Die Schweizer wollen wieder Einwandererkontingente haben, dies ist das Resultat der jüngsten Abstimmung. Anstatt sich heuchlerisch über das eidgenössische Votum zu echauffieren, sollte die Brüsseler Eurokratie jedoch zuerst einmal einen kritischen Blick auf die eigene Migrationspolitik werfen.

Jahrelang haben die Schweizer zugesehen, wie im Zuge des Freizügigkeitsabkommens mit der EU immer mehr Menschen in das kleine Alpenland strömten. Seit dem Jahr 2002 waren dies rund 1,7 Millionen Menschen – abzüglich jener rund einer Million Menschen, die der Eidgenössischen Konföderation (wieder) den Rücken kehrten. Freizügigkeit hin oder her – bei durchschnittlich 7,7 Millionen Einwohnern im gesamten Zeitraum von elf Jahren hat die kleine Schweiz mit rund 155.000 Immigranten pro Jahr jährlich in etwa um zwei Prozent nur durch Einwanderung gewachsen.

Zum Vergleich: Die Europäische Union (27 Länder) hat in etwa 500 Millionen Einwohner. Zwei Prozent davon wären zehn Millionen Menschen. So viele Menschen hätte die europäische Staatengemeinschaft in etwa alleine im letzten Jahr aufnehmen müssen, nur um die selbe Aufnahmequote wie die kleine Schweiz zu erreichen, die nicht einmal Mitglied in diesem Staatenclub ist. Wissen Sie, wie viele Menschen in etwa pro Jahr in die EU einwandern (dürfen)? Laut Eurostat waren dies von 2009-2011 jährlich etwa 1,7 Millionen Menschen. Das sind 0,33 Prozent der gesamten Bevölkerung! Im Gegenzug verließen im selben Zeitraum jährlich im Schnitt 1,17 Millionen Menschen die Europäische Union, so dass das Wanderungssaldo gerade einmal bei plus 530.000 Menschen im Jahr lag. Satte 0,1 Prozent…

Für die Schweiz hieße dies bei den aktuell rund 8,1 Millionen Einwohnern, dass sie pro Jahr lediglich knapp 27.000 Menschen die Einwanderung erlauben müsste, um auf die selbe Quote wie die gesamte EU zu kommen. Erkennen Sie jetzt die Relation?

Wenn die Schweiz nun innerhalb der nächsten drei Jahre wieder Kontingente für EU-Bürger einführt,wie sie zum Beispiel immer noch für Angehörige anderer Staaten gelten, werden diese ziemlich sicher immer noch über jenem Wert liegen, den die EU erreicht. Man sollte sich deshalb die Frage stellen, ob die Brüsseler Eurokratie überhaupt noch ein moralisches Recht dazu besitzt, die Entscheidung der Schweizer zu kritisieren. Immerhin verfährt die EU in Sachen Einwanderung deutlich restriktiver als die Schweiz. Selbst andere Europäer, wie Russen, Ukrainer, Serben oder Albaner werden als Europäer gleich behandelt, wie Afrikaner, Asiaten oder Amerikaner. Und diese Eurokraten, die Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lassen, und teilweise sogar mit Gummigeschossen auf diese Menschen schießen lassen, wagen es tatsächlich, den Schweizern Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen?

Die Eidgenossen haben eine demokratische und nachvollziehbare Entscheidung gefällt die der Regierung den Auftrag erteilt, einen Vertrag mit Brüssel neu zu verhandeln. Da die Schweiz kein EU-Mitglied ist, hat sie auch jedes erdenkliche Recht dazu. Genauso, wie die EU-Staaten über ihre Einwanderungspolitik gegenüber Drittstaaten selbst regeln. Ob man selbst diesen Schritt befürwortet oder ablehnt, ist hierbei irrelevant. Denn wenn man schon mit Steinen wirft, sollte man sich erst einmal vergewissern, ob man nicht eventuell in einem Glashaus sitzt.

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6 thoughts on “EU oder Schweiz: Wer ist hier fremdenfeindlich?”

  1. Auf den Punkt gebracht!
    Ein weiteres (von unzähligen) Beispiel von Heuchelei und Manipulation der Öffentlichkeit durch die EU-Diktatoren! Eine vom Souverän getroffene Entscheidung ist zu akzeptieren – Punkt! In der Schweiz (im Gegensatz zur EU) hat das Volk wenigstens noch etwas mitzureden! Ich hoffe, die Eidgenossen verteidigen Ihr vorbildliches System der direkten Demokratie gegen die Einflüsse von außen. Ich wünschte, wir hätten dieses System auch in Österreich…

    1. Danke. Ich wollte damit nur aufzeigen, welche Heuchler in Brüssel und den anderen Hauptstädten in der EU sitzen. Schlussendlich muss es jedes Land für sich selbst ausmachen können, wie weit die Personenfreizügigkeit mit anderen Ländern geht. Den Schweizern wurde es wohl einfach zu viel.

