Fast alle Konzernbosse der deutschen Automobilindustrie traten heute in Berlin gemeinsam auf, um für das umstrittene Freihandelsabkommen der EU mit den USA zu werben. Damit reagieren sie auf die zunehmenden Proteste gegen TTIP. Ängste von TTIP-Gegnern würde man zwar ernst nehmen, jedoch nicht teilen.

Von Marco Maier

Gemeinsam mit den Bossen der Zulieferer Bosch und Kirchoff traten die Vorstandsvorsitzenden von Audi, BMW, Daimler, Porsche und den Kölner Ford-Werken auf, um sich für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP stark zu machen. Die Chefs von Volkswagen, Martin Winterkorn, und Opel, Karl-Thomas Neumann, nahmen aus Termingründen an dem Treffen nicht teil. Vor allem die Automobilindustrie erhofft sich durch das Abkommen deutliche Erleichterungen.

"TTIP bietet eine einmalige Chance, unsere Märkte auf beiden Seiten des Atlantiks besser zu integrieren", warb beispielsweise Daimler-Chef Dieter Zetsche. BMW-Chef Norbert Reithofer sagte, Autozölle als Schutz der heimischen Wirtschaft vor Wettbewerb, seien zwischen Europa und den Vereinigten Staaten nicht mehr zeitgemäß. "Keine Seite muss vor der anderen geschützt werden." Ein solches gemeinsames politisches Statement haben die Autobosse noch nie abgegeben.

Die Autokonzerne argumentieren damit, dass sie viel Geld sparen können, wenn wegen unterschiedlicher Vorgaben nicht mehr verschiedene Blinker, Seitenspiegel und Abblendlichter für die USA und Europa produziert werden müssten. Allein die Zölle in den USA und der EU addieren sich laut Branchenverband VDA auf rund eine Milliarde Euro im Jahr. VDA-Chef Matthias Wissmann sagte, man nehme die Ängste der TTIP-Gegner ernst, teile sie aber nicht. Das Abkommen werde "eine Quelle nachhaltigen Wachstums und Wohlstands für alle Bürger in den USA und der EU".

Dass sich die deutschen Autobauer derart massiv für TTIP ins Zeug legen, verwundert nicht. Derzeit gilt Nordamerika nach China als zweitwichtigster Wachstumsmarkt für die gebeutelte Branche, die unzählige fertig produzierte Autos quasi auf Autofriedhöfen zwischenlagert, weil sie mehr produzieren als verkaufen. Nach offiziellen Angaben wurden allein in den USA im vergangenen Jahr über 16 Millionen Fahrzeuge verkauft, was einem Plus von 6 Prozent entspricht. Grund dafür sind unter anderem auch die billigen Spritpreise, die nun auch schlechter Verdienenden den Unterhalt eines PKWs ermöglichen und anderen die Anschaffung eines Zweitwagens.

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Angesichts der drohenden Verschlechterung von Standards und der Implementierung von privaten Schiedsgerichten (ISDS), die vor allem die breite Bevölkerung beiderseits des Atlantiks treffen werden, gibt es jedoch sehr umfangreiche Kritik. Vor allem die Gewerkschaften und Umweltschutzorganisationen gehören zu den vehementesten Kritikern des Freihandelsabkommens. Die Automobilhersteller vergessen zudem, dass eine entsprechende Übereinkunft zwischen der EU und der USA hinsichtlich der Normen für Autoteile wie Blinkern, Seitenspiegeln oder Abblendlichtern auch ohne ein solches Abkommen geschlossen werden könnte.

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3 thoughts on “Deutschlands Autoindustrie macht sich für TTIP stark”

  1. " Die Automobilhersteller vergessen zudem, dass eine entsprechende Übereinkunft zwischen der EU und der USA hinsichtlich der Normen für Autoteile wie Blinkern, Seitenspiegeln oder Abblendlichtern auch ohne ein solches Abkommen geschlossen werden könnte."

    Besser ist diese Idiotie nicht zu umschreiben. Demokratieabbau und Scheingerichte statt Rechtsstaatlichkeit für monotone gleichgestaltete Autokarossen? Da hat doch sonst immer eine ganze Industrie mit dem Slogan "Individualität im Fahrzeugbau" geworben und findet jetzt eine homogenisierte uniglobale Pkw-Form hip? Wer s denn glauben mag, glaubt auch daran, dass unsere Politikclows den Volkssouverän vertreten!

  2. Ganz einfach: keine deutschen Autos mehr kaufen! Die waren ja auch schon besser …….

    Denn da gibt es ja noch Toyota, Mitsubishi, Volvo, BAIC, Honda oder Jaguar.

  3. Gutes und sichtbares Beispiel, wie Wirtschaftsbosse zugunsten ihres eigenen Portemonnaies und ihrer Positionen gemäss US-Wunsch ihre Länder verkaufen. Sicher bekommen sie von den Amerikanern für diese Aktion einen rechten Obulus.

    Anstatt benzinfreie Autos zu produzieren, sorgen diese Alt-Herren für die Produktion benzinschluckender Luxuslimusinen und Offroader, die vor allem als Statussymbol einer kleinen begüterten Gruppe dient. Kein Mensch in den Städten braucht wirklich diese benzinschluckenden Blechbüchsen, die nur die Umwelt verpesten. Entsprechend läuft die Produktion schon seit Jahren auf Halde. Bleibt die Frage, wie sich diese Branche überhaupt finanziell über Wasser hält. Dahinter stecken Skandale, Lug und Betrug. Dass sich die europäischen Bosse der Autobranche nun noch medial für TTIP produzieren, vervollständigt nur das faule Bild dieser Branche.

     

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