Stolpersteine im Südchinesischen Meer

Für Barack Obama und die Hegemonial-Politik der USA hat sich die jüngste Asien-Reise des Präsidenten gelohnt. Auf den Philippinen, seiner letzten Station, wurde ein Abkommen unterzeichnet, das es den Streitkräften der USA wieder erlaubt, die Häfen und Flugplätze des ostasiatischen Inselreiches zu benutzen. Der Vertrag über militärische Zusammenarbeit, so nennt man offiziell die machtpolitische Dominanz der USA, hat eine Laufzeit von zehn Jahren und eine Option auf Verlängerung.

Von Florian Stumfall

Was es bedeutet, die Yankees im Lande zu haben, weiß man auf den Philippinen recht gut. Das Land wurde in einem brutalen Feldzug unterworfen und 1902 zur US-Kolonie und blieb das bis 1946. Freilich reservierten sich die USA für 28 Jahre vertraglich die wirtschaftliche Abhängigkeit der Inseln und ließen sich für 99 Jahre die Hoheitsrechte über 23 Militärstützpunkte überschreiben. Allerdings gelang es den Philippinos 1992, die ungebetenen Gäste loszuwerden.

Jetzt sind sie also wieder da, und das haben beide Seiten in hohem Maße China zu verdanken. Peking nämlich beansprucht rund drei Viertel der Südchinesischen See und kommt dabei in eine bedrohliche Nähe der Philippinen. Diese müssen sich, wenn sie Schutz vor dem Gelben Drachen suchen, wohl oder übel an den früheren Kolonialherrn USA wenden, eine Alternative bietet sich ihnen nicht. Insofern sind sie in einer vergleichbaren Lage mit Japan.

Die USA wiederum verfolgen den Plan, den Pazifik zu einem „Mare Americanum“ zu machen und zu diesem Zweck den chinesischen Einfluss in Ost- und Südostasien so weit wie möglich zurückzudrängen. Außerdem sind die US-Stützpunkte angefangen von Diego Garcia im Indischen Ozean und jetzt wieder auf den Philippinen, bis hinauf nach Japan die folgerichtige strategische Fortsetzung der Militärstützpunkte, die die USA vom Baltikum bis nach Mittelasien um Russland herum gelegt haben.

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Dmitri Mossjakow, der Leiter der Südostasien-Studien am russischen Orientalistik-Institut, sagt, nennt den neuen Pakt mit den Philippinen einen wichtiger Durchbruch im Interesse der USA: „Die akutesten Konflikte der letzten Jahre im Südchinesischen Meer hingen eben mit den Philippinen zusammen. Amerika wollte seine Beteiligung daran bisher nicht öffentlich zeigen. Nun sollen die US-Truppen auf die Philippinen zurückkehren.

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Damit steigen die USA unmittelbar in ein großes Spiel in Südostasien ein. Die USA brauchen ihre Flugzeuge und ihre Kriegsschiffe auf den Philippinen, um im Fall einer Eskalation im Südchinesischen und im Ostchinesischen Meer nicht im Abseits zu bleiben. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass die Vereinigten Staaten eine neue Militärbasis in Australien einrichten, ist die zunehmende Präsenz auf den Philippinen ein Beleg für die Rückkehr der USA in den Pazifikraum.“

Ein großer Aufwand also, der China zeigen soll, dass es die USA ernst meinen. Und so groß der Aufwand ist, so klein könnte der Anlass für eine militärische Explosion sein, etwa in Form der Senkaku Inseln oder Diaoyu oder wie die paar Steine im Südchinesischen Meer auch immer heißen mögen. Noch einmal Mossjakow: „Obama spricht von einem starken und verantwortungsvollen China. Dabei entsendet er Truppen auf die Philippinen und stärkt den Japanern in ihrem antichinesischen Kurs den Rücken, indem er die Inselgruppe Senkaku/Diaoyu als integralen Bestandteil Japans einstuft und den US-Schutz dafür bekräftigt. Er begrüßt auch Japans Pläne für eine militärische Umrüstung. Da gibt es einen Widerspruch. Das zeugt davon, dass die USA fest entschlossen sind, sich den Chinesen in Ostasien entgegenzusetzen.“

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