      Zum Vergleich: Seit 1980 wuchs die Bevölkerung der Schweiz um 27%, jene Österreichs um 13%, jene Deutschlands um 3%. Wenn die Schweizer jetzt sagen „Hey, so kann es nicht weiter gehen!“, ist das für mich absolut nachvollziehbar. Während in der Schweiz jedoch die Bürger darüber abstimmen durften, müssen sich die EU-Bürger hingegen auf die Politeliten verlassen.

  2. „auf die Politeliten verlassen“ … Um Gottes Willen, ja nicht. Auf die ist doch wirklich total kein Verlass ! Prima CH, gut gemacht, bitte standhaft bleiben und nicht in Verhandlungen erweichen lassen.

  3. Ich glaub die Schweizer wissen gar nicht, wie sehr wir sie alle in Europa neidisch verehren, mit Ausnahme all der merkwuerdigen Laender, die ja unbedingt in den letzten Jahren noch in die EU wollten, blind dafuer das die EUdSSR nur dazu da ist, saemtliche gewachsenen Kulturraeume zu erodieren und alles in einen einzigen gleichmacherischen Brei zu verwandeln, in den der Geldadel und seine abhaengigen Konzerne und Regierungen voll hineinlangen darf um sich zu saettigen.
    Aber wenn der Geldtopf funkelt, mit dem man die Gierigen und Abstauber koedert, bildet sich bei denen ein tunnelblick, alle nachteile ausblendend.

    Und dann haben sie den Salat, wenn sie aus den rosa Traeumen aufwachen! Siehe Polen: Alles teurer geworden, aber Loehne und Gehaelter kaum gestiegen, dafuer machen sich ueberall die Zeitarbeitsfirmen-Parasiten breit, die Tarifloehne werden sukzessive zerstoert, sie muessen ploetzlich den von der EU vorgegebenen Monsanto Shit auf die Felder spruehen.
    Soweit so schlecht, das uebliche Taeterschema der neoliberalen Verrueckten.
    Das haben die nun davon.

    Eine EU ist nur vorstellbar als Kooperations-BUENDNIS freier autonomer Staaten, NICHT als UNION von entmuendigten Sklavenstaaten!

    Otto

  4. Bei der Einwanderung in die Schweiz ist wieder vermehrt auf Qualität zu setzen und nicht mehr auf Quantität. Die bisherige Masseneinwanderung ging auch eindeutig und nachweislich zu Lasten unserer Sozialwerke. Auf unseren bescheidenen 41.288 km² sind dann auch nur lediglich 30% der Fläche zur Besiedlung geeignet. Auf dieses sehr enge Korsett zwängt sich aber unterdessen über 2/3 der Bevölkerung. Nur wenige Regionen Europas sind dichter besiedelt als das Schweizerische Mittelland ( eben diese 30%). Mit entsprechend grossen Nachteilen für Infrastruktur und Lebensqualität. 

    50% der bisherigen Einwanderung wurde gar nie von der Wirtschaft benötig. Und schon gar nie von dieser gerufen. Heute entfällt immer noch etwa 1/3 der Einwanderung auf den Familiennachzug, der aber auch Grosseltern, Onkels und Tanten umfasst. Diese Leute werden ebenfalls nicht von der Wirtschaft benötigt. Dennoch benützen diese auch unsere Infrastruktur, beanspruchen unsere Ressourcen und haben vielfach kaum etwas in die Sozialwerke einbezahlt. Unter dem Strich haben wir von diesen Leuten mehr Nachteile als Vorteile. Dazu haben Jugendliche, die über den Familiennachzug in die Schweiz gelangen, hier rein gar nichts zu suchen. Die meisten dieser Jugendlichen sind aus kulturfremden und bildungsfernen Ländern. Die Erfahrung hat leider gezeigt, dass solche Jugendliche sich in einem fremden Land nur noch sehr schlecht integrieren, dass diamentral anders tickt als ihr Herkunftsland.  Das schlägst sich ebenso in zahlreichen Statistiken sehr negativ nieder.   

    Ausserdem gab es seit den 70er Jahren bis in die 2000er Jahre hinein das Kontingentierungssystem bei der Einwanderung, dass sehr effizient und gut funktionierte. Erfahrungen dazu haben wir also. Wer dass abstreitet hat ein schlechtes Gedächtnis und betreibt nur linke Lügenpropaganda.

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