europäische Haus' stehen könnte, ein anderer Gesprächsverlauf ergeben.

Denn die auch in der Folge immer wieder aufgeworfene Frage nach den Waffenlieferungen, Zeichen der Stärke usw. stellt sich ab dem Punkt nicht mehr, an dem man seine wahre Situation realisiert. Das wiederum scheint Moderator Jauch sehr schwer zu fallen, denn sonst wären seine immer wiederkehrende Fragen an die Sinnhaftigkeit einer vorausgesetzten und völligen Absage 'militärischer Optionen' undenkbar. Das war von der gleichen Qualität als würde jemand vor einer 2 Meter dicken Betonwand stehen und sich überlegen mit welchen Betonwickeln um den eigenen Kopf die Wand denn zu durchbrechen sei? Die schlichte Erkenntnis der Stabilitäten von Genick und 2 Meter Beton müsste genügen um definitiv und final zu erkennen, das man sich bei dem Versuch den Hals bricht. Aber offensichtlich nicht bei Jauch und auch nicht bei Kornblum.

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Letzterer wollte denn auch nicht ausschließen, dass Amerika, ohne die EU, oder gegebenenfalls ohne Deutschland, Waffen an die Ukraine liefern könnte. Damit käme der Krieg einer direkten Konfrontation Russland-Amerika einen Schritt näher. Das wiederum sollte den Amerikanern sehr zu denken geben. Was aber hinsichtlich der tieferen Absicht der Amerikaner mit und in der Ukraine nicht unbedingt zu erwarten ist.

Sicherlich gibt es an der Sendung einiges zu kritisieren, aber man kann schon froh sein, wenn einige zentrale Aspekte dieses Konflikts wenigstens mal einige Zentimeter neben den üblichen Leitplanken der 'westlichen Abstimmung' verläuft. Vielleicht sickert so doch langsam durch, dass das mit den gefälligen Eindeutigkeiten (Stichwort: Wir sind die Guten) letztlich nicht so eindeutig ist.

Leider gibt es immer wieder sehr negative Beispiele für die 'vorgeschalteten Eindeutigkeiten', wie  die MH 17 Schuldzuweisung von Schulz an die Adresse Moskaus bewiesen hat. Dass gerade da (und an vielen anderen Stellen) die Eindeutigkeiten auf sehr hinterfragbarem Grund stehen, hat Frau Krone-Schmalz mit dankenswerter Klarsicht und fundierten Kenntnissen eingebracht. Es bleibt also die Hoffnung, dass, trotz aller inhaltlichen Fragwürdigkeiten, die allgemeine Nachdenklichkeit befördert wurde. Und das ist in diesen Tagen und Zeiten in diesem Land nur zu begrüßen.

Einen weiteren Kommentar zur Sendung finden Sie hier.

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2 KOMMENTARE

  1. das video von dieser sendung stoppt bei 55.00. als herr kunat sagt: ich finde es abenteuerlich

    haben Sie vielleicht die möglichkeit an das video in der gesamten länge zu zeigen, danke —

     

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