Unabhängigkeit: Engländer drohen den Schotten

Am 18. September stimmen die Schotten über die Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien ab. Bei einem "Ja" wäre dies ein weiterer Schlag für die Nachfahren der größenwahnsinnigen Welteroberer vergangener Zeiten in London. Vom einstigen British Empire sind nur noch klägliche Reste übrig – und selbst die haben langsam genug von der Downing Street. Die Reaktion: trotzige Drohungen.

scottish_hundredDer britische Schatzkanzler George Osborne fand klare Worte zu den Folgen einer eventuellen Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinten Königreich: "Das Pfund ist kein Vermögen, das man wie eine CD-Sammlung nach der Trennung zwischen zwei Ländern aufteilen kann." Weiters ergänzte er: "Wenn Schottland sich vom Vereinigten Königreich abwendet, wendet es sich auch vom Pfund ab." Nun, wenngleich Alex Salmond, Vorsitzender der Scottish National Party (SNP) am britischen Pfund festhalten möchte, so bleibt dennoch die Möglichkeit zur Herausgabe von eigenem Geld. Die Bank of Scotland druckt ja schon lange eigene Pfundnoten.

Die Kritik über ein mögliches unabhängiges Schottland kommt parteiübergreifend. Egal ob Konservative, Sozialdemokraten oder Liberaldemokraten – sie alle versuchen den Schotten mit Drohungen und Warnungen ihre Souveränität zu vergällen. Zwar führen derzeit noch die Befürworter eines Verbleibs Schottlands beim Vereinten Königreich, doch der Abstand zu den Unabhängigkeitsbefürwortern wird immer geringer.

Geradezu lächerlich wirkt der Versuch der Bank of England und des Finanzministeriums, den Schotten Angst vor den Finanzmärkten zu machen. Ist nicht die City of London eines der Hauptzentren der internationalen Hochfinanz? Verursacht nicht gerade die verantwortungslose Geldpolitik Londons neue Blasen auf den Immobilienmärkten? Hinzu kommen noch die rund 7 Milliarden Pfund an Steuereinnahmen aus der Erdölförderung, die bisher ganz Großbritannien zugute kamen. Nach der Unabhängigkeit wären dies etwa 1.300 Pfund je Schotten – derzeit sind es lediglich circa 100 Pfund je Briten. Theoretisch könnte Schottland damit sogar rund die Hälfte der öffentlichen Ausgaben decken, oder einen Staatsfonds nach norwegischem Vorbild einführen.

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Sicher, wenn Schottland für die Freiheit stimmt, wird das Land neue Herausforderungen anzunehmen haben. Nicht nur die Währungsfrage steht im Raum, auch die EU-Mitgliedschaft müsste neu verhandelt werden. Ebenso müsste sich Schottland entscheiden, ob es der NATO und anderen multinationalen Organisationen beitreten möchte. Doch auch hier könnte London aus Trotz eine Blockadehaltung einnehmen. Immerhin gilt das abgewrackte Kernland der einstigen Welteroberer und Sklaventreiber nach wie vor als "Weltmacht", und darf sogar noch einen ständigen Sitz im einflussreichen UN-Sicherheitsrat besetzen.

Artikelbild: Wikimedia / Amanda Slater CC-BY-SA 2.0

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